Umfrage Deutsche haben kein Vertrauen in Deutsche Bank

Ein Skandal jagt den anderen, Klage folgt auf Klage - für die Banken bleibt das nicht ohne Folgen. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass die Deutschen den großen Geldinstituten kaum noch Vertrauen entgegenbringen. Punkten können dagegen Direktbanken.

Libormanipulation, Kartellklagen, umstrittene Finanzprodukte - die Deutsche Bank hat sich an vielen Fronten Ärger eingehandelt. Und steht damit natürlich nicht alleine da. Das Vertrauen der Verbraucher in die großen Banken ist erschüttert. Quelle: REUTERS

Die öffentliche Wahrnehmung der Banken wird zwar von den schlagzeilenträchtigen Skandalen der Banken geprägt - dennoch hat die Branche einen besseren Ruf, als angesichts der vielen Klagen, Urteile und Krisen zu vermuten wäre. Unter allen Branchen haben die Banken immer noch die dritthöchste Fanquote, das heißt fast jeder vierte Kunde ist besonders treu und zufrieden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Mainzer Marktforschungsinstituts Forum, über die das Magazin "Focus" auf seiner Internetseite berichtet.

In der Benchmarkstudie "Fanfocus" wurde untersucht, welche Branchen die meisten Fans haben und somit den Bedürfnissen ihrer Kunden am besten gerecht werden. Dazu wurden zu jeder Branche mindestens 1000 Menschen danach befragt, bei welchem Unternehmen sie Kunde sind. Anschließend schauten sich die Marktforscher an, wie stark die Bindung der Kunden an die Unternehmen ist - sie unterteilen sie dabei in "Fans" (äußerst zufrieden, hohe emotionale Bindung, dienen als Botschafter des Unternehmens), "Sympathisanten" (weniger mitteilsam als die Fans), "Söldner" (zufrieden, aber geringe emotionale Bindung, preissensibel) , "Gefangene" (gezwungenermaßen an das Unternehmen gebunden, etwa durch Verträge - eigentlich unzufrieden und wechselwillig) und "Terroristen" (unzufrieden, ungebunden, teilen schlechte Erfahrungen häufig). Die Fanquote, also den Anteil der Fans an der Gesamtheit aller Kunden, bewerten die Forscher als wichtig für den Erfolg eines Unternehmens.

