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Strategie 2016 Commerzbank baut Privatkundengeschäft um

Heute verkündet die Commerzbank nicht nur die Zahlen des letzten Quartals, sondern auch ihre mit Spannung erwartete Strategie für die kommenden Jahre. Die Dividende wurde bereits gestrichen, ein Stellenabbau scheint unvermeidlich.

Die aktuellen Quartalszahlen der Commerzbank machen deutlich - Deutschlands zweitgrößte Bank braucht dringend Lösungen Quelle: dpa

Die Quartalszahlen sind nur Beiwerk. Viel wichtiger ist die mit Spannung erwartete Strategie 2016, die die Commerzbank heute in Frankfurt präsentiert. Bank-Chef Martin Blessing will erläutern, wie er die zahlreichen Baustellen der zweitgrößten deutschen Bank beseitigen will. Anderenfalls dürfte die Commerzbank endgültig in die zweite Liga der Geldinstitute abrutschen, schon jetzt wird sie in Frankfurter Bankkreisen gerne als "Großsparkasse" verspottet. Vieles scheint möglich, wenig unmöglich: Stellenstreichungen, weniger Filialen, mehr Online-Banking.

Eine Stellschraube für Blessings "Roadmap 2016" sind die Kosten. Trotz hoher Investitionen ins Privatkundengeschäft will die Bank ihre Aufwandsquote auf unter 60 Prozent drücken. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern soll dagegen bis 2016 auf über zehn Prozent steigen. Dafür müsse das konsequente Kostenmanagement weiter fortgesetzt werden, gab die Commerzbank am Donnerstag bekannt. Dazu gehöre auch eine "Anpassung der Personalkapazitäten". Wie die WirtschaftsWoche am Mittwoch aus Aufsichtsratskreisen erfahren hatte, sollen die Verwaltungskosten bis 2016 nicht steigen. Schon in der Vergangenheit seien 15 Prozent der Kosten gespart worden. Dennoch dürfte das massive Stellenstreichungen nach sich ziehen. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte vorab berichtet, die Commerzbank müsse insgesamt bis zu 6.000 Stellen abbauen und berief sich dabei auf Kenner des Instituts. Diese konkreten Zahlen wollte die Commerzbank am Donnerstag nicht bestätigen.

