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Überraschend gute Zahlen Macht Corona die Deutsche Bank zum Krisengewinner?

Deutschlands größte Privatbank hat einen unerwartet guten Jahresstart hingelegt. Quelle: REUTERS

Überraschend meldet das Frankfurter Geldhaus für das erste Quartal einen Gewinn. Das ist ein Indiz dafür, dass ihr Geschäftsmodell intakt ist – aber kein Grund zur Entwarnung.

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Wann hat es das zuletzt gegeben? Die Deutsche Bank muss Eckdaten zu ihrem Quartalsergebnis gut zwei Tage vor der geplanten Bekanntgabe veröffentlichen, weil diese deutlich besser ausgefallen sind als von Analysten erwartet. Statt des von den Marktbeobachtern vorhergesagten Verlusts von 400 Millionen Euro verdiente das Institut zwischen Januar und März immerhin 66 Millionen Euro. Gleichzeitig meldete die Bank, die zuletzt verzweifelt ihren stets fallenden Erträgen hinterher zu sparen schien, von 5,7 Milliarden auf 6,4 Milliarden Euro deutlich gestiegene Einnahmen.

Für Bankchef Christian Sewing, der vor wenigen Tagen 50 wurde, ist das Ergebnis kein Grund zum Feiern, aber doch eine Bestätigung. Denn der Zuwachs resultiert vor allem aus dem Geschäft mit Unternehmenskunden, die er zur primären Zielgruppe der Bank erklärt hat. Sie dürften sich gegen den Corona-Einbruch gewappnet haben, indem sie etwa vorhandene Kreditlinien zogen. Und die Nachfrage nach Finanzierungen dürfte kaum nachlassen. Der Bank beschert die Krise damit tatsächlich eine Art Sonderkonjunktur.

Wegen der „Chancen für zusätzliches Geschäft“ und der „erhöhten Nachfrage“ überprüft sie deshalb auch ihre Ziele für Verschuldungsquote und Kapitalausstattung. Sie könnte ihr Geschäft in den kommenden Monaten so stark ausweiten, dass die Bilanzsumme im Verhältnis zum Eigenkapital stärker wächst als vorhergesehen.

Dass die Bank auf den gestiegenen Bedarf ihrer Kunden reagiert, ist sicher richtig. Aber es ist nicht ohne Risiko. Während US-Banken die Risikovorsorge deutlich erhöhten, liegt sie bei der Deutschen Bank mit 44 Basispunkten aller Kredite weiterhin ausgesprochen niedrig und weit unter dem historischen Durchschnitt. Sollten in Folge der Coronakrise trotz staatlicher Hilfen mehr Unternehmen und Privatleute in Zahlungsschwierigkeiten geraten, würde das die Bank mit voller Wucht treffen – je stärker sie ihr Geschäft ausgeweitet hat, desto mehr. Das ist ein Unterschied zur Finanzkrise 2008. Damals standen die Banken am Anfang des Absturzes. Diesmal stehen sie am Ende.

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Nach Jahren des Niedergangs will die Deutsche Bank ihr US-Geschäft neu ordnen. Ausgerechnet der prominenteste Kunde gefährdet die Pläne. Und im Präsidentschaftswahlkampf droht dem Geldinstitut ein Eklat. Mehr dazu lesen Sie hier.

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