WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Studie Banken nehmen das Geschäft im Internet nicht ernst

Exklusiv

Der Onlineauftritt von Banken und Versicherungen zielt oft an den Wünschen der Kunden vorbei. Die Finanzbranche verschenkt damit viel Potenzial. Warum ausgerechnet die internetaffinen Direktbanken enttäuschen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die klassische Bankfiliale wird immer mehr vom Online-Auftritt der Institute abgelöst. Der entspricht allerdings oft nicht den Kundenwünschen und lässt zu wünschen übrig. Quelle: dpa

Früher hatten Bankkunden eine ganz klare Anlaufstelle: die Bankfiliale. Hier wurden sie beraten, konnten Geld abheben und überweisen. Die Filiale war das Aushängeschild und die Visitenkarte jeder Bank. Heute landen Kunden in der Regel erst einmal auf der Homepage der Geldinstitute. Von Aushängeschild kann hier allerdings in den meisten Fällen nicht die Rede sein.

Denn laut einer aktuellen Untersuchung müssen Finanzdienstleister ihren Online-Auftritt kräftig nachrüsten, um die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen. Noch viel schlimmer: Banken nehmen das Geschäft im Internet nicht ernst und lassen damit mögliche zusätzliche Einnahmen ungenutzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der E-Commerce-Dienstleister dgroup in Kooperation mit dem Managementberater Roland Adams erstellt hat und die WirtschaftsWoche Online exklusiv vorliegt.

"Banken müssen das Netz als Chance für sich begreifen und ernst nehmen", sagt Mathias Gehrckens, Geschäftsführer der dgroup. Bisher sei das bei den wenigsten Instituten der Fall, das Online-Geschäft werde sträflich vernachlässigt. "Leider ist auch nicht zu erkennen, dass sich das in naher Zukunft ändern wird". Vielmehr ruhen sich Banken und Sparkassen darauf aus, dass die Konkurrenz das Sprungbrett Internet ebenfalls verstreichen lässt.

In der Studie wurden die Online-Auftritte von insgesamt 59 Kreditinstituten, Versicherungen und anderen Finanzdienstleistern untersucht und in Relation gesetzt. Zusätzlich wurden 29 der Unternehmen zu ihrer Online-Strategie befragt. Anhand der vorher im Rahmen von Umfragen ermittelten Kundenwünsche wurden die Internet-Portale mit Hilfe eines Benchmarking-Ansatzes analysiert und miteinander verglichen. Ist die Internetseite übersichtlich gestaltet, so dass der Kunde sofort findet, was er sucht? Werden Produkte verständlich dargestellt und erklärt? Gibt es digitale Beratungsangebote, mit deren Hilfe sich der Kunde schon vor dem Filialbesuch informieren kann? Diese und andere Fragen dienten als Kriterien zur Bewertung.

Die Ergebnisse stellen weder Kreditinstituten noch Versicherungen ein gutes Zeugnis aus. Am positivsten fielen noch die Sparkassen auf, sie bieten laut der Untersuchung die besten Websites. Insbesondere der Internetauftritt der Kreissparkasse Köln konnte in puncto Kundenfreundlichkeit überzeugen. Ohne viel Schnickschnack ermöglichen es große Buttons dem Kunden, sich durch die einzelnen Produkte des Instituts zu navigieren. Auch die Portale der Sparkassen KölnBonn und Hannover landeten weit vorne.

Diese Kreditinstitute konnten Online überzeugen

Für Gehrckens hat das vergleichsweise gute Abschneiden der Sparkassen verschiedene Gründe. Beispielsweise würden die Institute im Vergleich zur Konkurrenz erste Ansätze von Produktempfehlungen für Kunden verfolgen, wie etwa "Zu Produkt ABC passt auch Produkt XYZ". Auch an digitalen Beratungsangeboten wie einem Chat mit dem Bankberater erproben sich einige Geldinstitute.