Boehringer Ingelheim legt Sparprogramm auf
Boehringer IngelheimDeutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller will seine Kosten deutlich senken. Der Konzern habe sich das Ziel gesetzt, insgesamt 15 Prozent in Deutschland einzusparen, erklärte eine Sprecherin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 11. August. "Boehringer Ingelheim reagiert mit einem Maßnahmenpaket auf die großen Veränderungen auf dem Pharmamarkt: Der Preisdruck steigt, der Zugang zu Märkten wird schwieriger, die Konkurrenzsituation verschärft sich weltweit." Ziel sei es, Mittel zu schaffen, um neue Produkte einzuführen und weiter zu investieren. Der Zeitung zufolge hat das Unternehmen bereits einen qualifizierten Einstellungsstopp in Deutschland verhängt. In einer Mitarbeiterzeitung sei auch die Rede davon, dass die Zahl der Angestellten sinken soll. Dies habe das Unternehmen jedoch am Wochenende nicht bestätigen wollen. Quelle: dpa
AudiUnter dem Eindruck sinkender Erträge stellt Audi seine Mitarbeiter auf Einsparungen ein. Das neue Programm "Business 2.0" soll eine Vielzahl von Maßnahmen bringen - ein Stellenabbau ist aber nicht geplant. Als Begründung für die Sparmaßnahmen nannte Audi in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das unserer Redaktion vorliegt, die unsichere Wirtschaftslage in Russland, strukturelle Problemen der Wirtschaft in Brasilien und Südafrika sowie die nachlassende Konjunktur in Deutschland. Quelle: dpa
DaimlerKonzernchef Dieter Zetsche legt beim Sparprogramm "Fit for Leadership" noch eine Schippe drauf. Das berichtet das manager magazin. Bisher sollten damit die Kosten in der Pkw-Sparte Mercedes im laufenden Jahr um gut zwei Milliarden Euro gedrückt werden. Jetzt will Zetsche jährlich weitere 3,5 Milliarden Euro einsparen, um das Gewinnziel von 10 Prozent Umsatzrendite (vor Steuern und Zinsen) noch zu erreichen. Mit seinem Sparprogramm folgt Zetsche auf die Ankündigungen seiner Kollegen in München und Wolfsburg... Quelle: AP
VolkswagenLange Gesichter auch bei Volkswagen. Chef Martin Winterkorn hat seine Führungskräfte auf milliardenschwere Sparbemühungen eingeschworen: fünf Milliarden Euro bis 2017. So will der Chef die anvisierten sechs Prozent Umsatzrendite in der VW-Pkw-Sparte bis 2018 doch noch schaffen. Vergangenes Jahr kamen aber nur 2,9 Prozent zusammen. Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben bis 2018 Weltmarkführer werden zu wollen, die Rendite ist wichtiger Teil der Strategie. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sollen die Einsparungen unter anderem beim Einkauf sowie geringeren Investitionen und Fixkosten erreicht werden. Winterkorn beklagte zudem zu hohe Aufwendungen beim Bau neuer Fabriken sowie dem Anlauf von neuen Modellen. Quelle: dpa
BMWDer Autobauer will einem Magazinbericht zufolge mit einem neuen Sparprogramm Milliarden einsparen. Bis 2020 sollten die Kosten um mindestens drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sinken, berichtete das "Manager Magazin" am 18. Juni unter Berufung auf Konzernkreise. BMW-Chef Norbert Reithofer habe die Unternehmensberatung McKinsey mit der Ausarbeitung des Projekts beauftragt. Das Sparprogramm solle gewährleisten, dass die operative Umsatzrendite des Konzerns auch langfristig im angepeilten Korridor von acht bis zehn Prozent liege. Bei BMW war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Quelle: dpa
Siemens Programm "2020"Joe Kaeser gibt Gas und drückt die Kosten. Rund eine Milliarde Euro will er bis 2016 einsparen. Dafür schrumpft er die Zahl der Divisionen - so heißen die Geschäftseinheiten von Antriebstechnik bis zu Windkraft - von 16 auf 9 zusammen. Die so genannte Sektoren-Ebene entfällt vollständig. Aber damit nicht genug. Zum bisherigen Arbeitsplatzabbau von weltweit 15.000 Stellen, der noch unter Vorgänger Peter Löscher beschlossen wurde, kommen weitere mehrere Tausend. Details nannte Kaeser noch nicht. Siemens beschäftigt in Deutschland 130.000 Mitarbeiter. Sie sind größtenteils per Betriebsvereinbarung vor Entlassungen geschützt. Zweck des Rundum-Erneuerungs-Programms: Die Marge soll wachsen. Sie war in den vergangenen zwei Jahren deutlich unter der des Konkurrenten General Electric geblieben. Die zu optimistischen Rendite-Versprechen von 12 Prozent bis 2014 kosteten Peter Löscher im Sommer 2013 den Job. Quelle: dpa
DaimlerDas Sparprogramm „Fit for Leadership (F4L)“ ist als eine Art Zwei-Stufen-Modell angelegt. Kurzfristig will der Autobauer dadurch in seiner Pkw-Sparte bis Ende 2014 rund zwei Milliarden Euro sparen. Im Lkw-Bereich sollen es insgesamt 1,6 Milliarden Euro sein. Hinzu kommen Ersparnisse in der Bussparte. In den darauffolgenden Jahren möchte der Konzern dann weiter von den eingeleiteten Sparmaßnahmen profitieren. Entlassungen sind Daimler zufolge dabei vorerst kein Thema - freiwerdende Stellen werden aber möglicherweise nicht neu besetzt und ältere Mitarbeiter über Alterszeit früher aus dem Unternehmen ausscheiden. Daimler will Entwicklung, Produktion und Vertrieb effizienter machen. Im für die Schwaben problematischen Markt China sollen die bisher zwei Vertriebsgesellschaften zu einer zusammenwachsen.Auf der Hauptversammlung am 9. April 2014 kündigte Chef Zetsche an, das Sparprogramm auszuweiten. „Über alle Geschäftsfelder hinweg zeigen unsere Effizienzmaßnahmen Wirkung. Wir werden sie strukturell absichern und ausbauen“, sagte Zetsche. Details zum Umfang weiterer Sparmaßnahmen nannte er nicht. Quelle: dapd

