Stellenabbau Bankern droht Kündigungswelle

Bisher lief der Jobabbau bei den Geldhäusern schleichend. Nun könnten bald Tausende deutscher Bankangestellte auf der Straße stehen.

Für Bankangestellte brechen düstere Zeiten an. Die kommende Abbauwelle wird wohl vor allem Mitarbeiter in mittleren Altersgruppen treffen. Quelle: dpa

Die Kreissparkasse Euskirchen kehrt aus: Ein Dutzend Geschäftsstellen hat das Institut bei Bonn im Frühjahr dichtgemacht und teilweise durch Automaten ersetzt. Übrig bleiben 17 Filialen sowie sieben Selbstbedienungsstandorte.

Getrieben von Rationalisierungsdruck und strengeren Eigenkapitalregeln dünnen nicht nur Sparkassen, sondern auch andere Institutsgruppen ihr Filialnetz aus und reduzieren die Zahl der Mitarbeiter. Walter Sinn, Bankenexperte bei der Unternehmensberatung Bain & Company, geht davon aus, dass in zehn Jahren ungefähr ein Viertel der bestehenden Bankfilialen in Deutschland verschwunden sein wird.

Bisher wurden Stellen im Geldgewerbe, ob in Euskirchen oder Berlin, möglichst lautlos und sozialverträglich reduziert – wie Altersteilzeit oder den Verzicht auf Nachfolger für regulär ausscheidende Mitarbeiter. Die Instrumente des schonenden Abbaus sind jedoch weitgehend ausgereizt, was auf der Arbeitnehmerseite für Unruhe sorgt.

Wo Investmentbanker gehen müssen
Royal Bank of ScotlandDer Vorstandschef der staatlich kontrollierten britischen Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) tritt ab. Stephen Hester werde seinen Posten zum Ende des Jahres räumen, teilte die Bank mit. „Der Verwaltungsrat ist der Meinung, dass ein ordentlicher Nachfolge-Prozess einem neuen Vorstandschef Zeit geben wird, den Privatisierungsprozess vorzubereiten und die Bank in die kommenden Jahre zu führen“, heißt es in einem Statement der RBS. Hester sei es nicht möglich gewesen, ein solches zeitlich unbegrenztes Bekenntnis abzugeben. Die Royal Bank of Scotland gehört zu rund 80 Prozent dem britischen Steuerzahler. Ihre Reprivatisierung gilt als eines der heißesten Eisen in der britischen Regierungspolitik. Quelle: dpa
Goldman SachsBedrohte Stellen: unbekannt Die US-Investmentbank steht offenbar noch in dieser Woche vor einem weiteren Arbeitsplatzabbau. Dabei werde das Aktienhandelsgeschäft diesmal wohl stärker betroffen sein als die im vergangenen Jahr kräftiger gestutzte Sparte für festverzinsliche Papiere, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Montag. Das Geldhaus von der Wall-Street trennt sich gewöhnlich jedes Jahr zu dieser Zeit von den fünf Prozent seiner Mitarbeiter, die intern am schlechtesten bewertet wurden. Da das Handelsgeschäft aber weiter unter schwachen Volumen und niedrigen Gewinnen leidet, würden wahrscheinlich hier in einigen Bereichen die Einschnitte tiefer sein, hieß es in den Kreisen. Quelle: dpa
Morgan StanleyBedrohte Stellen: 1600 Die sechstgrößte US-Bank plant angeblich, in den nächsten Wochen den Geschäftsbereich Investmentbanking um 1600 Stellen zu reduzieren. Das entspricht etwa sechs Prozent der Mitarbeiter in dieser Sparte. Rund 800 Investmentbanker sollen in den USA entlassen werden, aber auch Mitarbeiter außerhalb der Vereinigten Staaten werden gehen müssen. Ähnlich wie bei den Entlassungen der Citigroup sollen Mitarbeiter aus allen Ebenen betroffen sein. Quelle: REUTERS
a Citibank branch in New York Quelle: dapd
Deutsche Bank Quelle: dapd
Nomura Quelle: REUTERS
JP Morgan Quelle: REUTERS

„Die Beschäftigten im Kreditgewerbe stehen vor einer Zäsur, wir befürchten, dass es einen weiteren Stellenabbau geben wird“, sagt Beate Mensch, im Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zuständig für die Beschäftigten in der Finanzbranche. Grund sei, dass viele Institute ihre Strategie etwa im schwächelnden Privatkundengeschäft ändern wollen.

Tausende Jobs werden überflüssig

„Kommende Abbauwellen würden vor allem Mitarbeiter in mittleren Altersgruppen treffen“, sagt die Gewerkschafterin. Bei denen sei die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gern genutzte Altersteilzeit nicht anwendbar. Damit ist der Konflikt programmiert. „Gegen betriebsbedingte Kündigungen“, droht Mensch, „würden wir uns mit allen Mitteln wehren.“

Zahl der Bankmitarbeiter und Filialen in Deutschland

Die Anzeichen für einen unruhigen Herbst bei den Banken sind unübersehbar. Die Commerzbank will sich im September zu neuen strategischen Maßnahmen äußern, die HypoVereinsbank will dies Ende des Jahres tun.

„Sollte es 2013 zu einer Rezession kommen, fürchten wir einen weiteren deutlichen Abbau“, sagt Klaus Grünewald, der für Verdi seit zehn Jahren im Aufsichtsrat der zur italienischen UniCredit gehörenden HypoVereinsbank sitzt und bereits zahlreiche Stellenstreichungen erlebt hat. Vor allem im Firmenkundengeschäft und Investmentbanking könnte es laut Grünwald zu weiteren Jobverlusten kommen.

Auch bei der von der Deutschen Bank übernommenen Postbank blicken die Beschäftigten bang in die Zukunft. Mit starken Einschnitten ins Filialnetz rechnen sie zwar nicht. Doch die Informatiker arbeiten an einer neuen, gemeinsamen IT-Plattform von Mutter und Tochter. Wenn die in den nächsten Jahren anläuft, werden wohl einige Tausend Jobs überflüssig.

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