WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Stellenabbau Bankern droht Kündigungswelle

Bisher lief der Jobabbau bei den Geldhäusern schleichend. Nun könnten bald Tausende deutscher Bankangestellte auf der Straße stehen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Für Bankangestellte brechen düstere Zeiten an. Die kommende Abbauwelle wird wohl vor allem Mitarbeiter in mittleren Altersgruppen treffen. Quelle: dpa

Die Kreissparkasse Euskirchen kehrt aus: Ein Dutzend Geschäftsstellen hat das Institut bei Bonn im Frühjahr dichtgemacht und teilweise durch Automaten ersetzt. Übrig bleiben 17 Filialen sowie sieben Selbstbedienungsstandorte.

Getrieben von Rationalisierungsdruck und strengeren Eigenkapitalregeln dünnen nicht nur Sparkassen, sondern auch andere Institutsgruppen ihr Filialnetz aus und reduzieren die Zahl der Mitarbeiter. Walter Sinn, Bankenexperte bei der Unternehmensberatung Bain & Company, geht davon aus, dass in zehn Jahren ungefähr ein Viertel der bestehenden Bankfilialen in Deutschland verschwunden sein wird.

Bisher wurden Stellen im Geldgewerbe, ob in Euskirchen oder Berlin, möglichst lautlos und sozialverträglich reduziert – wie Altersteilzeit oder den Verzicht auf Nachfolger für regulär ausscheidende Mitarbeiter. Die Instrumente des schonenden Abbaus sind jedoch weitgehend ausgereizt, was auf der Arbeitnehmerseite für Unruhe sorgt.

Wo Investmentbanker gehen müssen
Royal Bank of ScotlandDer Vorstandschef der staatlich kontrollierten britischen Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) tritt ab. Stephen Hester werde seinen Posten zum Ende des Jahres räumen, teilte die Bank mit. „Der Verwaltungsrat ist der Meinung, dass ein ordentlicher Nachfolge-Prozess einem neuen Vorstandschef Zeit geben wird, den Privatisierungsprozess vorzubereiten und die Bank in die kommenden Jahre zu führen“, heißt es in einem Statement der RBS. Hester sei es nicht möglich gewesen, ein solches zeitlich unbegrenztes Bekenntnis abzugeben. Die Royal Bank of Scotland gehört zu rund 80 Prozent dem britischen Steuerzahler. Ihre Reprivatisierung gilt als eines der heißesten Eisen in der britischen Regierungspolitik. Quelle: dpa
Goldman SachsBedrohte Stellen: unbekannt Die US-Investmentbank steht offenbar noch in dieser Woche vor einem weiteren Arbeitsplatzabbau. Dabei werde das Aktienhandelsgeschäft diesmal wohl stärker betroffen sein als die im vergangenen Jahr kräftiger gestutzte Sparte für festverzinsliche Papiere, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Montag. Das Geldhaus von der Wall-Street trennt sich gewöhnlich jedes Jahr zu dieser Zeit von den fünf Prozent seiner Mitarbeiter, die intern am schlechtesten bewertet wurden. Da das Handelsgeschäft aber weiter unter schwachen Volumen und niedrigen Gewinnen leidet, würden wahrscheinlich hier in einigen Bereichen die Einschnitte tiefer sein, hieß es in den Kreisen. Quelle: dpa
Morgan StanleyBedrohte Stellen: 1600 Die sechstgrößte US-Bank plant angeblich, in den nächsten Wochen den Geschäftsbereich Investmentbanking um 1600 Stellen zu reduzieren. Das entspricht etwa sechs Prozent der Mitarbeiter in dieser Sparte. Rund 800 Investmentbanker sollen in den USA entlassen werden, aber auch Mitarbeiter außerhalb der Vereinigten Staaten werden gehen müssen. Ähnlich wie bei den Entlassungen der Citigroup sollen Mitarbeiter aus allen Ebenen betroffen sein. Quelle: REUTERS
a Citibank branch in New York Quelle: dapd
Deutsche Bank Quelle: dapd
Nomura Quelle: REUTERS
JP Morgan Quelle: REUTERS

„Die Beschäftigten im Kreditgewerbe stehen vor einer Zäsur, wir befürchten, dass es einen weiteren Stellenabbau geben wird“, sagt Beate Mensch, im Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zuständig für die Beschäftigten in der Finanzbranche. Grund sei, dass viele Institute ihre Strategie etwa im schwächelnden Privatkundengeschäft ändern wollen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Tausende Jobs werden überflüssig

    „Kommende Abbauwellen würden vor allem Mitarbeiter in mittleren Altersgruppen treffen“, sagt die Gewerkschafterin. Bei denen sei die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gern genutzte Altersteilzeit nicht anwendbar. Damit ist der Konflikt programmiert. „Gegen betriebsbedingte Kündigungen“, droht Mensch, „würden wir uns mit allen Mitteln wehren.“

    Zahl der Bankmitarbeiter und Filialen in Deutschland

    Die Anzeichen für einen unruhigen Herbst bei den Banken sind unübersehbar. Die Commerzbank will sich im September zu neuen strategischen Maßnahmen äußern, die HypoVereinsbank will dies Ende des Jahres tun.

    „Sollte es 2013 zu einer Rezession kommen, fürchten wir einen weiteren deutlichen Abbau“, sagt Klaus Grünewald, der für Verdi seit zehn Jahren im Aufsichtsrat der zur italienischen UniCredit gehörenden HypoVereinsbank sitzt und bereits zahlreiche Stellenstreichungen erlebt hat. Vor allem im Firmenkundengeschäft und Investmentbanking könnte es laut Grünwald zu weiteren Jobverlusten kommen.