Viel Nachholbedarf

Was die Finanz-Apps können
Die App der australischen Commonwealth Bank bietet dem Nutzer verschiedene Wege zur Immobiliensuche. Beispielsweise kann anhand einer Straßenkarte nach freien Immobilien gesucht werden, oder mit Hilfe der Kamera des Smartphones. Quelle: Presse
Auf einer Karte kann der Nutzer der App sehen, in welchen Straßen Häuser zu verkaufen sind (gelbe Nadel). Quelle: Presse
Wird das Haus mit der Kamera des Smartphones fixiert, zeigt die App den etwaigen Kaufpreis an. Quelle: Presse
Der Nutzer bekommt zahlreiche Informationen zur Immobilie: Zimmerzahl, letzter Verkaufspreis und andere kürzlich verkaufte Häuser in der Gegend. Quelle: Presse
Entspricht das Häuschen den Vorstellungen des Nutzers, kann er sich über die App gleich darüber informieren, wie er die Immobilie finanzieren könnte. Auch Ratschläge zum Immobilienkauf hat die App im Repertoire. Quelle: Presse
Der Wert einer Immobilie hängt auch maßgeblich an der Umgebung, in der sie steht. Die App zeigt deshalb alles wissenswerte zu dem jeweiligen Viertel an, beispielsweise den durchschnittlichen Verkaufspreis und die Struktur der Haushalte. Quelle: Presse
Auch wenn es sich um eine Bank und keinen Reiseveranstalter handelt: Die Haspa nutzt die Urlaubs-App als Möglichkeit zur Kundenbindung. Quelle: Presse

Doch genau da haben viele Finanzdienstleister Aufholbedarf. Die Produktdarstellungen sind bestenfalls durchschnittlich, so Gehrckens. Die Möglichkeiten von Multimedia-Formaten würden viel zu selten genutzt, um zusätzliche Produktinformationen - gerade bei komplexeren Finanzprodukten - zu vermitteln. Außerdem böten die meisten Institute keinerlei Interaktionsmöglichkeiten, wie etwa Feedbackfunktionalitäten, für die Kunden. „Der Internetauftritt sollte Möglichkeiten zum Austausch bieten und nicht nur als Transaktions- oder reine Werbeplattform dienen“.

Facebook und Co. werden nicht richtig genutzt

Doch die meisten Banken haben nicht den Mut zur Interaktion mit ihren Kunden. Das zeigt auch der Blick auf die entsprechenden Facebook- oder Twitter-Profile. Insbesondere Großbanken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank tun sich in den sozialen Medien recht schwer. Wer beispielsweise bei Facebook nach der Commerzbank sucht, bekommt gleich eine Reihe von Einträgen. Ein Profil beantwortet alle Fragen zu einer Karriere bei Deutschlands zweitgrößter Bank, ein anderes liefert Tipps vom Chef-Investor der Bank. Ein allgemeines Portal des Konzerns sucht der Nutzer allerdings vergeblich.

Etwas aufgeholt hat dagegen die Deutsche Bank, sie lässt mittlerweile auch Nutzer-Kommentare auf ihrer Facebook-Seite zu. Auf einen richtigen Dialog will sich das Institut allerdings nicht einlassen und lässt negative Aussagen von Facebook-Nutzern zu Themen wie der Spekulation mit Nahrungsmitteln lieber unkommentiert.

Bei der Untersuchung der dgroup schneiden Großbanken im Vergleich zu anderen Instituten dennoch vergleichsweise gut ab. Die Postbank als Deutsche Bank-Tochter schafft es immerhin auf Platz 5 unter den Kreditinstituten. Abgeschlagen dahinter liegen dagegen die Genossenschaftsbanken und - zur großen Überraschung - die Direktbanken. Dabei sind doch gerade comdirect, DKB und Co. auf das Geschäft im Internet angewiesen.

