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Trotz Steuerhinterziehung HVB überholt Deutsche Bank

Trotz Abschreibungen, vermeintlicher Steuerhinterziehung und Umstrukturierungen hat die Hypovereinsbank beim Gewinn die Commerzbank und die Deutsche Bank überholt.

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Wegen der Affäre um illegale Dividendengeschäfte hat die HypoVereinsbank vorsorglich 200 Millionen Euro zurückgelegt. Quelle: dapd

Die letzten offiziellen Nachrichten, die es von der Hypovereinsbank gab, waren weniger berauschend: Im November 2012 bekam die Bank Besuch von der Staatsanwaltschaft. Es besteht der Verdacht, dass die HVB den Fiskus zusammen mit einem Kunden um über 120 Millionen Euro betrogen hat.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen Aktiengeschäfte, die um den Tag der Dividendenzahlung herum getätigt wurden. Die Beteiligten sollen im Rahmen der Geschäfte von 2006 bis 2008 vom Staat Kapitalertragssteuern zurückgefordert haben, obwohl sie gar kein Geld ans Finanzamt abgeführt hatten. Die HVB hat externe Prüfer beauftragt, um den Fall zu durchleuchten. In mühsamer Kleinarbeit arbeite die Bank die Geschäfte seit 2006 auf und beschäftige ein Heer an Juristen, Wirtschaftsprüfer und anderen Fachleuten. „Ich frage mich langsam, welche Kanzlei arbeitet nicht für uns“, sagt HVB-Chef Theodor Weimer. "Wir haben weit über 20 Millionen Euro für die Aufarbeitung der Fälle bezahlt", so Weimer.

Auch andere Banken könnten beteiligt sein

Das Institut habe 2011 und 2012 vorsorglich Rückstellungen gebildet. Die seien aber eine reine Vorsichtsmaßnahme und kein Schuldeingeständnis, betonte Weimer. Ob Steuern nachbezahlt werden müssten und ob eine Strafe auf die HVB zukomme, würden die laufenden Ermittlungen zeigen. Ein vorläufiger Bericht wurde kürzlich vorgelegt, die endgültige Version solle Mitte des Jahres fertig sein.

Die Ermittler vermuten, dass auch andere Banken solche Geschäfte gemacht haben, die unter dem Schlagwort "Dividenden-Stripping" bekannt sind. Das Geschäft mit Dividendenpapieren rund um den Bilanzstichtag war lange Zeit weit verbreitet und galt als Steuer-Schlupfloch. Mittlerweile ist es durch strengere Gesetze gestopft. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums prüfen Finanzämter derzeit mehrere Fälle von Leerverkäufen rund um den Tag der Dividendenzahlung.

Er könne nicht beurteilen, welche Geschäfte andere Banken in diesem Bereich getätigt haben, so Weimer. Einige der Mitarbeiter, die bei der HVB in den Fall involviert waren, hätten die Münchener Bank verlassen, andere seien noch bei dem Institut. Mit ihnen werde ausführlich über das Thema gesprochen. "Wir gucken da ganz, ganz, ganz genau hin", so der HVB-Chef. Freigestellt würden die Mitarbeiter jedoch nicht, solange keine Verfehlungen nachgewiesen seien.

Luxus-Problem der HVB: Zu viel Eigenkapital

Die wertvollsten Bank-Marken der Welt
Platz 15: Die staatsgeführte Bank of China ist nicht nur das zweitgrößte, sondern auch das älteste Geldinstitut der Volksrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich die Bank of China in Sachen Markenwert um zwei Plätze steigern. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 12,86 Milliarden US-Dollar. Die Ergebnisse stammen vom Brand Finance Banking 500 - einer Erhebung, die das amerikanische Beratungsunternehmen Brandfinance mit dem Fachblatt "Te Banker" erarbeitet hat. Quelle: REUTERS
Platz 14: Das größte Kreditinstitut der Bundesrepublik, die Deutsche Bank, konnte 2011 trotz der europäischen Banken-Krise respektable Ergebnisse vorlegen. Die Universalbank konnte ihre Vorjahres-Platzierung erneut verteidigen. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 12,9 Milliarden US-Dollar. Quelle: dapd
Platz 13: Die Banco Itaú ist die größte Bank in Brasilien und ganz Lateinamerika. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der Fusion der beiden Banken Banco Itaú und der Unibanco. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Geldhaus zwei Plätze eingebüßt. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 13,2 Milliarden US-Dollar. Quelle: dpa
Platz 12: Die drittgrößte Bank Großbritanniens ist im Vergleich zum Vorjahr um ganze fünf Plätze nach unten gerutscht. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind 2011 auch an Barclays nicht spurlos vorübergegangen. Dennoch übertrifft das international agierende Finanzunternehmen in Sachen Markenwert alle anderen britischen Bankhäuser, abgesehen von HBSC. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 13,6 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 11: Gemessen an der Bilanzsumme ist die Industrial & Commercial Bank of China ( ICBC) die größte Bank Chinas. Dennoch musste das Haus in Sachen Markenwert einen kleinen Verlust hinnehmen - im Vergleich zum Vorjahr fiel das Unternehmen drei Plätze nach unten. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 15,2 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 10: Die China Construction Bank (CCB) gehört zu den vier größten Banken der Volksrepublik. In Sachen Markenwert hat es das Geldhaus nicht nur geschafft, den Konkurrenten ICBC zu überrunden, sondern auch die Spitzenposition unter den chinesischen Banken einzunehmen. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 15,5 Milliarden US-Dollar. Quelle: dpa
Platz 9: Die Banco Bradesco gehört zu den vier größten Banken Brasiliens. Im Vergleich zum Vorjahr büßte das Geldinstitut drei Plätze in Sachen Markenwert ein, ist unter den brasilianischen Konkurrenten aber immer noch Spitzenreiter. Der aktuelle Markenwert des Hauses liegt bei rund 15,7 Milliarden US-Dollar. Quelle: Presse

