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US-Banken Für JP-Morgan-Chef Dimon geht es um Kopf und Kragen

Stimmt eine Mehrheit der Aktionäre der US-Großbank dafür, die Position von Aufsichtsrat und Vorstandschef zu trennen, droht JP-Morgan-Chef Jamie Dimon mit seinem Abgang. Schon beschwören Analysten eine Katastrophe für die Bank und die Aktie.

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Der JP-Morgan-Chef Jamie Dimon sieht überhaupt kein Problem mit seiner Doppelrolle, an der er „große Freude“ habe. Quelle: AP

Trotz Finanzkrise und Bankenregulierung geht in den großen Finanzinstituten an der Wall Street eigentlich alles wie immer vor sich. Die Group of Thirty in Washington, eine private Organisation hochkarätiger Finanzführer, hatte schon im vergangenen Jahr in ihrem Bericht "Toward Effective Governance of Financial Institutions“ die Unternehmensführung in vielen Finanzinstituten kritisiert. Unbedingt, so forderte die Gruppe, müsse die Position von Aufsichtsrat und Vorstandschef getrennt werden, um eine bessere Kontrolle der Unternehmensführung durch den Verwaltungsrat zu gewährleisten. Zu den Mitgliedern der Group of Thirty gehören immerhin Finanzexperten wie der frühere EZB-Chef Jean-Claude Trichet oder Ex-US-Finanzminister Larry Summers.

In den USA ist eine Trennung der beiden Ämter allerdings nicht üblich. Stellen wir uns das einmal in Deutschland vor: Siemens-Chef-Peter Löscher etwa wäre gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender des Industriekonzerns. Welche beaufsichtigende oder kontrollierende Rolle spielt dann überhaupt noch ein Aufsichtsrat? Schon interessant, dass die sonst sehr gut organisierten Amerikaner von einer solchen Ämtertrennung in Corporate America nichts wissen wollen.

Revolution bei JP Morgan

Zumindest bei einer Ikone der Wall Street könnte sich das jetzt ändern. Auf der Hauptversammlung in einer Woche drohen die Aktionäre der US-Großbank JP Morgan Chase auf der Hauptversammlung der Bank mit einer Revolution. Jamie Dimon soll seinen Job als Vorsitzender des Verwaltungsrates – vergleichbar dem Aufsichtsratsgremium in Deutschland – abgeben. Das empfehlen die zwei einflussreichen amerikanischen Aktionärsberatungsgesellschaften Beratungsgesellschaften ISS (Institutional Shareholder Services) und Glass Lewis. Stimmt tatsächlich eine Mehrheit für diese Ämtertrennung bei JP Morgan Chase wäre diese Abstimmung zwar nicht bindend. Aber es wäre ein massiver Gesichtsverlust für Dimon. Für den mächtigsten Banker an der Wall Street wäre das wie ein Misstrauensvotum.

Auslöser für die neu aufkommende Debatte ist das Debakel der Bank im vergangenen Jahr, als ein Händler in London sich verspekulierte hatte und der Bank einen Verlust von sechs Milliarden Dollar bescherte. Die Wetten des als „Londoner Wal“ verspotteten Händlers schadeten dem Ruf von JP Morgan enorm. Als "fehlerhaft, komplex, schlecht geprüft, schlecht ausgeführt und schlecht überwacht" hatte JP-Morgan-Chef Dimon die verlustreiche Handelsstrategie der Bank bezeichnet. Kritisiert wird allerdings auch Dimon selbst wegen zu lascher Risikoprüfung. Die schwache Kontrolle läge vor allem auch an der Verquickung der beiden wichtigsten Spitzenämter.

