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Swiss-Leaks Staatsanwälte haben deutsche HSBC-Kunden im Visier

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Prominente am Pranger


Die Daten aus dem nun aufgedeckten Skandal stammen vom früheren HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani. Der Whistleblower hatte die  Unterlagen gestohlen und im August 2009 an den französischen Fiskus übergeben. Die französischen Fahnder hatten damals von 130.000 Datensätzen von Kunden aus aller Welt berichtet. Die Franzosen haben die Informationen dann an andere Länder – darunter auch Deutschland – weitergereicht. Der Datensatz betrifft den Zeitraum 1988 bis 2007.

Wann Steuerstraftaten verjähren

Falciani war auch direkt an die deutschen Behörden herangetreten. Er hatte damals Informationen von über 1.300 Kunden der HSBC Private Bank in Genf angeboten und allein dem deutschen Fiskus Mehreinnahmen von 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Das Angebot hatte damals zu heftigen Kontroversen in der Politik geführt und der Deal kam schließlich nicht zustande, so dass die Daten den Umweg über Frankreich nehmen mussten.

In den Dokumenten tauchen auch zahlreiche Namen internationaler Prominenter auf. ICIJ listet 61 Profile auf, betont aber, nicht implizieren zu wollen, dass diese Personen in kriminelle Machenschaften verstrickt seien. Tatsächlich sind viele der internationalen Berühmtheiten in der Schweiz wohnhaft. Dort ein Konto bei einer Privatbank zu eröffnen, ist absolut unproblematisch.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

Schwierig sind allerdings Umfeld und die schlechte Gesellschaft. Die HSBC Schweiz hat zu besten Zeiten, kurz vor dem Leak, rund 75 Milliarden Euro an Kundengeldern verwaltet. Und vieles davon ist im Zuge ausführlicher Ermittlungen als Schwarzgeld identifiziert werden. ICIJ zufolge bescherte die Dokumente den ermittelnden Steuerbehörden bisher knapp eine Milliarde Euro Einnahmen aus hinterzogenen Vermögen.

Die Namen in der Kundenliste sind illuster: Popstar Phil Collins, Formel-1-Funktionär Flavio Briatore, Ex-Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso, Fotograf Helmut Newton, Schauspieler Christian Slater, Fußballer Diego Forlan, Supermodel Elle MacPherson. ICIJ bat alle Prominenten um eine Stellungnahme, nicht alle reagierten. Das Management Phil Collins etwa ließ ausrichten, dass „eine einfach Google-Suche ergeben hätte, dass Collins in der Tat in der Schweiz wohnt, lebt und auch Bankgeschäfte betreibt“. Das Management Fernando Alonsos bestätigte das Konto, bekräftigte aber auch, dass der Spanier ganz regulär Konten in verschiedenen Ländern unterhalte – alle voll versteuert.

So erstatten Steuersünder Selbstanzeige

Schlecht fürs Image sind dagegen die aufgeflogenen Fälle, in denen die Schweizer HSBC mit Kriminellen und Terroristen kooperierte. In den Unterlagen finden sich Beweise für Gelder aus Drogenhandel, dem Handel mit Blutdiamanten, Waffengeschäften. Auch einer der Hintermänner der Anschläge vom 11. September 2001 soll sein Vermögen dem Bericht zufolge über Konten bei der Privatbank abgewickelt haben. Auch wenn es das Bankgeheimnis inzwischen nicht mehr gibt, der Fall wirft ein Schlaglicht auf das, was sich zu Hochzeiten in der Finanzbranche hinter verschlossenen Türen abgespielt hat. Und erst in den vergangenen Jahren durch massiven Behördendruck ein Ende fand. 

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