Die vermeintlichen Online-Spezialisten sind zwar bei der Online-Eröffnung von Konten besser als Sparkassen oder Großbanken. Bei anderen Services wie Demokonten oder Newslettern schneiden sie aber deutlich schlechter ab. Auch bei mobilen Services für Smartphones oder Tablets hängen Direktbanken meilenweit hinterher. Während Sparkassen über Apps verfügen, mit denen sich sicher Geld überweisen lässt oder mobil nach einer Filiale in der Nähe gesucht werden kann, haben einige Direktbanken, wie beispielsweise die DKB, gar keine Apps für mobiles Banking im Programm.

Potenzial verschenkt

Die besten Shopping-Apps
Die besten Apps zum EinkaufenAmazon MobileDie App des US-Versandhändlers beeindruckt mit ihrer visuellen Produktsuche „Memo“ : Fotografiert der Nutzer ein beliebiges Produkt, erscheint kurz darauf der Link zur passenden Amazon-Seite. Bilderkennung und fleißige Mitarbeiter machen es möglich. Quelle: Screenshot
BarcooWer per Handykamera den Barcode auf einer Verpackung scannt, dem verrät die App Barcoo des Berliner Software-Anbieters checkitmobile unter anderem, wie viel das Produkt in anderen Läden kostet, welche Nährwerte es hat oder ob es Laktose enthält. Quelle: Screenshot
CoupiesWas früher das Gutscheinheft war, ist heute Coupies: Die App des gleichnamigen Kölner Startups zeigt Rabatte von Läden in der Umgebung an – zwei Mittagessen zum Preis von einem etwa oder Prozente beim Einkauf im Geschäft um die Ecke. Quelle: Screenshot
FastmallDas US-Startup FastMall hat Einkaufszentren in 31 Ländern kartiert. Besucher können sich per App wie mit einem Navi zum Shop ihrer Wahl führen lassen. Auch aktuelle Angebote von Geschäften blendet das Programm auf der Karte ein. Quelle: Screenshot
GrouponDas US-Werbeunternehmen Groupon vermittelt Rabatte in Geschäften, Online-Shops oder Restaurants, die nur dann zustande kommen, wenn sich genügend Interessenten finden. Mit der App können Nutzer per Mobiltelefon Angebote in der Nähe suchen, sie einkaufen und die Gutscheine vor Ort einlösen. Quelle: Screenshot
OdifyIm Restaurant nicht mehr auf den Kellner warten, sondern gleich per Smartphone bestellen: Das soll bald mit der App Ordify des Göttinger Startups Orderpass möglich sein. Darin können Restaurants ihre Speisekarten digital anbieten. Bestellt ein Kunde ein Menü, dann geht die Order auf direktem Weg in die Küche. Quelle: Screenshot
RepositoMit der App des Karlsruher Startups Reposito lassen sich Kassenzettel abfotografieren und in einem Online-Archiv als rechtsgültige Kopie für den Garantiefall aufbewahren. Per E-Mail erinnert die App automatisch an ablaufende Garantie- und Gewährleistungsfristen. Die App meldet sich auch, wenn ein Produkt aus dem Kassenzettelarchiv über das EU-Schnellwarnsystem Rapex zurückgerufen wird. Quelle: Screenshot

Besonders verwunderlich ist das schlechte Abschneiden der teilnehmenden Banken und Versicherungen angesichts der Marktentwicklungen. Mittlerweile werden etwa ein Fünftel des Finanzgeschäfts online generiert. Vor allem vor dem Kauf eines Produkts ist das Internet als Informationsquelle gefragt. Die Mehrheit der Kunden informiert sich mittlerweile vorher im Internet ausführlich über Anlagemöglichkeiten. Erst dann folgt der Besuch in der Filiale, um sich persönlich beraten zu lassen. Eine Bank mit unübersichtlicher Homepage mit wenig detaillierten Informationen verliert also möglicherweise viele potenzielle Kunden.