    Auch bei der von der Deutschen Bank übernommenen Postbank blicken die Beschäftigten bang in die Zukunft. Mit starken Einschnitten ins Filialnetz rechnen sie zwar nicht. Doch die Informatiker arbeiten an einer neuen, gemeinsamen IT-Plattform von Mutter und Tochter. Wenn die in den nächsten Jahren anläuft, werden wohl einige Tausend Jobs überflüssig.

    Kernproblem Personalkosten


    Fujitsu streicht 400 Jobs
    Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
    Lufthansa Technik Quelle: dpa
    DAK Gesundheit Quelle: dpa
    EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
    Intel Quelle: REUTERS
    Nokia Quelle: dpa
    Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

    Die Commerzbank will ihr schwächelndes Privatkundengeschäft einer strategischen Prüfung unterziehen. Zu Gerüchten über geplante Stellenstreichungen äußert sich das Unternehmen nicht, doch die Arbeitnehmerseite positioniert sich schon mal vorsorglich: „Die Commerzbank sehen wir wegen der Staatshilfen in der Pflicht, für Sicherheit und gute Qualität der Arbeitsplätze zu sorgen“, sagt Gewerkschafterin Mensch. Der Bund solle nicht nur auf die finanzielle Entwicklung seines Aktienpakets schauen, sondern auch auf die Rolle der Bank als Arbeitgeber.

    Was von den einst stolzen Banken übrig blieb
    Die Landesbank Berlin ist mit einer Bilanzsumme von 131,2 Milliarden Euro zum Jahresende 2011 die kleinste Landesbank in Deutschland. Ihre Risikovorsorge verringerte sie im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf 83 Millionen Euro. Bei dieser Übersicht nicht berücksichtigt ist die HSH Nordbank, denn sie ist durch die Beteiligung des privaten Finanzinvestors J.C. Flowers ein Sonderfall. Quelle: AP
    Die Landesbank Hessen-Thüringen ( Helaba) ist mit einer Bilanzsumme von 164 Milliarden Euro zwar nur die Nummer fünf. Sie ist aber gut durch die Krise gekommen, wie zuletzt der Gewinn von 397 Millionen Euro im vergangenen Jahr zeigte. Deshalb wird ihr bei der Neuordnung der Branche auch eine führende Rolle zugetraut. Ihre Risikovorsorge verringerte sich 2011 um vier Prozent auf 273 Millionen Euro. Quelle: dpa
    Die WestLB ist seit dem 1. Juli 2012 Geschichte. Die Landesbank, die einst sogar der Deutschen Bank Konkurrenz machte, war schon im vergangenen Jahr nur noch die Nummer vier in Deutschland, mit einer Bilanzsumme von 167,9 Milliarden Euro. Ihre Risikovorsorge verringerte sie um drei Fünftel auf 95 Millionen Euro. Quelle: dpa
    Die NordLB ist mit einer Bilanzsumme von 227,6 Milliarden Euro Deutschlands drittgrößte Landesbank. Ihr nach eigener Darstellung „sehr ordentliches Ergebnis“ im Jahr 2011 reichte beim Jahresüberschuss zum Meistertitel unter den Landesbanken - mit 536 Millionen Euro. Dabei profitierte sie von der um mehr als zwei Drittel auf 205 Millionen Euro verringerten Risikovorsorge. Quelle: dpa
    Die Bayerische Landesbank ( BayernLB) ist mit einer Bilanzsumme von 309,1 Milliarden Euro Deutschlands Nummer zwei. Sie reduzierte ihre Risikovorsorge 2011 um gut ein Fünftel auf 548 Millionen Euro. Quelle: dapd
    Die Landesbank Baden-Württemberg ( LBBW) bleibt mit einer Bilanzsumme von 373,1 Milliarden Euro die Nummer eins. Sie kam wie die WestLB, die HSH Nordbank und die BayernLB nur mit Staatshilfe durch die Finanzkrise. Ihre Risikovorsorge lag zum Jahresende 2011 bei 152 Millionen Euro, nicht einmal mehr ein Drittel des Vorjahreswertes. Quelle: dpa

    Doch den Trends in der Branche kann sich auch ein teilverstaatlichtes Institut nicht entziehen. Denn beim internen Service der Institute, wie der Prüfung von Kreditanfragen oder dem Zahlungsverkehr, sehen Berater noch viel Luft. „Dort dürften Banken per Automatisierung die Personaldecke um 20 bis 30 Prozent reduzieren“, sagt Reinhard Messenböck, Experte für Retailbanking bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group.

    Top-Jobs des Tages

    Jetzt die besten Jobs finden und
    per E-Mail benachrichtigt werden.

    Standort erkennen

      Banken



      Auf einzelne Institute gerechnet ergebe sich dadurch ein Stellenabbau von rund drei Prozent jährlich. Jobs wandern dabei in Servicegesellschaften und Callcenter ab, wo deutlich weniger gezahlt wird, sodass sich die Lohnlisten der Kreditinstitute verkürzen.

      Auch die strengeren Regeln der Bankenaufsicht treiben den Stellenabbau. Um die hohen Kapitalquoten einzuhalten, bleibe vielen Banken laut Berater Messenböck nichts anderes übrig, als die Kosten – etwa beim Personal – zu senken. „Hohe Personalkosten sind unser Kernproblem“, heißt es auch bei der Euskirchener Sparkasse.

      © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
      Zur Startseite
      -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%