Die Furcht: Investoren verkauften massiv ihre Anteile

So laufen die Geschäfte im Investment-Banking
Europäische Banken – Credit SuisseDer Schweizer UBS-Wettbewerber Credit Suisse reklamiert die Vorreiterrolle in Sachen Strategie-Anpassungen gerne für sich. Denn auch die Credit Suisse schrumpft kräftig die eigene Bilanz, um sich den neuen Kapitalvorgaben von Basel III anzupassen. Allein in der Anleihesparte innerhalb der Investmentbank hat Credit Suisse das Volumen der risikogewichteten Aktiva innerhalb eines Jahres um 43 Prozent auf 131 Milliarden Dollar gekürzt. Quelle: REUTERS
Und die Umbauarbeiten gehen weiter: In der Investmentbank soll die Bilanz nochmals um zehn Prozent gestutzt werden. Das Einsparziel wurde von drei auf vier Milliarden Franken erhöht. Wie viele Jobs das kosten wird, darüber schweigt sich Bank-Chef Brady Dougan (Bild) indes aus. Trotz der Kürzungen haben sich die Umsätze dieses Geschäftsbereichs im Jahresvergleich im dritten Quartal verdreifacht - was Analysten als die positive Überraschung hervorstrichen. Quelle: REUTERS
Für Finanzchef David Mathers zeigt das Ergebnis, dass die Bilanzausdünnung nicht auf die Erträge durchschlagen muss. Credit Suisse erzielte im Investment-Banking im dritten Quartal eine Eigenkapitalrendite von knapp zehn Prozent. „Das wird die UBS wohl nicht erreichen, was den Druck auf das Management hoch halten wird“, sagt Christian Stark, Analyst bei Cheuvreux. Quelle: dapd
Logo der RBS Quelle: dapd
Die Investmentbank des Geldhauses soll also weiter schrumpfen. Dabei ist Vorstandschef Stephen Hester (Bild) bereits kräftig auf die Bremse getreten. Anfang dieses Jahres hatte Hester den Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Bank zog sich aus großen Teilen des Aktiengeschäfts und einigen anderen Bereichen zurück und verkaufte den traditionsreichen Broker Hoare Govett. Quelle: REUTERS
Seit Hester Ende 2008 sein Sanierungsprogramm für das damals schwer angeschlagene Geldhaus auf den Weg brachte, hat er die Investmentbank der RBS um mehr als die Hälfte verkleinert. Einen völligen Rückzug hielte aber auch UKFI-Chef O'Neill für eine falsche Entscheidung. Zu wichtig seien die Dienste der Investmentbanker für das Wachstum und das Wohlergehen britischer Unternehmen. Quelle: dapd
Deutsche BankBei der Deutschen Bank müssen Tausende Investmentbanker um ihren Job fürchten. Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain wollen sparen, um Ertragseinbußen im Zuge der Schuldenkrise und der härteren Regulierung aufzufangen. Das Investment-Banking dürfte zwar zuletzt wieder gut gelaufen sein. Doch das Geschäft gilt als sehr volatil - und Volatilität steht bei der Bank derzeit nicht hoch im Kurs. Quelle: dpa

Dimon allerdings sieht überhaupt kein Problem mit seiner Doppelrolle, an der er „große Freude“ habe. Er drohte damit, seinen Chef-Posten bei der Bank aufgeben zu wollen, falls ihm sein Verwaltungsratsjob abgesprochen werde. Das ist mutig, denn im Moment ist die Stimmung in den USA eher für eine solche Ämtertrennung. Falls sich eine größere Mehrheit auf der Hauptversammlung von JP Morgan Chase am 21. Mai tatsächlich für eine Ämtertrennung ausspricht, bleibt Dimon nach seiner Ankündigung, er nehme eine Trennung nicht hin, schon fast gar nichts anderes mehr übrig, als zurückzutreten.

Dabei könnte eine solche Ämtertrennung, der ganzen Branche gar einen Gefallen tun. Die größte Bank in den USA könnte damit eine Vorreiterrolle in der Industrie spielen und zeigen, dass die Finanzbosse zu Änderungen bereit sind in der Unternehmenskultur der Institute. Bankenkritikern, wie etwa der demokratischen Senatorin Elizabeth Warren, nehme es bei ihrer Forderung nach viel strengeren Regulierungsvorschriften den Wind erst einmal aus den Segeln.

Analysten befürchten Sturzflug der JP Morgan-Aktie

An der Wall Street gehen derweil schon die Spekulationen los, was mit der Aktie und dem Institut passiert, sollte der mächtigste Banker an der Wall Street tatsächlich abtreten. Eine Katastrophe sei das, jammert Ken Langone, Gründer der Baumarktkette Home Depot. Er fürchte, Investoren verkauften massiv ihre Anteile. Langone hat selbst einige Millionen in JP Morgan investiert.

Banken



Bankenanalyst Mike Mayo, bekannt geworden als einer der ersten, der die Finanzkrise 2008 hat kommen sehen - dem damals allerdings kein Mensch Glauben schenkte -  schätzt, die JP Morgan Aktie werde um 10 Prozent abschmieren, falls Dimon zurücktreten sollte. Die Marktkapitalisierung der Bank werde um rund 20 Milliarden Dollar sinken, falls die Aktionäre für eine Ämtertrennung stimmten. Der Kurs des JP-Morgan-Papiers legte im KBW Bank Index in diesem Jahr um 11 Prozent zu.

Möglicher JP-Morgan Nachfolger Zames

Grund für den Kursverfall sei, so Mayo, dass die Bank keinen wirklichen Nachfolger für Dimon präsentieren könnte. Ein potentieller Nachfolgekandidat scharrt allerdings schon mit den Hufen: Matt Zames, den die Bank kürzlich zum alleinigen Geschäftsführer (Chief Operating Officer) ernannt hat – gilt als einer Top-Aufsteiger in der Bank. Der bisherige Co-COO Frank Bisignano hat die Bank vor kurzem verlassen. Zames, heißt es in Bankenkreisen, mache sich schon jetzt große Hoffnung auf den CEO-Posten.

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