Bank of America muss 17 Milliarden Dollar Strafe zahlen
Bank of AmericaWankende Großbanken brachten das Weltfinanzsystem 2008 an den Rand des Zusammenbruchs. Dubiose Hypotheken-Deals hatten den Weg dafür bereitet. Doch die Vergangenheit holt die Geldhäuser ein - der Bank of America (BoA) droht nun gar die höchste Strafe aller Zeiten. Dem „Wall Street Journal“ zufolge steht das Finanzinstitut kurz vor einem Vergleich mit dem US-Justizministerium über knapp 17 Milliarden US-Dollar (rund zwölf Milliarden Euro), davon neun Milliarden Dollar in bar. Das wäre der höchste jemals bezahlte Betrag in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung zwischen der US-Regierung und einem Unternehmen. Bereits im März musste BoA 9,5 Milliarden Dollar nach einer Klage der Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency zahlen. Die US-Behörden sind bei der Bestrafung von Großbanken nicht eben zimperlich - zumindest, wenn es um Geldstrafen geht. Welche Banken ebenfalls Rekordgeldbußen zahlen mussten, erfahren sie auf den folgenden Seiten. Quelle: REUTERS
Goldman SachsDie US-Großbank hat die Finanzkrise trotz viel Kritik an ihren Geschäftsmethoden vergleichsweise gut überstanden. Ende August 2014 handelte das Geldhaus mit den US-Aufsichtsbehörden und den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac, die im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise von der US-Regierung mit insgesamt 187 Milliarden Dollar gerettet werden mussten, einen Vergleich aus. 2005 und 2007 hatte Goldman Sachs den beiden Gesellschaften zusammengeschnürte minderwertige Immobilienkredite verkauft. Laut Einigung muss Goldman diese Papiere für 3,15 Milliarden Dollar zurückkaufen. Damit zahlt die Bank 1,2 Milliarden Dollar mehr, als die Kreditportfolios derzeit wert sind. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Citigroup leistet für fragwürdige Hypothekengeschäfte eine sieben Milliarden Dollar schwere Abbitte. Nach Ansicht der US-Justiz hatte die Bank den Käufern verschwiegen, wie schlecht es um die in verbrieften Wertpapieren enthaltenen Hauskredite gestanden habe. Wie die US-Großbank mitteilte, zahlt sie 4,5 Milliarden Dollar an US-Behörden und gewährt zudem Finanzierungshilfen und -erleichterungen für Hausbauer im Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Der Vergleich verhagelt der Citigroup das zweite Quartal. In dem Zeitraum verbucht die Bank eine Vorsteuerbelastung von 3,8 Milliarden Dollar. Mit dem Vergleich hätten sich alle anhängigen zivilrechtlichen Hypothekenermittlungen erledigt, erklärte Bankchef Michael Corbat. Der Vergleich erlaube der Bank, sich „auf die Zukunft zu fokussieren, nicht auf die Vergangenheit“. Quelle: dpa
CommerzbankWie die "New York Times" berichtet, droht der Commerzbank wegen mutmaßlicher Verstöße gegen US-Sanktionen eine Geldstrafe von mindestens 500 Millionen Dollar (370 Millionen Euro). Die Commerzbank hatte bereits eingeräumt, dass sie wegen ihrer Geschäfte mit Ländern wie dem Iran im Visier der US-Behörden steht. Wann die Verhandlungen mit den US-Behörden abgeschlossen sein werden, ist noch unklar. Quelle: dpa
Die französische Großbank BNP Paribas steht wegen Sanktionsbruch und Geldwäschevorwürfen im Fokus der US- Justizbehörden. Laut einem Bericht des Wall Street Journal drohen der Bank Bußgelder bis zu einer Höhe von zehn Milliarden Dollar. Die Bank soll Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, Sudan, Kuba und andere Länder umgangen haben. Es wäre die zweithöchste Strafe, die je gegen eine Großbank verhängt wurde, die Höchststrafe wegen Geldwäsche lag bislang bei 1,9 Milliarden Dollar. Nachfolgend eine Reihe von Banken, die für verschiedene Vergehen schon Milliarden an Geldbußen zahlen mussten. Quelle: REUTERS
Gegen die britische Großbank Barclays verhängte die britische Finanzaufsicht die erste Geldstrafe wegen Manipulation des Goldpreises. Barclay zahlt 26 Millionen Pfund, überführte Barclays-Händler muss 96.000 Pfund Strafe zahlen und erhielt Berufsverbot. Wegen der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor musste Barclays bereits im Sommer 2012 stolze 290 Millionen Pfund zahlen, umgerechnet 350 Millionen Euro. Der damalige Barclays-Chef Bob Diamond nahm kurz danach seinen Hut. Quelle: REUTERS
Die größte Schweizer Bank UBS zahlt rund 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) und damit die zweithöchste Geldstrafe, zu der eine Schweizer Bank jemals verdonnert wurde. Die UBS hatte zudem im Jahr 2009 wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Bürgern der Zahlung von 780 Millionen Dollar zugestimmt, dabei aber keine Schuld zugegeben. In Deutschland soll die UBS wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung 200 Millionen Euro Strafe zahlen. Ende 2012 musste die UBS wegen des sogenannten Zockerskandals eine Strafe von 36,7 Millionen Euro zahlen und erhebliche Kontrollauflagen erfüllen. Die Bank wird damit für "System-und Kontrollfehler" bestraft. Zugleich wurden der UBS durch die Schweizer Finanzmarktbehörde FINMA scharfe Kontrollen im Investmentbanking auferlegt. Ohne diese Mängel wären die betrügerischen Transaktionen des Händlers Kweku Adoboli früher entdeckt worden. Quelle: REUTERS

Trotz des guten Abschneidens der Bankenbranche im Vergleich zu anderen Branchen gibt es eine tiefe Spaltung: Denn während Direktbanken wie die ING-DiBa oder Comdirect mit überdurchschnittlich guten Ergebnissen (Fanquoten zwischen 24 und 28 Prozent) aufwarten können, landen die bekannten Großbanken als Schlusslicht auf den hinteren Plätzen. Vor allem die Deutsche Bank, die sich immer wieder mit Skandalen und Klagen konfrontiert sieht, schneidet schlecht ab. Ihre Fanquote liegt bei mageren elf Prozent; lediglich die Targobank ist mit neun Prozent noch weiter abgeschlagen. Forum-Geschäftsführer Roman Becker erklärt: "Diese Banken verzetteln sich häufig in ihrem Anspruch, alle Produkte und alle Kanäle zu bedienen. Das führt zu Profillosigkeit und Mittelmäßigkeit." Der Studie zufolge schaffen es die beiden Banken einfach nicht, kundenorientiert zu arbeiten - den Direktbanken gelänge dies deutlich besser.

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Auch in Sachen Qualität fallen die Bewertungen für die großen Geldhäuser wenig schmeichelhaft aus. Targobank und Commerzbank landen hier auf den beiden letzten Plätzen (64 und 67 von 100 möglichen Punkten). Überzeugen können hingegen die DKB, comdirect und ING-DiBa (77, 76 und 75 Punkte). Die Deutsche Bank erhält hier immerhin 70 Punkte.

Bei der Bewertung der Mitarbeiter ist die Deutsche Bank allerdings das Schlusslicht, und auch beim Vertrauen liegt einiges im Argen, denn keiner Bank vertrauen so wenig Kunden wie dem Frankfurter Institut (61 von 100 Punkten). Da Vertrauen primär ein Imagethema ist, kann es nicht überraschen, dass die Bank auch beim Gesamt-Image abgeschlagen liegt. Erhält die Bankenbranche im Schnitt 71 Punkte von den Kunden, so liegt das Image von Targobank (60 Punkte) und Deutscher Bank (63 Punkte) deutlich darunter. Die Großbanken würden signifikant als weniger seriös und weniger glaubwürdig wahrgenommen, so Becker.

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