Realistische Prognosen

Auch wenn die konkreten Zahlen noch nicht feststehen, ein Paukenschlag ist es allemal. Immerhin wäre etwa jeder Zehnte der aktuell rund 56.000 Mitarbeiter der Bank von den Stellenstreichungen betroffen. Nach Meinung von Experten ist diese Zahl zwar deutlich höher als bislang erwartet. Trotzdem liege sie durchaus im Rahmen des Möglichen, sagte ein Analyst der WirtschaftsWoche. Schließlich stünden bei anderen Instituten noch höhere Stellenstreichungen auf der Tagesordnung, die Schweizer Großbank UBS etwa streicht sogar bis zu 10.000 Stellen. "Der Stellenabbau in der Branche wird weitergehen, auch bei der Commerzbank", sagte ein Branchenkenner gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Wie gut ist die Nummer zwei der deutschen Bankenwelt?
Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
 Ein Containerschiff wird im Hamburger Hafen be- und entladen Quelle: dpa
Eine Auszubildende schraubt an einem Motor Quelle: dpa
Das Logo der Dresdner Bank vor dem Gebäude der Commerzbank Quelle: dpa
Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Quelle: dpa
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG zu Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens Quelle: dpa
Der Kurswert der Commerzbank-Aktie am 9. Januar 2009 Quelle: AP

Wie dringend die neue Strategie ist, zeigen die aktuellen Zahlen. Unter dem Strich verdiente der teilverstaatlichte Konzern im dritten Quartal 2012 78 Millionen Euro und damit noch weniger als im schwachen Vorquartal. Das Ergebnis liegt noch unter den Erwartungen der Analysten. Das niedrige Zinsniveau und die Sorgen um die Konjunktur in Deutschland drückten auf den Gewinn. Zudem belastet die radikale Schrumpfkur die Ergebnisse. Im vierten Quartal rechnet die Bank mit weiter sinkenden Gewinnen.

Noch nach der Übernahme der Dresdner Bank 2008 wollte Blessing die Bank zu einem "Marktführer mit europäischem Format" machen. Seit letzter Woche gehört sein Institut allerdings nicht einmal mehr zu den global systemrelevanten Banken. Die Übernahme des Konkurrenten mitten in der Finanzkrise war für die Commerzbank eine Nummer zu groß, am Ende musste sogar der Staat in die Bresche springen, um die Bank zu retten. e ohne die Gewinne der Online-Tochter Comdirect sogar in die roten Zahlen gerutscht.

Die wichtigsten Sparten der Commerzbank

Zwar konnte Blessing die Bilanzsumme der Bank auf aktuell 673 Milliarden Euro einstampfen und ist dadurch besser als manch andere Bank für härtere Regulierungsvorschriften wie Basel III gerüstet. Allerdings sieht die Einnahmenseite düster aus. Besonders im so wichtigen Privatkundengeschäft läuft es nicht rund. Trotz elf Millionen Kunden verdient die Commerzbank mit ihren Filialen kaum Geld. Im zweiten Quartal 2012 wäre die Spart

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