Der Ärger über die Dividendenaffäre schmälert jedoch nicht Weimers Freude über das gute Ergebnis der Bank. Die HVB steigerte den Überschuss dank des Aufschwungs an den Märkten um ein Drittel auf 1,3 Milliarden Euro. "Anfang 2012 hätte niemand gedacht, dass die HVB mehr Gewinn macht als die beiden Hauptwettbewerber in Frankfurt zusammen", freut sich Weimer. Vor Steuern verdiente die HVB im vergangenen Jahr gut zwei Milliarden Euro und damit 600 Millionen Euro mehr als der Branchenprimus Deutsche Bank, der mit hohen Kosten für den Konzernumbau und Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen hat. So fuhr die Deutsche Bank 2012 einen Gewinn von 700 Millionen Euro ein, bei der Commerzbank waren es sechs Millionen Euro.

Angesichts der üppigen Kapitalausstattung der HVB und der mauen Kreditnachfrage greifen die Münchner ihrer schwächelnden italienischen Mutter UniCredit mit einer Rekord-Dividende von 2,5 Milliarden Euro unter die Arme. "Angesichts einer Kernkapitalquote, die auch nach Dividende mit 17,4 Prozent den höchsten Wert in unserer Unternehmensgeschichte erreicht, ist die Ausschüttung richtig", bekräftigt Weimer. "Wir haben zu viel Eigenkapital."

Vorsichtige Prognosen für 2013

Mit der Überweisung reagiert die HVB auch auf strengere Auflagen der Finanzaufsicht BaFin, die ausländischen Banken untersagt, zu viel Liquidität von ihren deutschen Töchtern abzuziehen. UniCredit kann deshalb seit einiger Zeit nicht mehr frei auf die Gelder der HVB zuzugreifen, obwohl sie die Mittel dringender bräuchte als ihre deutsche Tochter. Die größte italienische Bank leidet unter der Rezession in ihrem Heimatmarkt und machte wegen Rückstellungen für faule Kredite 2012 lediglich einen Gewinn von 865 Millionen Euro. 2013 sei aber keine Sonderausschüttung nach Mailand geplant, fügt Weimer hinzu. Allgemein stellt sich die HVB auf schwächere Zahlen in diesem Jahr ein. „Angesichts neuer dunkler Wolken am Horizont gilt es, kaufmännisch vorsichtig zu sein“, so der Bankchef. Für 2013 rechnet er mit einem Gewinn vor Steuern von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro.

800 Stellen fallen weg

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

Denn auch im vergangenen Jahr hätten die Geschäfte besser laufen können - wenn die Zinsen nicht gewesen wären. Der Zinsüberschuss der Bank ging um 16,3 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zurück. Dazu trug auch ein schwächeres Kreditgeschäft bei. „Wir tun uns extrem schwer, Kredite zu verkaufen“, gab Weimer zu. Trotz der niedrigen Zinsen hielten sich die Firmen wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage mit ihren Ausgaben zurück.

Gedrückt wurde die Bilanz auch von weiteren Abschreibungen in Höhe von 156 Millionen Euro auf einen Milliardenkredit für den Windpark Ocean Breeze in der Nordsee. Damit summierten sich die Abschreibungen für das Projekt, die wegen Bauverzögerungen nötig wurden, bereits auf 866 Millionen Euro. Weimer bezeichnet das Investment als das "größte jemals von der Bank abgeschriebene Engagement."

45 Filialen sollen schließen

Derzeit verpasst sich die HypoVereinsbank eine neue Struktur und baut vor allem das schwächelnde Privatkundengeschäft um - im vergangenen Jahr fielen dafür Kosten von gut 100 Millionen Euro an. Jetzt will die Bank etwa 45 Filialen in Deutschland schließen. Im Rahmen dieses Umbaus werden bei der HVB rund 1000 Stellen wegfallen. Da die Bank in anderen Bereichen parallel 200 bis 300 neue Mitarbeiter einstellt, wird es unter dem Strich etwa 800 Stellen weniger geben, wie UniCredit bereits am Freitag mitgeteilt hatte. Im vergangenen Jahr hatte sich die Zahlen der Stellen bereits um rund 200 auf 19.247 verringert. Grundsätzlich könnten betriebsbedingte Kündigungen nie ganz ausgeschlossen werden, sagt Weimer. "Aber es ist mein verdammter Job, dafür zu sorgen, dass das nicht passiert."

Banken



Die Schließung der Filialen begründete Weimer mit der schwachen Auslastung. "Wenn ich in die Filialen gehe, ist dort in großen Teilen gähnende Leere." Auch ältere Kunden nutzten inzwischen Online-Banking. "Selbst meine eigene Frau Mama - deutlich über 70 Jahre alt - macht Online-Banking, weil ihr der Weg in die Filiale zu beschwerlich wird", rechtfertigt sich Weimer. "Aber ich sage hier nicht den Tod der Filialen voraus", betont er. Derzeit hat die Hypovereinsbank rund 610 Filialen in Deutschland, einen Großteil davon in Süddeutschland. Seit einigen Monaten setzt die Bank neben dem persönlichen Gespräch auch auf die Videoberatung der Kunden über das Internet.

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