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Untersuchungsausschuss WestLB scheiterte am schlechten Geschäftsmodell

Vor zwei Jahren wurde die WestLB zerschlagen. Wie die mächtige Landesbank scheiterte, beleuchtet ein Untersuchungsausschuss - mit prominenten Zeugen.

Laut Peer Steinbrück scheiterte die WestLB an ihrem mangelhaftem Geschäftsmodell. Quelle: dpa

Die WestLB, die als einzige deutsche Großbank die Finanzmarktkrise nicht überlebt hat, ist nach Einschätzung des ehemaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück an Jahre zurückliegenden Managementfehlern gescheitert. Die WestLB habe die Zeit bis zum Wegfall der Staatsgarantien Mitte 2005 nicht genutzt, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln, sagte er am Montag bei einer Befragung des WestLB-Untersuchungsausschusses in Düsseldorf.

Dieses Versagen habe sich fortgesetzt im Kauf von vergifteten Wertpapieren. „Diese Geschäftspolitik hat der WestLB letztlich das Genick gebrochen“, sagte Steinbrück. Billiges Geld und ein unzureichendes Geschäftsmodell seien wesentliche Faktoren gewesen. „Die WestLB hat billiges Kapital genutzt in der Annahme, dass die guten Zeiten unendlich sind“, sagte er in Hinblick auf den damals überhitzten US-Immobilienmarkt, der 2007 zur Finanzmarktkrise führte.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Nach Schilderung des ehemaligen NRW-Finanzministers Helmut Linssen war die WestLB-Eigenkapitalplanung immer knapp. Das Einbringen des NRW-Wohnungsbaukapitals 1992 in die WestLB - um das es in der Befragung ging - habe der Expansion gedient. Im Beihilfestreit um die niedrigen Zinsen für das Wohnungsbauvermögen habe die WestLB lange darauf gesetzt, dass Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die Bedenken der europäischen Kommission abwehren könne. „Es war Vogel-Strauß-Politik, Kopf in den Sand und es wird schon gut gehen“, schilderte Linssen.

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Die WestLB musste auf Druck Brüssels wegen der zu niedrigen Verzinsung letztlich 2005 rund 1,4 Milliarden Euro Beihilfen an das Land Nordrhein-Westfalen zurückzahlen. Sowohl Steinbrück als auch Linssen waren Anfang der Neunzigerjahre Landespolitiker, aber noch nicht Finanzminister in NRW. Die krisengeschüttelte WestLB wurde nach hohen Verlusten vor zwei Jahren zerschlagen, die Abwicklung dauert an. Steinbrück war von 2000 bis 2002 NRW-Finanzminister. Anschließend war er bis 2005 Ministerpräsident. Linssen war von 2005 bis 2010 NRW-Finanzminister.

Der seit einem Jahr arbeitende Düsseldorfer Untersuchungsausschuss will beleuchten, warum es zu den Milliardenverlusten der WestLB kam und inwieweit der Niedergang der Landesbank auf fehlerhaftes Management, möglicherweise rechtswidriges Verhalten Einzelner, fehlende Kontrolle oder politische Einflussnahme zurückzuführen ist.

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