In der Befragung der dgroup gab mit 35,7 Prozent die Mehrheit der Finanzdienstleister an, ihre Online-Präsenz primär als Marketinginstrument zu sehen, und kaum oder gar kein Online-Geschäft zu betreiben (siehe Grafik). Wie unwichtig das Internet in den meisten Unternehmen ist, zeigen auch die Zuständigkeiten. Allein die Hälfte der befragten Unternehmen hatte keinen Online-Verantwortlichen auf der Ebene des Top-Managements. Bei vielen waren die Aufgaben und Ansprechpartner weit über viele Abteilungen verstreut. Da ist es wenig verwunderlich, dass die wenigsten Unternehmen über genaue Daten zu ihren Online-Geschäften verfügen. Was auf ihren Websites passiert, ist für viele Finanzdienstleister eine Blackbox.

Diese Versicherer können Online überzeugen

Noch schlechter als bei den Kreditinstituten sieht es allerdings bei den Versicherungen aus. Zwar schafften es die ARAG, die ERGO und AXA auf die ersten Plätze. Aber vor allem in puncto Online-Service sowie bei mobilen Angeboten wie Apps mussten die Versicherer Federn lassen. "Auch bei den Versicherungen ist es unerklärlich, warum die Unternehmen sich dem Onlinegeschäft so verschließen", sagt Gehrckens. Lediglich bei wenig erklärungsbedürftigen Versicherungen wie fürs Auto oder Haftpflicht werde der Verkaufsprozess bis zum Abschluss online angeboten. Bei komplexeren, margenträchtigeren Policen wie Lebensversicherungen würden Erklärungs- und Beratungspotenziale online nicht genutzt und die Unterstützung zum Vertragsabschluss bei einem Vertriebspartner vor Ort fände nur lückenhaft statt, so Gehrckens.

Jahre im Rückstand

Auch die großen der Internet-Branche wissen, wie weit die Kreditinstitute den Entwicklungen im Internet hinterher hinken. So wunderte sich Jens Quadbeck, bei Google Deutschland für die Finanzbranche verantwortlich, bereits Anfang des Jahres auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt über die fehlende mobile Strategie der Finanzdienstleister. Einige hätten noch nicht mal eine mobile Seite. Noch viel schlimmer: Banken hätten erst jetzt das Thema Suchmaschinenoptimierung erkannt, und arbeiteten mit Hochdruck daran, Internetnutzer auf ihre Seiten zu locken. Andere Branchen haben sich vor vielen Jahren mit diesem Thema befasst.

Auch die Konkurrenz im Ausland geht mit größeren Schritten voran als die deutschen Institute. Die Benchmarking-Studie zeigt, dass Banken wie die britischen Investmenthäuser Barclays oder HSBC im Schnitt besser da stehen (siehe Grafik). So ist zum Beispiel ein eigener Kanal des Unternehmens auf dem Videoportal youtube im Ausland Standard. Auch ohne Demokonten, Produktempfehlungen und Beispielrechner kommt keine Bank aus.

Filiale: Sterben oder Schrumpfen?

