UniCredit-Chef Die großen Aufgaben des Jean-Pierre Mustier

Der Franzose Jean-Pierre Mustier hat arbeitsreiche Monate vor sich: Als neuer Chef der UniCredit soll die Bank sanieren. Die HypoVereinsbank wird er kaum antasten – stattdessen wird eine Kapitalerhöhung wahrscheinlicher.

Investmentbanker Jean-Pierre Mustier soll Unicredit retten. Quelle: Richard Boll für WirtschaftsWoche

Jean-Pierre Mustier redet knapp und entschlossen, wirkt asketisch, die Zeit als Fallschirmjäger hat ihn geprägt, wer ihn kennt, berichtet von wenig Empathie, viel Intelligenz und sehr viel Geltungsdrang. Damit ist der Franzose das Gegenteil seines Vorgängers Federico Ghizzoni, eines netten, älteren Herren ohne größeres Charisma.

Die italienische Großbank UniCredit hat Mustier am Dienstag zu ihrem neuen Chef gemacht. Das zeigt, wie brenzlig die Lage in Mailand ist. Die Bank, die in 17 Ländern 143.000 Mitarbeiter beschäftigt, ist seit Jahren in einem Labyrinth aus faulen Krediten, fehlenden Erträgen und hausgemachten Intrigen gefangen. Alle Lösungsversuche sind gescheitert. Die letzte Hoffnung heißt nun Mustier. Wie er die Bank umbauen will, soll noch in diesem Jahr feststehen. Er werde den neuen Geschäftsplan wohl im vierten Quartal vorlegen, sagte Mustier der Zeitung „Il Sole Ore 24“.

Seit sein Untergebener Jérôme Kerviel bei der französischen Großbank Société Générale knapp fünf Milliarden Euro verzockte, will der Franzose sein Image reparieren. 2011 nahm er als Vorstand bei UniCredit den ersten Anlauf, 2014 ging er nach einem internen Machtkampf. Damals wollte die Bank keinen Totalumbau, setzte auf weniger Stellen und die Konjunktur in Italien. Nun darf Mustier radikale Reformen angehen.

Die sind bitter nötig. Die Aktie ist seit Jahresbeginn um zwei Drittel eingebrochen, das Institut an der Börse nur noch zehn Milliarden Euro wert. Das Analysehaus Independent Credit View (ICV) bewertet UniCredit als einzige von 34 großen europäischen Banken als hoch riskant („Non-Investment-Grade“). „In den vergangenen Jahren hat es keine echten Fortschritte gegeben“, sagt Analyst Guido Versondert.

UniCredit denkt über Kapitalerhöhung nach

Wie andere italienische Banken auch, leidet UniCredit unter einem Berg von Problemkrediten. Forderungen von brutto mindestens 80 Milliarden Euro sind aktuell notleidend, der Abbau stockt. Die ICV-Analysten rechnen vor, dass es die Bank etwa acht Milliarden Euro kosten würde, die Quote fauler Kredite von derzeit 15,4 auf erträglichere 10 Prozent zu reduzieren. Das kann sie sich nicht leisten.

Die drei Säulen der Bankenunion

In Finanzkreisen gilt UniCredit deshalb als Kandidat für eine Kapitalerhöhung. Am Donnerstag hatte auch UniCredit-Verwaltungsratschef Giuseppe Vita hatte der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, die Bank komme um eine Finanzspritze nicht herum. „Wir müssen uns mit einer Kapitalerhöhung beschäftigen, weil ich nicht glaube, dass die Europäische Zentralbank sich mit dem zufriedengeben wird, was wir gemacht haben.“ Mustier hat einen guten Draht zu Investoren, beim aktuellen Kurs müsste er aber so viele Aktien ausgeben, dass die Anteile der bisherigen Aktionäre extrem verwässert würden

Insider rechen deshalb vor allem mit personellen und strukturellen Veränderungen. „In der jetzigen Form hat UniCredit keine Zukunft“, heißt es in Finanzkreisen. Die Anteile an der Fondsgesellschaft Pioneer würde die Bank schon seit Jahren gern loswerden, sie sind aber ebenso schwer verkäuflich wie die polnische Bank Pekao. Wirkliche Perlen fehlen im Portfolio.

Dabei drückt Mustier mächtig aufs Tempo. Bereits am Tag seines Amtsantritts hat das Geldhaus zehn Prozent von Pekao bei institutionellen Investoren platziert – im Wert von rund 800 Millionen Euro. Für die restlichen Pekao-Anteilsscheine sagte UniCredit eine Veräußerungssperre von 90 Tagen zu.

Am ehesten böte sich die Münchner HypoVereinsbank an. Sie hat auch in Krisenjahren stabile Ergebnisse geliefert. Da die Mailänder Zentrale trotzdem Tausende Stellen abbaute, hoffen viele in der HVB auf einen Börsengang. Sehr wahrscheinlich ist der nicht. UniCredit ist auf die stabile Dividende aus Bayern angewiesen.

Das Verhältnis Mustiers zu HVB-Chef Theodor Weimer gilt als „professionell“. So soll der Franzose dem deutschen Management vorgeworfen haben, Anordnungen der Finanzaufsicht BaFin für Blockaden gegenüber Mailand zu missbrauchen. Weimers Job dürfte dennoch bis zum Ablauf seines Vertrags Ende 2017 sicher sein. Für Mustier gibt es wichtigere Baustellen als München.

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