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StellenabbauUBS bereitet Kahlschlag bei Credit Suisse vor

Nach der Übernahme folgt die radikale Stellenkürzung. Knapp die Hälfte der Belegschaft könnte ihren Job verlieren. 28.06.2023 - 10:50 Uhr
Foto: REUTERS

Die UBS Group AG bereitet den Vernehmen nach massive Stellenstreichungen bei der übernommenen Credit Suisse vor. Ab nächsten Monat dürfte mehr als jeder zweite der rund 45.000 Mitarbeiter des ehemaligen Lokalrivalen seinen Arbeitsplatz verlieren. Vom Stellenabbau werden informierten Kreisen zufolge besonders Banker, Händler und Assistenzpersonal bei der Investmentbank der Credit Suisse in London, New York und einigen Teilen Asiens betroffen sein. Kein Bereich sei vor Kürzungen sicher, heißt es. Mitarbeitern wurde mitgeteilt, dass sie bis zum Jahresende mit drei Kündigungswellen rechnen müssten. Die erste dürfte Ende Juli kommen, berichten informierte Kreise. Weitere Einschnitte werde es voraussichtlich im September und im Oktober geben, hieß es bei mit den Plänen vertrauten Personen, die nicht namentlich genannt werden wollten.

Drei Monate nach der Ankündigung der staatlich eingefädelten Rettung der Credit Suisse durch die UBS werden somit die Konsequenzen für die Beschäftigten langsam sichtbar. Die UBS hat bereits angekündigt, die Personalkosten in den kommenden Jahren um rund 6 Milliarden Dollar reduzieren zu wollen. Durch die Übernahme der Credit Suisse ist die Belegschaft auf rund 120.000 gewachsen.

Letztlich will die UBS die Mitarbeiterzahl des Konzerns dem Vernehmen nach um 35.000 stutzen, was rund 30 Prozent der Gesamtbelegschaft entsprechen würde. Dies würde in etwa den Einschnitten von rund 30.000 entsprechen, die Analysten bei Redburn in diesem Monat in einem Bericht zur UBS prognostiziert hatten. Die Aktie der UBS legte am Dienstag im US-Handel um fast 2 Prozent zu. Ein Sprecher der UBS lehnte es ab, den Stellenabbau zu kommentieren.

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Die internationale Finanzbranche hat in diesem Jahr schon erheblichen Stellenabbau zu verkraften. An der Wall Street haben unter anderem Morgan Stanley und Goldman Sachs Group Inc. angekündigt, sich von Tausenden Mitarbeitern trennen zu wollen. Die Führungsriege der fusionierten Bank zeigt bereits die Dominanz der UBS. In der Geschäftsleitung des fusionierten Kreditinstituts sitzt nur noch ein einziger Credit-Suisse-Manager – Ulrich Körner, der Chef der übernommenen Bank bleibt. Im wichtigen Bereich Wealth Management kommen nur fünf der mehr als zwei Dutzend Führungspositionen von der Credit Suisse. Ermotti sagte am Dienstag auf einer Veranstaltung in Zürich, die Integration verlaufe „sehr gut“.

Die UBS hatte von Anfang an signalisiert, dass sie die verlustbringende Investmentbank der Credit Suisse drastisch verkleinern will. Ursprünglich hatte sie geplant, die besten 20 Prozent der Investmentbanker zu behalten, vor allem in den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation. Konkurrenten wie die Deutsche Bank AG, Jefferies Financial Group Inc. und Wells Fargo & Co. haben in den letzten Monaten zahlreiche Banker der Credit Suisse abgeworben.

