US-Tochter Fed bemängelt Schlamperei bei der Deutschen Bank

Die Deutsche-Bank-Aktie ist am Mittwochmorgen größter Dax-Verlierer. Auslöser ist neuer Ärger in den USA: Die Aufseher werfen der US-Tochter unsaubere Berichte vor. Die Bank bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Deutsche Bank im juristischen Chaos

Neuer Ärger für die Deutsche Bank in den USA: Die Notenbank von New York, Aufseherin über die größten amerikanischen und ausländischen Banken im Land, wirft dem Frankfurter Institut Finanzkreisen zufolge eine unsaubere Rechnungslegung der US-Tochter vor. In einem Schreiben vom 11. Dezember an die Bankführung habe die Fed Schlamperei im Berichtswesen bemängelt, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Mittwoch. Dabei gehe es aber eher um technische Fehler und nicht um Tricksereien bei der Bewertung von Wertpapieren. Über den Brief hatte zuvor auch das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet.

Die Deutsche Bank bemühte sich um Schadensbegrenzung: "Wir arbeiten weiter sorgfältig daran, unsere Kontrollen und Systeme zu stärken und haben uns verpflichtet, hierin branchenführend zu sein", erklärte das Institut. Dazu werde wie angekündigt eine Milliarde Euro investiert. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin wollte sich zu der Kritik der US-Aufseher nicht äußern.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Anleger reagieren nervös

Die Nachrichten schickten die Deutsche-Bank-Aktie zu Handelsbeginn auf Talfahrt. Mit einem Minus von zwei Prozent war das Papier größter Dax-Verlierer. "Das macht die Anleger natürlich nervös", sagte Analyst Dirk Becker von Kepler Cheuvreux. Im Moment habe man den Eindruck, dass ausländische Banken in den USA besonders hart rangenommen würden.

Wie das "WSJ" berichtete, wurde der Brief der New Yorker Fed von Daniel Muccia verfasst, der für die Aufsicht der US-Töchter ausländischer Geldinstitute zuständig ist. Nach seiner Einschätzung muss die Deutsche Bank einige Berichte und Dokumente möglicherweise nachträglich korrigieren. Früher angesprochene Fehler seien bislang nicht behoben worden. Sollte es sich aber tatsächlich nur um technische Details handeln, hätte das wohl keine Auswirkung auf die Konzerngeschäftsberichte.

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Es ist nicht das erste Mal, dass sich die US-Aufseher die Deutsche Bank vorknöpfen. Im Juni 2013 schlugen Aussagen des Vize-Chefs der Einlagensicherungsbehörde FDIC, Thomas Hoenig, hohe Wellen. Er hatte damals erklärt, mit Blick auf die Verschuldungsquote sei Deutschlands größtes Geldhaus "schrecklich unterkapitalisiert". Die Bank wies die Darstellung zurück und argumentierte, gemessen am neuen Branchenstandard Basel III sei sie eines der am besten kapitalisierten Institute der Welt. In diesem Jahr folgte allerdings eine gut acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung.

Schlagzeilen machte in dieser Woche auch eine Rüge des US-Senats: Ein Unterausschuss für Steuerfragen hatte harsche Kritik an der Deutschen Bank und der britischen Barclays geübt und ihnen vorgeworfen, Hedgefonds bei Steuertricksereien geholfen zu haben. Die beiden Geldhäuser hätten komplexe Finanzprodukte an die Fonds verkauft, wodurch diese ihre Steuerzahlungen um viele Milliarden Dollar hätten drücken können, hieß es.

Nach Erkenntnissen der Abgeordneten waren die Geschäfte zwar moralisch fragwürdig, aber nicht illegal.

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