Swiss-Leaks Staatsanwälte haben deutsche HSBC-Kunden im Visier

Die deutschen Kunden einer HSBC-Tochter in der Schweiz stehen im Visier der Ermittler. In nun enthüllten Dokumenten tauchen 2000 Personen aus Deutschland auf – die wegen Steuerhinterziehung belangt werden könnten.

Diese Prominenten haben ein Konto in der Schweiz
Logo der Schweizer HSBC-Bank Quelle: REUTERS
Unter den Kunden der Schweizer HSBC-Tochter befindet sich laut den Recherchen auch Gennadi Timtschenko. Er ist ein russisch-finnischer Oligarch im Ölhandel und ein Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Timtschenko wohnt in Genf. Sein Vermögen soll sich auf rund 14 Milliarden US-Dollar belaufen und er steht laut „Süddeutscher Zeitung“ auf der US-Sanktionsliste. Quelle: Handelsblatt Online
Der italienische Sport- und Industriemanager wurde bekannt als Teamchef des Formel-1-Rennstalls von Renault. Mehr als 73 Millionen Dollar soll Briatore bei der HSBC geparkt haben. In den enthüllten Dokumenten taucht sein Name im Zusammenhang mit neun Kundenkonten auf. Unter anderem gehöre ihm ein Nummernkonto, das 2005 geschlossen wurde, heißt es in den Berichten. Bei mindestens sechs Konten sei er als Inhaber aufgeführt – damit steht er in Verbindung mit 38 Bankkonten. Quelle: dpa
Der Banker war Inhaber der griechischen Proton Bank. Lavrentis Lavrentiadis (rechts) saß bereits in Haft wegen Verdachts auf Mord und Geldwäsche. Sein Name steht in Zusammenhang mit sieben HSBC-Kundenkonten, davon zwei Nummernkonten. Quelle: Handelsblatt Online
Der US-amerikanischer Schauspieler Christian Slater hat bereits an der Seite von Tom Cruise und Brad Pitt gearbeitet. 1996 ist er mit Jon Travolta im Action-Film „Broken Arrow“ zu sehen. Er ist vorbestraft wegen Körperverletzung und Alkohol am Steuer. Der Schauspieler wird in Verbindung gebracht mit einem HSBC-Konto namens „Captain Kirk”. Es wurde 1996 eröffnet und bereits ein Jahr später wieder geschlossen. Die enthüllten Dokumente geben allerdings keinen Aufschluss über Slaters genaue Rolle in Verbindung mit dem Konto. Quelle: Handelsblatt Online
Der spanische Formel-1-Pilot Fernando Alonso ist seit 2002 Kunde der HSBC. Er hat vier Jahre in der Schweiz gelebt. Seiner Kundendatei lassen sich vier Bankkonten zuordnen, die in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 42,3 Millionen Dollar Wert waren. Sein Manager erklärt, dass Alonso in mehreren Ländern steuerlich registriert sei – aber überall immer korrekte Angaben mache. Auch Kollege Heikki Kovalainen zählt zu den Kunden der HSBC. Quelle: REUTERS
Li Xiaolin ist eine chinesische Geschäftsfrau und Vorsitzende der China Power Investment Corporation. Die Multimillionärin ist die Tochter des chinesischen Ex-Premiers Li Peng und ist seit 2001 Kundin bei der Schweizer HSBC-Tochter. Mit ihrem Mann unterhielt sie 2006/2007 fünf Bankkonten mit einem Wert von insgesamt 2,48 Millionen Dollar. Die Konten liefen unter dem Namen der „Metralco Overseas S.A.“, einer in Panama registrierten Firma. Die Firma wurde 2012 aufgelöst. Quelle: Handelsblatt Online
Der spanische Rauschgifthändler Arturo del Tiempo Marqués wurde erwischt, als er 1,2 Tonnen Kokain aus der Dominikanischen Republik nach Spanien bringen wollte. 2013 wurde er dafür zu sieben Jahren Haft verurteilt. Marqués sollen bis zu 19 Konten der Schweizer HSBC-Tochter gehört haben, mit einem Wert von mehr als 3 Millionen Dollar. Quelle: dpa
Das undatierte Handout zeigt einen 12,76 Karat großen pinkfarbenen Diamanten Quelle: dpa
Auch der britische Sänger und Frontmann der Band „Genesis“ ist auf der Liste. Phil Collins war seit 2000 Teilinhaber von sieben Konten bei der Schweizer HSBC-Tochter. Diese hatten zusammen zeitweise ein Guthaben von fast 300.000 Dollar. Quelle: dpa
Er ist der reichste Mann Syriens und Cousin des Machthabers Baschar al-Assad. Makhlouf steht auf den Sanktionslisten der EU und der Schweiz. Sein Vermögen hat er unter anderem mit Telekommunikations- und Immobiliengeschäften gemacht. Es wird auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt. Seine Kundendatei bei der Schweizer HSBC-Tochter verweist auf mindestens 18 Bankkonten. Quelle: Handelsblatt Online