UBS – das ist der neue Bankenriese aus der Schweiz
Die UBS ist selbst ein Fusionsprodukt. 1998 schlossen sich der Schweizerische Bankverein (SBV) und die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) zur UBS zusammen. Die Wurzeln des Instituts reichen bis in das Jahr 1862 zurück. Seit damals wurden mehr als 370 Privatbanken, Sparkassen, Vermögensverwalter, Broker und Geschäftsbanken integriert. In der Finanzkrise 2008 musste das Institut von der Schweizerischen Nationalbank und der Regierung des Landes gerettet werden. Danach dampfte sie das riskante Investmentbanking ein und richtete sich vor allem auf das Geschäft mit Millionären und Milliardären aus. 2021 verlor die Bank im Zuge des Archegos-Zusammenbruchs aber nochmals hunderte Millionen Dollar. Negativ-Schlagzeilen machte die Bank auch mit Rechtsfällen wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung wie etwa in Frankreich und den USA.
Die UBS gehört zu den weltweit größten Vermögensverwaltern für reiche Privatpersonen. Zusammen mit Credit Suisse wird sie mit Anlagevermögen von 3,4 Billionen Dollar hinter der amerikanischen Morgan Stanley zur globalen Nummer zwei in dem Geschäft. Daneben betreibt sie wie die Credit Suisse im Heimmarkt ein großes Privat- und Firmenkundengeschäft. Zusammen werden sie vor Raiffeisen die klare Nummer eins mit Kundeneinlagen von 333 Milliarden Franken und einem Kreditvolumen von 307 Milliarden Franken. Im Asset Management für Profikunden wie Pensionskassen steigt die fusionierte Bank mit Anlagevermögen von 1,5 Billionen Dollar zu den führenden Häusern Europas auf. Das vierte Geschäftsfeld ist das Investmentbanking mit Handel und der Beratung von Firmen etwa bei Unternehmenszusammenschlüssen. Das Handelsgeschäft der Credit Suisse, das dem Institut Milliardenverluste einbrockte, wird abgewickelt.
Dank der Größenvorteile dürfte die UBS die Kosten senken und das Angebot ausbauen können. Im Wachstumsmarkt Asien schließen sich die Nummer eins UBS und die Nummer zwei im Geschäft mit Reichen und Superreichen zusammen. Vor allem in Südostasien verstärkt sich die UBS dank des Zukaufs. Im zweiten Wachstumsmarkt USA nimmt die Schlagkraft der UBS im Geschäft mit Ultrareichen zu. Ab 2027 dürfte sich der Deal positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken. 2022 fuhr die UBS einen Gewinn von 7,6 Milliarden Dollar ein und schaffte damit das beste Ergebnis seit 16 Jahren. Credit Suisse erlitt dagegen einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken.
Zusammen kommen UBS und Credit Suisse gegenwärtig auf rund 120.000 Mitarbeiter. Einem Insider zufolge dürften aber mindestens 10.000 Jobs abgebaut werden, vor allem bei der Credit Suisse.Die kombinierte Bilanzsumme von 1,7 Billionen Dollar ist laut Analysten von Citi mehr als das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts der Schweiz. Dies läuft den Interessen der Schweiz eigentlich zuwider, denn eine Rettung dieses Giganten könnte die Kräfte des Landes übersteigen. Bereits heute gelten Credit Suisse und UBS als zwei der weltweit 30 Banken, deren Ausfall das ganze Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen könnten.
„Aus der Komplexität der Transaktion ergeben sich diverse Unwägbarkeiten“, erklärte ZKB-Analyst Michael Klien. Dazu gehörten Umsetzungsrisiken und Kulturkonflikte. Kunden, die Konten bei beiden Banken haben und ihre Risiken streuen wollten, könnten zudem einen Teil ihres Geldes abziehen. Dazu könnten Rechtsstreitigkeiten kommen. „Dieser Deal wird zwangsläufig juristischen und politischen Widerstand hervorrufen“, erklärte Octavio Marenzi, Chef der Finanzberatung Opimas. Die Schweizer Regierung habe von Notstandsbefugnissen Gebrauch gemacht, um diese Fusion durchzusetzen. „Eine rechtliche Anfechtung durch die Aktionäre der Credit Suisse, die ihr Eigentum als widerrechtlich beschlagnahmt sehen, ist garantiert.“
Am Ruder bleiben die bisherigen UBS-Steuermänner, Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher und CEO Ralph Hamers. Kelleher dementierte in der Vergangenheit Spekulationen, dass die beiden Konflikte haben. Zudem warfen Medien zuletzt die Frage auf, ob nicht der krisengestählte frühere Morgan-Stanley-Finanzchef Kelleher besser für den CEO-Posten geeignet sein könnte als der Retailbanker und Digitalisierungsexperte Hamers.(Stand: 20. März 2023)

Im Wealth Management hofft die UBS, die Mehrheit der Banker halten zu können, obwohl viele bereits gegangen sind, ist zu hören. Im asiatisch-pazifischen Raum sollen einige hundert Private Banker der Credit Suisse bleiben, womit sich die Gesamtzahl auf mehr als 1.200 erhöhen würde, wie Bloomberg bereits berichtet hatte. Einige Banker in Singapur werden womöglich bereits im Juli in die Niederlassung der UBS umziehen.

Die Bank wird auch die Mitarbeiter, die für das Management von strukturierten Krediten an vermögende Kunden und der Aktienderivate der Credit Suisse verantwortlich sind, dem Vernehmen nach zumindest kurzfristig behalten müssen.

Im Schweizgeschäft könnten bis zu 10.000 Stellen wegfallen

Was das Schweizer Inlandsgeschäft der Credit Suisse anbelangt, will UBS im dritten Quartal entscheiden, ob sie es in ihre eigene Schweizsparte integrieren will oder eine andere Option wie die Ausgliederung oder Börsennotierung anstrebt. Das Schicksal der Schweizer Bank ist in der Eidgenossenschaft ein großes Thema wegen Bedenken hinsichtlich der Marktmacht der kombinierten Bank.

In den ersten Abbaurunden werden daher wohl jene Stellen ausgeklammert, die mit den Überschneidungen im Schweizer Geschäft zusammenhängen, heißt es. Insgesamt würden bis zu 10.000 Stellen wegfallen, wenn die beiden Inlandssparten fusioniert werden. Etwa 30 Prozent der Mitarbeiter der fusionierten Bank sind in der Schweiz beschäftigt, aber nicht alle arbeiten auch im eigentlichen Schweizgeschäft.

Ermotti zufolge ist das „Basisszenario“, dass UBS die Schweizer Bank der Credit Suisse behält. Basierend auf den Äußerungen von Ermotti und Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher in Betriebsversammlungen und internen Meetings erwarten viele Mitarbeiter, dass die Geschäftsbereiche fusioniert werden, insbesondere nach der Verschlechterung des inländischen Wealth Management der Credit Suisse.

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