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"Up or out" Wie Goldman-Sachs-Manager Deutschland erobern

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Eine global agierende Machtsekte

Die ist einerseits geprägt von absoluter Erfolgsorientierung, Ehrgeiz, Einsatz bis zum Umfallen und dem Karriereprinzip „Up or out“ – wer zu schwach ist, muss gehen. Andererseits schwärmen frühere Banker von der Teamarbeit und bedingungslosen Offenheit. „Es war total verpönt, Themen über Bande zu spielen. Wer das versucht hat, war schnell draußen“, sagt ein Ex-Goldman-Banker.

Um ein reibungsloses Zusammenspiel zu garantieren, unterzieht die Bank Bewerber einem beispiellosen Marathon von oft mehr als 20 Vorstellungsgesprächen. Auserwählte fliegen dann oft für eine Woche nach New York, um die Kultur des Unternehmens zu verinnerlichen. In ihrer Konsequenz sind die Goldman-Grundwerte allenfalls noch mit denen der Unternehmensberatung McKinsey vergleichbar.

Kritiker sehen denn auch in beiden Unternehmen global agierende Machtsekten, die ihre Angestellten einer Gehirnwäsche unterziehen, indem sie sie derart einspannen und fordern, dass sie gar keine Zeit mehr für eigene Gedanken haben. Derart umgekrempelt bleiben sie ihren Arbeitgebern angeblich auch nach ihrem Ausscheiden treu ergeben und schanzen ihnen Aufträge und Informationen zu. Dass Ex-Goldman-Manager wie Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, auch politisch wichtige Posten besetzen, befeuert solche Verschwörungstheorien.

Nahezu paranoid

Zu denen trägt auch das Beharren der Bank auf absoluter Diskretion bei. „Die eigene Reputation verteidigt Goldman nahezu paranoid“, sagt ein früherer Manager. Selbst kleinste Negativnachrichten hätten zu stundenlangen Telefonkonferenzen mit Verantwortlichen in New York geführt.

In den vergangenen Jahren gab es da eine Menge Gesprächsbedarf. Nach der Finanzkrise 2008 geriet Goldman wie kein anderes Institut in die Kritik, so stellte sich heraus, dass die Bank wohl gegen eigene Kunden gewettet hatte, in internen E-Mails prahlten ihre Mitarbeiter mit ihren Abzockereien. Zu allem Überfluss verkündete Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein auch noch scherzhaft, dass er „Gottes Werk“ verrichte. Das US-Magazin „Rolling Stone“ beschimpfte die Bank in einer Generalabrechnung als „Riesenkrake, die ihre Tentakel in alles steckt, was Geld bringt“.

Selbst hochrangige Goldman-Banker geben zu, dass sich das Institut in seiner Gier nach Wachstum weit von den Wurzeln entfernt hatte. Als eine der ersten brachte die Bank deshalb nach der Finanzkrise eine große Selbstüberprüfung auf den Weg. Die Rückbesinnung auf alte Werte soll künftig Skandale vermeiden. Bisher offenbar erfolgreich: Während etliche Konkurrenten mit Manipulationen und Rekordstrafen Schlagzeilen machen, ist es um Goldman erstaunlich still geworden.

Für traditionelle Werte steht auch der Generationswechsel, der sich vergangene Woche im Messeturm vollzogen hat. Auf den langjährigen Deutschland-Chef Alexander Dibelius folgt mit Wolfgang Fink und Jörg Kukies nun eine Doppelspitze. Klarer lässt sich der Teamgedanke kaum signalisieren. Beide gelten als „absolut typische Goldman-Banker“ – professionell, ohne großen Drang an die Öffentlichkeit.

In Arbeit
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In die wurde der neue Chef der Börse 2011 gezerrt. Da musste Kengeter, den die Schweizer UBS von Goldman abgeworben und zum Leiter ihres Investmentbankings gemacht hatte, einen Verlust von fast einer Milliarde Dollar erklären. Den hatte ein einzelner Händler durch unentdeckte Fehlspekulationen verursacht. Er erledigte den Job nüchtern, räumte auf und verließ die UBS schließlich Anfang 2013 unter Mitnahme seines Jahresbonus. Danach lehrte er erst mal an der London School of Economics. Nun kehrt er auf einen Top-Job zurück.

Auch der künftige Deutsch-Banker Schenck hat eine längere Auszeit von der Finanzwelt genommen. Von 2006 bis 2013 war er Finanzvorstand des Düsseldorfer Energiekonzerns E.On. Bei der Deutschen Bank wird er sich im schon jetzt nicht konfliktfreien Führungszirkel nicht nur fachlich, sondern auch als Teamspieler beweisen müssen. Gut möglich, dass ihn die Kollegen kritisch beäugen. Schon gilt er als Reservekandidat, falls die aktuelle Doppelspitze über ihre Altlasten stolpern sollte.

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