Für die Staatsanwälte in Bochum und die Steuerfahnder in Wuppertal und Düsseldorf kommen die Enthüllungen über die Schweizer HSBC-Tochter wenig überraschend. „Wir ermitteln seit 2011 wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung gegen deutsche Kunden der Bank“, sagte ein Sprecher. Es geht um einer dreistellige Zahl von Fällen. Wegen der noch laufenden Ermittlungen konnte er keine weiteren Auskünfte geben.

Unter dem Schlagwort „Swissleaks“ ist die Schweizer Tochter der britischen Großbank massiv in die Kritik geraten. Das Recherche-Netzwerk ICIJ, zu dem in Deutschland der NDR, der WDR sowie die „Süddeutsche Zeitung“ gehören, hatte jüngst über Kundenbeziehungen der HSBC zu Steuerhinterziehern, aber auch Waffenhändlern und Schmugglern berichtet. Danach sind in den Dokumenten über 2000 Kundennamen aus Deutschland mit einem Gesamtguthaben von rund drei Milliarden Euro enthalten.

Offshore-Leaks-Enthüllungen

Unter den Kunden seien Unternehmer, Politiker und bekannte Sportler. Um wen es sich dabei handelt, wurde dagegen nicht genannt. Darüber hinaus seien in den Dokumenten 229 Offshore-Briefkastenfirmen aufgeführt, die aus Deutschland gesteuert werden.

Auch nach den Enthüllungen ist allerdings unklar, ob die Kunden in Deutschland steuerpflichtige Einnahmen verschwiegen haben – die Wahrscheinlichkeit ist jedoch groß: In Frankreich etwa hatten die Fahnder herausgefunden, dass nur 0,2 Prozent der überprüften Konten deklariert worden waren.

Standorte der Dax-Konzerne in Steueroasen

Ein Steueranwalt, der selbst für einige HSBC-Kunden Selbstanzeigen abgeben hat, hält diese Quote auch in Deutschland für realistisch. „Man muss bedenken, dass die Fälle schon fünf Jahre und länger zurückliegen. Damals herrschte in den Schweizer Banken noch eine völlig andere Kultur“, sagte der Anwalt. Damals warben die Schweizer Banken noch offensiv mit dem strikten Schweizer Bankgeheimnis und der Möglichkeit, Geld vor dem Fiskus zu verstecken.

Inzwischen haben vor allem die großen Häuser ihre Depots bereinigt. Sie haben ihre Kunden aufgefordert, nicht versteuerte Gelder beim Finanzamt anzuzeigen. Von Julius Bär, Credit Suisse und der UBS ist darüber hinaus bekannt, dass sie wegen der systematischen Anwerbung von Schwarzgeldern in Deutschland Bußgelder von 50 bis 300 Millionen Euro zahlen mussten. „Jetzt haben die Ermittler rund 20 kleinere Institute ins Visier genommen. Ich gehe davon aus, dass dort noch Bußgelder in Millionen-Höhe verhängt werden“, sagt ein deutscher Anwalt mit guten Verbindungen nach Zürich. Ob auch die Schweizer HSBC-Tochter auf der Liste steht, ist zwar nicht bekannt. In anderen Ländern – etwa Belgien und Frankreich – sollen aber Ermittlungen gegen sie laufen.   

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