Tarifrunde bei Banken "Es trifft die Falschen"

Die Verdi-Gewerkschafterin Beate Mensch fordert mehr Gehalt und Schutz für Bankangestellte und sagt, was die Belegschaft vom neuen Führungsteam der Deutschen Bank zu erwarten hat.

Beate Mensch, Gewerkschafterin bei Verdi: Die Gehälter müssen steigen Quelle: Pressebild

WirtschaftsWoche Online: Sechs Prozent mehr Lohn will Verdi für die nach Tarif bezahlten Beschäftigten im Finanzsektor. Haben Sie kein Mitleid mit den klammen Banken?

Mensch: Von klammen Banken kann man wohl kaum sprechen. Viele Institute haben sich von der Finanzkrise erholt, was sie auch der Leistung der Mitarbeiter verdanken. Die Beschäftigten haben sich bereits in den Vorjahren mit mageren Gehaltsabschlüssen begnügen müssen, wodurch ihr Verdienst real gesunken ist. Das muss sich jetzt ändern. Die Bankbeschäftigten brauchen jetzt eine spürbare Entgelterhöhung.

Trotzdem weisen die Arbeitgeber Ihre Forderungen zurück. Kann man als Bankangestellter nichts mehr verdienen?

Die Gehälter sind in der Tat in den letzten Jahren abgekoppelt worden. Unsere Forderung bewegt sich im Rahmen der Gehaltsentwicklung anderer Branchen und soll auch Reallohnverluste der Vergangenheit ausgleichen. Wir ringen mit den Arbeitgebern aber nicht nur um Gehälter. Es gibt noch andere wichtige Themen.

Welche?

Zum Beispiel die Übernahme von Auszubildenden und Regelungen zum Gesundheits- und Beraterschutz. Die Finanzaufsicht will Bankberater persönlich in die Haftung nehmen, wenn sie ihre Kunden falsch beraten.