Während der Überweisung eingeschlafen: Die spektakulärsten Bankenpannen
Citigroup Quelle: dpa
Fehlerquelle „Kopieren und Einfügen“: Die stolze Summe von 4.632.124.357.000.001 Euro hat die Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft Bahn-See in Essen von einer Frau aus dem Schwarzwald 2015 gefordert. In einem Brief von Anfang März hatte die Minijob-Zentrale angekündigt, den 16-stelligen Betrag erneut von ihrem Konto einzuziehen. Der erste Abbuchungsversuch sei aus nicht ersichtlichen Gründen gescheitert. „Das Schreiben ging tatsächlich so raus“, bestätigte ein Sprecher. Zu dem Fehler sei es gekommen, weil eine Mitarbeiterin statt der zu zahlenden Summe eine Kundennummer in das Formular kopiert hatte. Tatsächlich sei es um einen niedrigen dreistelligen Betrag gegangen. Die Billiarden seien allerdings nie abgebucht worden, weil das Missgeschick zeitig aufgefallen sei. Bei einer Sozialversicherung mit 26.000 Mitarbeitern kämen natürlich Fehler vor, erklärte der Sprecher. „Dass aber jemand zu solch einer hohen, falschen Zahlung aufgefordert wird, ist nach meinem Wissen einmalig“, sagte Buschfort. Bei Banken kommen solche Pannen dagegen offenbar häufiger vor... Quelle: dpa
Weil ein Angestellter der Frankfurter Volksbank bei der Arbeit kurz einschlief, wäre ein Rentner beinahe um 222.222.222,22 Euro reicher gewesen, berichtete Spiegel Online 2013. Der Mann blieb mit dem Finger auf der "2" hängen und wies so statt 62,40 Euro mehr als 222 Millionen Euro an. Selbst bei einer Prüfung, die für alle Überweisungen jenseits von 100.000 Euro fällig ist, fiel der Fehler nicht auf. Erst ein dritter Mitarbeiter bemerkte, dass da irgendwas nicht stimmen kann, und stoppte die Überweisung. Pech für den Rentner, Glück für die Bank - denn die wäre im Zweifelsfall auf dem Schaden sitzen geblieben. Und die Geschichte wird noch kurioser: Denn der Mann, dem der Vertipper unterlief, war gar nicht befugt, die Beträge zu ändern. Er sollte lediglich die Bankleitzahl prüfen. Die Mitarbeiterin, die die Überweisung nicht genau genug prüfte, verlor ihren Job - konnte sich aber mittlerweile erfolgreich zurück ins Unternehmen klagen. Quelle: imago images
2012 wurde ein indischer Oberschullehrer über Nacht zum Milliardär. Grund war eine Fehlbuchung seiner Bank. Statt der erwarteten Zinszahlung von umgerechnet 150 Euro sah er plötzlich ein Guthaben von 496 Milliarden Rupien (7,5 Milliarden Euro) auf seinem Konto. Die betroffene Bank erklärte, es sei unklar, wie es zu dem Irrtum kam. Quelle: imago images
Während sich der Inder für einen Tag als Milliardär fühlen konnte, traf den dänischen Elektriker Dennis Pallesgaard bei der Kontrolle seiner Kontoauszüge fast der Schlag: Statt der erwarteten Abbuchung von 3200 Kronen für eine Hypothek wies die Bank einen Fehlbetrag von rund 63 Milliarden dänischer Kronen aus (etwa 8,5 Milliarden Euro). Der Grund für die Panne war schnell gefunden: Statt der Abbuchungssumme war die Kontonummer von seinem Konto abgezogen worden. Quelle: dpa
KfW Quelle: dpa
Bank of America Quelle: REUTERS

Das stiefmütterliche Dahinvegetieren der Online-Auftritte ist verwunderlich. Nicht nur, weil Kreditinstitute schon vor vielen Jahren das Online-Banking entwickelt und sich zumindest in dem Bereich gut entwickelt haben. Aber vor allem angesichts der anhaltenden Diskussion über die Zukunft der Bankfilialen. Zwar betonen vor allem Sparkassen oder Genossenschaftsbanken weiterhin, wie bedeutsam die Filiale auch in Zukunft sein werde. Gerade in den ländlichen Regionen und für ältere Kunden ermögliche der Bankschalter den besten Kontakt zum Kunden. Andererseits sind Experten überzeugt, dass sich die Geldinstitute ihr dicht besiedeltes Filialnetz auf Dauer nicht mehr leisten können. Zumal die meisten Kunden alltägliche Bankgeschäfte wie Überweisungen schon längst per Online-Banking von zu Hause aus erledigen. Selbst zum Geldabheben ist der Filialbesuch nicht mehr zwingend erforderlich, seit dem Verbraucher beim Einkaufen im Supermarkt oder an der Tankstelle quasi nebenbei auch Bargeld abheben können. Aber je seltener der Filialbesuch des Kunden wird, desto wichtiger ist ein überzeugender Internetauftritt, um Kunden zu gewinnen und von den eigenen Kompetenzen zu überzeugen.

