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Spekulationen über durchgefallene Banken Ergebnisse des EZB-Stresstests werden für Verwirrung sorgen

Der größte Banken-Check aller Zeiten ist mit Vorsicht zu genießen. Wer besteht, ist nicht für immer aus dem Schneider – und Durchfaller stehen nicht gleich vor der Pleite.

So bedrohlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland Quelle: AP
Klasse 1 – Morgan Stanley Quelle: REUTERS
Klasse 1 – Standard Chartered Quelle: REUTERS
Klasse 1 – Unicredit Quelle: dpa
Klasse 2 – Barclays Quelle: dpa
Klasse 2 – Wells Fargo Quelle: REUTERS
Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China Quelle: REUTERS

Das Warten ist vorbei. Donnerstagmittag sind die rund 130 wichtigsten Banken der Eurozone von der Europäischen Zentralbank (EZB) über ihre vorläufigen Ergebnisse beim größten Stresstest aller Zeiten informiert worden. Zwei Tage haben die Prüflinge jetzt Zeit, der EZB ein Feedback zu geben, ob sie die Ergebnisse nachvollziehen können. Seit November vergangenen Jahres hat die Notenbank die Bilanzen der größten Geldhäuser in der Währungsunion mit einer beispiellosen Kraftanstrengung überprüft, weil sie bereits in diesem November die zentrale Aufsicht über den Bankensektor übernimmt. Zudem werden die Institute einem Stressszenario unterzogen, bei dem simuliert wird, wie sich eine dreijährige Wirtschaftskrise auf ihre Finanzkraft auswirkt.

Zweck des Großmanövers ist, Altlasten aufzudecken und schwache Kandidaten zu zwingen, dickere Kapitalpolster aufzubauen. Das Banken- und Finanzsystem soll dadurch sicherer werden. Die für Sonntag angekündigten offiziellen Ergebnisse der Sicherheitsübung werden mit Spannung erwartet, weil nicht alle Banken bestanden haben.

Zweite Chance

Durchfaller, deren Kapitaldecke sich als zu dünn erwiesen hat, müssen innerhalb von sechs bis neun Monaten frisches Geld auftreiben, um die im Stresstest aufgedeckten Bilanzlöcher zu stopfen. Zwei Wochen nach Bekanntgabe der Ergebnisse müssen sie der EZB ihre Pläne dafür vorlegen.

Die drei Pfeiler der Bankenaufsicht

Für deutsche Banken dürfte der Stresstest relativ glimpflich abgelaufen sein, in Griechenland, Spanien, Österreich und Italien soll es dagegen Durchfaller geben. Nach Medienberichten sieht es selbst für solche deutschen Banken gut aus, die bisher als Wackelkandidaten galten. So sollen die Landesbanken HSH Nordbank und NordLB trotz ihrer hohen Bestände an Schiffskrediten den Test überstanden haben. Auch für die Commerzbank soll es gut aussehen. Die EZB allerdings bezeichnet Berichte über das voraussichtliche Abschneiden von Banken als hoch spekulativ. Vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse gibt es keine offiziellen Stellungnahmen.

Fußnoten sind wichtig

Allerdings: Auch wenn die Zahlen dann endlich vorliegen, sind diese mit Vorsicht zu genießen. Denn wer besteht, ist nicht für immer aus dem Schneider, und Durchfaller sind nicht gleich Pleitekandidaten. Klingt verwirrend? Ist es auch. Wer die Ergebnisse deuten will, sollte daher nicht nur auf die offiziell festgestellten Kapitalquoten schauen, sondern auch einen aufmerksamen Blick ins Kleingedruckte der EZB-Listen riskieren.

Die Komplexität ist kein böser Wille der EZB, sondern liegt daran, dass der Stresstest einer Quadratur des Kreises gleicht. Schließlich gilt es, die voraussichtliche Entwicklung von rund 130 Bankbilanzen über einen simulierten dreijährigen Krisenzeitraum zu berechnen. Ausgangspunkt der gesamten Übung sind die Bankbilanzen zum Ende des Jahres 2013 sowie das harte Kernkapital an diesem Stichtag.

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