Was Ackermann und seine Kollegen verdienen
Es ist Zahltag: Die sieben Mitglieder des Deutsche-Bank-Vorstands erhielten im vergangenen Jahr zusammen 26,4 Millionen Euro. 2010 hatte die Bank an ihre damals acht Vorstände 32,4 Millionen Euro gezahlt. Quelle: REUTERS
Dass die Gehaltszahlungen geringer ausfallen als im Vorjahr, liegt daran dass die Deutsche Bank ihr Vergütungssystem umgestellt hat. Und das erfordert ein wenig mehr Bescheidenheit, wie aus dem heute vorgelegten Geschäftsbericht des Instituts hervorgeht. Insgesamt haben die sieben Vorstandsmitglieder 2011 26,44 Millionen Euro verdient. Das sind knapp sechs Millionen Euro weniger als 2010. Quelle: Presse
Josef Ackermann bekam 2011 6,3 Millionen Euro, damit bleibt er exakt auf dem Vorjahresniveau. Ackermanns Fixgehalt beläuft sich weiterhin auf 1,65 Millionen Euro. Einen größeren Teil seiner Boni bekommt er erst später ausgezahlt, damit es eine Motivation gibt, den Erfolg der Bank auch langfristig sicherzustellen. Dazu kommt ein nicht aktienbasierender langfristiger Bonus - der sogenannte Restricted Incentive Award - von 3,75 Millionen Euro, der in den Jahren von 2013 bis 2016 ausgezahlt wird. Den ersten Teil dieses speziellen Bonus, nämlich den für das Geschäftsjahr 2009, über knapp 700.000, bekommt Ackermann jetzt in 2011. Sie sind in den 6,3 Millionen eingerechnet. Zum Vergleich: VW-Chef Martin Winterkorn erhält 2011 mehr als 17,4 Millionen Euro. Quelle: dapd
Über Jahre hinweg hat Anshu Jain ein höheres Gehalt bekommen als Josef Ackermann. Er verantwortet das Investment-Banking. In Top-Jahren soll Jain bis zu 30 Millionen Euro verdient haben. Nun nennt sich sein Posten offiziell Head of Global Markets und Co-Head des Konzernbereichs Corporate and Investment Bank. Bald wird er Ackermann an an der Spitze ablösen. Was das Gehalt betrifft, ist er in diesem Jahr der große Verlierer. Jain verdiente 2011 5,8 Millionen Euro. Das sind rund 1,7 Millionen Euro weniger als 2010. Dazu kommt aber noch der Restricted Incentive Award in Höhe von 4,2 Millionen Euro (gezahlt von 2013 bis 2016) - in diesem Jahr bekommt er knapp 250.000 Euro - stammend aus dem Geschäftsjahr 2009. Damit ist er immerhin die Nummer zwei im Vorstand der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Gemeinsam mit Anshu Jain soll die Doppelspitze des neuen Vorstands bilden. Jürgen Fitschen ist zwar seit langem bei der Deutschen Bank (1987), aber erst seit 2009 im Vorstand. Im Vergleich zu den beiden Spitzenverdienern fällt sein Gehalt vergleichsweise niedrig aus. Sein Salär belief sich im Jahr 2011 auf 2,85 Millionen Euro, davon 1,15 Millionen Fixgehalt. Dazu kommt der Restricted Incentive Award in Höhe von 1,4 Millionen Euro (gezahlt von 2013 bis 2016). Fitschen könnte man als "Weltenbummler" im Vorstand bezeichnen. Schon 1987 war er in Thailand, Japan und Singapur tätig. 2005 übernahm Fitschen die Verantwortung für das neu geschaffene Regional Management weltweit. Quelle: REUTERS
Stefan Krause war früher Vorstand bei BMW. 2008 wechselte er zur Deutschen Bank. Seit 2009 ist Krause als Chief Financial Officer verantwortlich für Finanzen, Steuern, Corporate Insurance, Investor Relations, Revision und Abwicklung von Handelsgeschäften. Mit einem Gesamtgehalt vom 2,88 Millionen Euro gehört er zu den besseren Verdienern im Vorstand. Das Fixgehalt beträgt 1,15 Millionen Euro. 2010 hatte Krause noch 3,1 Millionen Euro verdient. Sein Restricted Incentive Award beträgt 1,4 Millionen Euro (gezahlt von 2013 bis 2016) - 2011 bekommt er knapp 100.000 Euro aus diesem Topf ausgezahlt. Quelle: Presse
Hermann-Josef Lamberti ist bereits seit 1998 bei der Deutschen Bank und seit 2002 im Vorstand. Noch ist Lamberti als Chief Operating Officer weltweit für Personal, Informationstechnologie, Abwicklung, Kosten- und Infrastrukturmanagement, Gebäude- und Flächenmanagement sowie Einkauf verantwortlich. Er verdiente 2011 ebenfalls 2,88 Millionen - im Vorjahr war es geringfügig mehr. Dazu kommt der Restricted Incentive Award in Höhe von 1,4 Millionen Euro (gezahlt von 2013 bis 2016). Auch er bekommt aus dem Jahr 2009 rund 100.000 Euro. Der 56-Jährige wird das Haus zum Juni verlassen. Für Lamberti rücke Henry Ritchotte (48) in das Führungsgremium auf. Quelle: dapd
Hugo Bänzinger Quelle: dpa
Rainer Neske kommt ebenfalls auf ein Gehalt von 2,85 Millionen Euro, nach rund drei Millionen Euro im Vorjahr. Sein Restricted Incentive Award beträgt 1,4 Millionen Euro (gezahlt von 2013 bis 2016) plus den Bonus von 72.530 Euro stammend aus dem Geschäftsjahr 2009. Neske ist seit 2009 im Vorstand der Deutschen Bank und kümmert sich Privat- und Geschäftskunden. Er arbeitet seit 1990 für die Deutsche Bank. Quelle: Presse

Das freut Anleger und Sparer, denen Banken sonst verlustträchtige Produkte andrehen.

Zu Recht – aber es trifft die Falschen. Die Arbeitgeber müssen ihre Leute in Schutz nehmen. Banken sollten etwa Bußgelder für ihre Mitarbeiter übernehmen und diesen beistehen, wenn es zum Rechtsstreit mit den Kunden kommt. In den allermeisten Fällen ist nicht der Berater schuld, sondern der von Bank-Managern aufgebaute Vertriebsdruck. Noch hat sich kein Vorstand in dieser Frage öffentlich vor seine Mitarbeiter gestellt.

Sollte für Bankvorstände eine Gehaltsgrenze gelten wie bei der Commerzbank?

Ich will keine Neiddebatte entfachen und denke, dass Top-Manager wegen ihrer hohen Verantwortung angemessen bezahlt werden sollen. Bei der Commerzbank ist der Gehaltsdeckel richtig, solange die Öffentlichkeit mit für das Institut haftet. Allerdings sollte die Leistung von hochbezahlten Bankchefs stärker an anderen Kriterien gemessen werden als bisher. Nachhaltigkeit und die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern müssen bei der Vorstandsvergütung ein größeres Gewicht bekommen. Ebenfalls berücksichtigt werden sollte die Qualität der in Umlauf gebrachten Finanzprodukte.

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