Für eine geschickte Verbindung aus Filialnetz und Online-Auftritt haben die Banken bisher unterschiedliche Antworten auf Lager. Die Commerzbank will beispielsweise beide Bereiche miteinander verschmelzen lassen. „Die Trennung von Filialen und Onlinebanking wird in den nächsten Jahren verschwinden“, sagte Michael Mandel, Bereichsvorstand für das Privatkundengeschäft von Deutschlands zweitgrößter Bank, kürzlich vor Journalisten in Frankfurt. Trotz Online-Banking würden die Kunden bei wichtigen Anlageentscheidungen weiterhin hauptsächlich auf die Filialen zurückgreifen. Dennoch ist ein Sinneswandel in Richtung Internet erkennbar: Während die Commerzbank rund 120 Millionen Euro in den Umbau ihres Filialnetzes investieren will, sollen sogar 220 Millionen Euro in den Ausbau des Internet-Bankings oder mobiler Services fürs Smartphone oder Tablet fließen.

Die Experten der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) erwarten langfristig einen Wandel hin zu kleineren Filialen. Je mehr Geschäfte online abgeschlossen werden, desto weniger werden die großen Schalterhallen benötigt. In Zukunft dürfte also mehr und mehr die Beratung im Mittelpunkt der Filialen stehen und weniger die alltäglichen Bankgeschäfte des Durchgangsverkehrs. Das würde es den Instituten erlauben, auf kleinere Räumlichkeiten an weniger stark frequentierten Plätzen auszuweichen. So könnte sich die Schrumpfkur auch monetär positiv bemerkbar machen.

Ein ähnliches Konzept verfolgt seit kurzem die amerikanische Wells Fargo. Die Großbank, die über eines der größten Filialnetze in den USA verfügt, setzt in Zukunft auf Filialen im sogenannten Nachbarschaftsformat. Die Läden sollen nur ein Drittel der normalen Größe haben. Damit will die Bank nicht nur Geld sparen, sondern auch in neue Märkte vordringen. Damit sträubt sich Wells Fargo gegen den Trend des Filialsterbens. Eine interne Umfrage der Bank hatte ergeben, dass immerhin 70 Prozent aller Kunden alle sechs Monate mal in einer Filiale vorbeischauen.

Was tun?

