US-Investmentbank Goldman Sachs verblüfft mit Ergebnis

Analysten hatten mit noch weniger Gewinn gerechnet und sind entsprechend überrascht. Die Erlöse der fünftgrößten Bank der USA liegen bei knapp einer Milliarde Dollar. Jetzt sollen Stellenstreichungen und eine Neuausrichtung das Geldinstitut nach vorn bringen.

showing a sign at the Goldman Sachs both on the floor of the New York Stock Exchange Quelle: dpa

Optimistisch betrachtet könnte man sagen: Die US-Investmentbank Goldman Sachs überrascht mit hohem Gewinn. Allerdings übertrifft das Halbjahresergebnis der fünftgrößten US-Bank lediglich die ohnehin schlechte Erwartung der Analysten. Die Bank hatte es zwar geschafft, Einbrüche im Beratungsgeschäft der Fusionen und Übernahmen sowie im Aktiengeschäft mit entsprechenden Zuwächsen im Renten-, Devisen- und Rohstoffgeschäft auszugleichen, gereicht hat es nicht.

Das Nettoergebnis der Bank ging um elf Prozent auf 962 Millionen Dollar zurück. Die Erlöse sanken um neun Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar - das ist der niedrigste Stand seit 2005. Da ist es nur ein geringer Trost, dass Analysten mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet haben. Bankchef Lloyd Craig Blankfein sagte zwar im Juni, dass die Abschwächung seiner Meinung nach eine vorübergehende Reaktion auf die Finanzkrise sei.

Wo Investmentbanker gehen müssen
Royal Bank of ScotlandDer Vorstandschef der staatlich kontrollierten britischen Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) tritt ab. Stephen Hester werde seinen Posten zum Ende des Jahres räumen, teilte die Bank mit. „Der Verwaltungsrat ist der Meinung, dass ein ordentlicher Nachfolge-Prozess einem neuen Vorstandschef Zeit geben wird, den Privatisierungsprozess vorzubereiten und die Bank in die kommenden Jahre zu führen“, heißt es in einem Statement der RBS. Hester sei es nicht möglich gewesen, ein solches zeitlich unbegrenztes Bekenntnis abzugeben. Die Royal Bank of Scotland gehört zu rund 80 Prozent dem britischen Steuerzahler. Ihre Reprivatisierung gilt als eines der heißesten Eisen in der britischen Regierungspolitik. Quelle: dpa
Goldman SachsBedrohte Stellen: unbekannt Die US-Investmentbank steht offenbar noch in dieser Woche vor einem weiteren Arbeitsplatzabbau. Dabei werde das Aktienhandelsgeschäft diesmal wohl stärker betroffen sein als die im vergangenen Jahr kräftiger gestutzte Sparte für festverzinsliche Papiere, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Montag. Das Geldhaus von der Wall-Street trennt sich gewöhnlich jedes Jahr zu dieser Zeit von den fünf Prozent seiner Mitarbeiter, die intern am schlechtesten bewertet wurden. Da das Handelsgeschäft aber weiter unter schwachen Volumen und niedrigen Gewinnen leidet, würden wahrscheinlich hier in einigen Bereichen die Einschnitte tiefer sein, hieß es in den Kreisen. Quelle: dpa
Morgan StanleyBedrohte Stellen: 1600 Die sechstgrößte US-Bank plant angeblich, in den nächsten Wochen den Geschäftsbereich Investmentbanking um 1600 Stellen zu reduzieren. Das entspricht etwa sechs Prozent der Mitarbeiter in dieser Sparte. Rund 800 Investmentbanker sollen in den USA entlassen werden, aber auch Mitarbeiter außerhalb der Vereinigten Staaten werden gehen müssen. Ähnlich wie bei den Entlassungen der Citigroup sollen Mitarbeiter aus allen Ebenen betroffen sein. Quelle: REUTERS
a Citibank branch in New York Quelle: dapd
Deutsche Bank Quelle: dapd
Nomura Quelle: REUTERS
JP Morgan Quelle: REUTERS

Nun will er aber weiter an der Kostenschraube drehen. Schon im ersten Halbjahr entließ die Bank rund 1000 Mitarbeiter und senkte die Vergütungen der Übriggebliebenen. Statt im Schnitt 237.662 Dollar für jeden der damals rund 35.000 Mitarbeiter gab es nach den Kürzungen nur noch 225.789 Dollar für die verbliebenen 32.000 Mitarbeiter. In den ersten Monaten des Jahres 2012 sank der Kostenpunkt Vergütungen deshalb bereits um 14 Prozent auf 7,29 Milliarden Dollar. Die reinen Personalkosten gingen wegen der Entlassungen um neun Prozent zurück.

Besinnung aufs klassische Bankgeschäft

Nun wolle man sich stärker auf das klassische Bankgeschäft statt auf das nachlassende Geschäft mit dem Investmentbanking konzentrieren, wie Blankfein in einem Interview sagte. Das legendäre Wall-Street-Haus hat dabei die wohlhabende Kundschaft im Blick. „Wir sind eine Bank. Das ist keine bloße Theorie“, sagte Lloyd Blankfein dem „Wall Street Journal“. Es gebe aber keine Pläne, Filialen zu errichten, Bankautomaten aufzustellen, Kreditkarten auszugeben oder „einen Toaster zu verschenken“, beteuerte er.

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Für die neue Ausrichtung soll auch eine neue Sparte gegründet werden. Sie soll 100 Milliarden Dollar an Krediten vergeben. Die Kunden sollen zudem ihr Geld auf Konten bei Goldman parken können - damit bekommt die Bank Zugriff auf frisches Geld unabhängig vom Kapitalmarkt. „Wir können uns das leisten, weil wir die Kontakte und die wirtschaftliche Grundlage dazu haben“, sagte Blankfein. Reiche Privatkunden können sich schon heute von Goldman Sachs bei der Verwaltung ihres Vermögens beraten lassen. Unternehmen werden aber weiterhin von dem Wall-Street-Haus bei Übernahmen, Fusionen, Börsengängen oder bei Finanzierungen betreut. Hinzu kommen als Einnahmequelle lukrative, aber risikoreiche Spekulationen auf eigene Rechnung, die jedoch von den Gesetzgebern immer weiter eingeschränkt werden. Blankfein sieht im klassischen Bankgeschäft „eine große Möglichkeit“, wenngleich das althergebrachte Investmentbanking auch in der absehbaren Zukunft das wesentlich größere und einträglichere Standbein bleiben dürfte.

ked mit Material von reuters

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