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Staatshilfen Commerzbank kämpft um ihre Eigenständigkeit

Schon wieder Staatshilfe? Auch wenn er sich wehrt, wird die Luft für den Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing dünn. Die Abwicklung der Problemtochter Eurohypo gliche da einem Befreiungsschlag.

Martin Blessing Quelle: dapd

Martin Blessing hat gelernt mit Häme und Spott umzugehen, er hat sich einen Panzer aus Trotz zugelegt. So antwortete der Chef der Commerzbank vergangenen Dienstag auf die Frage, ob sein Institut Staatshilfe brauche, schon fast patzig: „Wir haben doch gesagt, wir werden das aus eigener Kraft schaffen.“

Mit seiner Zuversicht steht Blessing ziemlich allein da. Denn die Zeichen mehren sich, dass die Commerzbank im kommenden Frühjahr erneut auf staatliche Milliardenhilfe angewiesen sein könnte. Sollte sie beim Rettungsfonds Soffin anklopfen, wäre das der wohl entscheidende in Blessings an Rückschlägen reicher Amtszeit. Für diesen Fall hat er seinen Rücktritt angedeutet: „Ich gehe da nicht noch mal hin“, verkündete er vor Wochen.

FAQ Eba

Ob ihm der Gang erspart bleibt, hängt von der europäischen Bankenaufsicht Eba ab. Frühestens Ende dieser Woche dürfte sie die Ergebnisse ihres „Blitzstresstests“ veröffentlichen. Gerade von deutscher Seite gibt es Klärungsbedarf und Kritik. Sicher scheint aber, dass die Kapitallücke der Commerzbank größer ausfallen wird als beim Belastungstest im September. Der hatte einen Mehrbedarf von 2,9 Milliarden Euro ermittelt. Weil Banker und Analysten den nun zwischen fünf und sechs Milliarden Euro ansetzen, stürzte die Aktie auf einen Tiefststand von 1,15 Euro.

Grund sind Verschärfungen: So dürfen die Banken Kursgewinne deutscher nicht mehr mit Verlusten südeuropäischer Staatsanleihen verrechnen. Dass deutsche Banken deshalb insgesamt eher zehn als fünf Milliarden Euro brauchen, bestätigen hochrangige Aufsichtskreise. Blessings Bank wird besonders hart getroffen, weil sie für 13 Milliarden Euro Anleihen aus Krisenstaaten hält. Um die Lücke zu schließen, haben die Institute bis Juni 2012 Zeit.

Diskussion mit der Occupy-Bewegung

Der Rückschlag ist umso bitterer, als der Vorstandschef sich ein Stück weit freigeschwommen hatte. Sein Institut hatte 14 von rund 18 Milliarden Euro Staatshilfen zurückgezahlt. Dadurch fiel die Gehaltsgrenze von 500.000 Euro für Vorstände, und Blessing konnte sich selbstbewusster profilieren. So mischte er sich mit Vorschlägen bei der Euro-Rettung ein und diskutierte mit der bankenkritischen Occupy-Bewegung.

Einmal mehr war die Führung von Deutschlands zweitgrößter, Bank offenbar zu optimistisch. Schon bei der Übernahme der Dresdner Bank 2008 kurz vor der Lehman-Pleite hatte sie ihre Leistungskraft überschätzt. Und bei der Rückzahlung der Staatshilfen legte sie auf die elf Milliarden Euro aus einer Kapitalerhöhung drei Milliarden Euro Eigenkapital drauf. Den Puffer könnte sie nun gut gebrauchen.

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