Das sind die besten Banken der Welt
Banken in 136 Ländern hat das US-Magazin „Global Finance“ für seine Rangliste der besten Banken 2012 unter die Lupe genommen. In die Wertung flossen dabei objektive Kriterien wie das Wachstum des verwalteten Vermögens oder die Profitabilität ebenso ein wie subjektive Einschätzungen von Bankberatern oder Analysten. Schließlich wurden in zwölf Kategorien Gewinner gekürt. Dies seien nicht immer die größten, aber sicher die besten Banken, betont das Magazin. Beste Sub-Depotbank: CitibankIn der Kategorie beste Sub-Depotbank wurde die Citibank ausgezeichnet. Die US-Großbank verfüge vermögensrechtlich über das größte Depot-Netzwerk der Welt und decke damit 61 Märkte sowie 98,5 Prozent der globalen Marktkapitalisierung ab. Als Sub-Depotbanken bezeichnet man Depotbanken, die von anderen Finanzinstituten in Ländern beauftragt werden, in denen diese selbst nicht tätig sind. Quelle: rtr
Bester Devisenhändler: Deutsche BankDie Deutsche Bank ist Dauer-Sieger in der Kategorie bester Devisenhändler. Das größte deutsche Finanzinstitut habe den größten, vielseitigsten und profitabelsten Devisenbereich aller Banken, heißt es bei „Global Finance“. Es ist nicht die einzige Kategorie, in der die Deutsche Bank gewonnen hat. Quelle: dapd
Bester Handelsfinanzierer: CitibankCitigroup-Chef Vikram Pandit kann sich auch in der Kategorie bester Handelsfinanzierer über einen Erfolg freuen. Citibank biete ihren Service in Sachen Handelsfinanzierung in 86 Ländern an und ermögliche es Unternehmen damit, in einer globalisierten Wirtschaftswelt und sich verschiebenden Handelsströmen stets über Geld zu verfügen. Quelle: dapd
Cash Management: CitibankUnd noch in einer dritten Kategorie siegt die Citibank. Auch beim Cash Management sieht „Global Finance“ die US-Großbank ganz vorne. Die entsprechende Sparte der Bank verfüge über eine beeindruckende Kundenliste, heißt es in der Begründung. Es umfasse multinationale Firmen ebenso wie Finanzinstitute, Regierungen und Notenbanken. Quelle: REUTERS
Beste Investmentbank: Goldman SachsDie bekannteste Investmentbank der Welt ist laut „Global Finance“ auch die beste. Vorstandschef Lloyd Blankfein und Goldman Sachs hätten im Jahr 2011 durch kreative Lösungen bei der Kapitalbeschaffung Marktanteile hinzugewonnen. Auf öffentlichen Aktienmärkten habe die Bank für ihre Kunden 54 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Keine andere Investmentbank komme an Goldman heran. Außerdem habe Goldman Sachs im zweiten Quartal 2012 trotz eines Rückgangs des Ergebnisses die Erwartungen der Analysten übertroffen. Quelle: dapd
Beste Depotbank: Bank of New York MellonLaut „Global Finance“ ist die BNY Mellon mit einer verwalteten Vermögenssumme von mehr als 27 Billionen Dollar die größte Depotbank der Welt. Die Bank habe die Prozessrisiken gemindert. Trotz eines Gewinneinbruchs im zweiten Quartal sei BNY Mellon die beste Depotbank der Welt. In einer Depotbank werden Sondervermögen wie Wertpapiere von Investmentfonds unabhängig verwahrt. Quelle: rtr
Beste Vermögensverwaltung: BlackrockDer US-Finanzdienstleister Blackrock gewinnt in der Kategorie beste Vermögensverwaltung. Blackrock sei mit 3,6 Billionen Dollar verwalteten Vermögens der größte Dienstleister der Welt in diesem Bereich. Das Geschäft mit der Beratung von Regierungen, Zentralbanken und Unternehmen in Sachen Risikomanagement floriere seit der Finanzkrise. Quelle: rtr

Eins steht fest: Behandeln die Banken das Geschäft im Internet weiterhin so stiefmütterlich wie bisher, lassen sie sich damit bedeutende Chancen entgehen. Dann müssten sie weiter auf die Filiale setzen, um Kunden von ihren Produkten zu überzeugen. Im Sinne des digitalen und mobilen Bankkunden ist das allerdings nicht. Doch was können Banken und Versicherungen tun, um ihre Kunden auch im Netz für sich zu gewinnen?

Banken



Vor allem mit Themen wie Interaktion und Transparenz lassen sich bei den Kunden leicht Punkte sammeln. Ähnlich wie bei Reiseportalen wie tripadvisor wird auch die Finanzbranche nicht an Bewertungstools für Finanzprodukte vorbei kommen. Je mehr Sterne die Kunden für das Girokonto vergeben haben, desto besser lässt es sich zukünftig verkaufen. Auch die direkte Kundenansprache wird laut der dgroup in Zukunft wichtiger werden. Beispielsweise können Banken ihre regionale Präsenz besser ausnutzen, indem sie regionale Newsletter versenden.

Insgesamt sollten Banken versuchen, dem Bankkunden so viel Komfort wie möglich zu bieten. Online-Terminvereinbarungen oder die mobile Suche nach Geldautomaten sind da nur ein Anfang.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%