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Urteil im Libor-Skandal Deutsche Bank muss Mitarbeitern Gehälter nachzahlen

Dass die Deutsche Bank vor Gericht steht, ist nichts Neues. Heute haben vier Banker ihren ehemaligen Arbeitgeber anstatt diverser Aufsichtsbehörden oder geprellter Anleger verklagt. Zeitgleich verlängert Co-Chef Fitschen seinen Vertrag.

Die Deutsche Bank hat vier Mitarbeitern zu unrecht gekündigt. Quelle: dapd

Die Beteiligung von Deutsche-Bank-Händlern an Zinsmanipulationen hat am Mittwoch das Arbeitsgericht Frankfurt beschäftigt. Vier Ex-Mitarbeiter des Konzerns wehrten sich gegen ihre Kündigung und klagten auf Wiedereinstellung. Das Gericht befand, dass die Deutsche Bank den vier Mitarbeitern zu Unrecht gekündigt habe. Die Entlassungen seien „unverhältnismäßig“. Die Bank muss ihren Leuten die Gehälter samt Zinsen nachzahlen.

Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank

Das Geldinstitut hatte die außerordentlichen Kündigungen mit „schwerwiegendem Fehlverhalten“ ihrer Angestellten begründet. Ihr Anwalt hatte den Geldmarktexperten vorgeworfen, bei der Ermittlung der Referenzzinssätze Libor und Euribor mehrfach verbotenerweise mit Derivate-Händlern im eigenen Haus kommuniziert zu haben. Man prüfe nun die Berufung, erklärte ein Vertreter der Bank.

Was den Libor so wichtig macht

Großbanken versuchten über Jahre, den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Barclays, die Royal Bank of Scotland und die UBS mussten deswegen hohe Bußgelder zahlen. Bei der Deutschen Bank erkannte die Finanzaufsicht Bafin nach einer Sonderprüfung zwar kein bewusstes Fehlverhalten im Top-Management, wie aus Finanzkreisen zu hören ist. Die Bafin rügte aber zu lasche interne Kontrollen. Die weltweiten Ermittlungen laufen noch.

Es gibt auch eine gute Nachricht für Deutschlands größte Bank: Die Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen bleibt ihr länger erhalten, als geplant. Das Institut soll auch über das Jahr 2015 hinaus von dem Duo geführt werden. Fitschens Vertrag, der bislang nur bis 2015 läuft, soll nach dem Willen des Präsidialausschusses im Aufsichtsrat bis Ende März 2017 verlängert werden. Das teilte die Deutsche Bank am Mittwoch in Frankfurt mit. Jains Vertrag läuft bereits bis zu diesem Datum.

Die Kernpunkte der neuen Deutsche-Bank-Strategie

Endgültig beschlossen werden soll die Personalie vom Plenum des Aufsichtsrates auf dessen nächster ordentlicher Sitzung am 29. Oktober. Aufsichtsratschef Paul Achleitner sagte laut Mitteilung: „Jürgen Fitschen und Anshu Jain haben sich gemeinsam für die Verlängerung ausgesprochen.“

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Fitschen steht seit Juni 2012 gemeinsam mit Anshu Jain an der Spitze des größten deutschen Finanzinstituts. Normalerweise werden Verträge ein Jahr vor Ablauf neu verhandelt, doch die Deutsche Bank will sich nach den Erfahrungen der Nachfolgedebatte rund um Ex-Bankchef Josef Ackermann ähnliche Diskussionen ersparen. Der Vertrag von Co-Vorstandschef Jain läuft noch vier Jahre und steht daher nicht zur Debatte.

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