Verdacht der Untreue Ex-Führung von Sal. Oppenheim droht Prozess

Ehemalige Führungsmitglieder der Privatbank Sal. Oppenheim werden wegen Untreue angeklagt. Es geht um zwei Immobiliengeschäfte in Köln. Unter den Angeklagten ist Ex-Gesellschafter Christopher Freiherr von Oppenheim.

Die frühere Führungsriege des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim steht vor einer Anklage wegen Untreue in besonders schwerem Fall. Quelle: dapd

KölnGegen frühere Führungsmitglieder der einst größten europäischen Privatbank Sal. Oppenheim ist Anklage wegen Untreue in einem besonders schweren Fall erhoben worden. Das sagte Rechtsanwalt Prof. Klaus Volk am Montag der Nachrichtenagentur dpa. „Es geht um zwei Immobiliengeschäfte in Köln.“

Der Münchner Anwalt vertritt Christopher Freiherr von Oppenheim, der einer von vier persönlich haftenden Gesellschaftern war. Die Beschuldigungen richten sich Volk zufolge aber nicht nur gegen seinen Mandanten: „Die Anklage bezieht sich auf die früheren persönlich haftenden Gesellschafter.“

Die Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte die Fertigstellung der Anklage nicht. Die Behörde ermittelt seit gut anderthalb Jahren gegen Ex-Verantwortliche der Traditionsbank, die nach Milliardenverlusten Anfang 2011 von der Deutschen Bank übernommen worden war.

Deutschlands traditionsreichste Privatbanken
Mit ihrem Geld wurden Könige gewählt und Kriege finanziert. Privatbankiers haben zum Teil schon vor 500 Jahren große Vermögen verwaltet. Heute kümmern sich die exklusiven Geldhäuser hauptsächlich um die Gelder von betuchten Privatkunden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Zahl der unabhängigen Institute in Deutschland von über 1300 auf rund ein Dutzend zurückgegangen. Und mit der Notübernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank verliert das prominenteste und finanzstärkste private Institut in Deutschland seine Unabhängigkeit. Foto: PR
Sal. OppenheimMit 40 000 Talern in bar und 50 000 Talern in Wertpapieren gründete der 17-jährige Salomon Oppenheim Jr. im Jahr 1789 ein Kommissions- und Wechselhaus in Bonn. 220 Jahre und zwei Umzüge später sitzt die Privatbank nun in Luxemburg und beschäftigt rund 4300 Mitarbeiter. Mit einer Bilanzsumme von 41,4 Milliarden Euro (Stand November 2009) zählt sie zu den größten unabhängigen Privatbanken Europas. Im Jahr 2008 schrieb die Bank zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg rote Zahlen. Foto: PR
Berenberg-BankUm ihr Vermögen müssen die persönlich haftenden Gesellschafter der Berenberg Bank nicht bangen: Eine Eigenkapitalrendite von 45,3 Prozent und ein Überschuss von 62 Millionen Euro im vergangenen Jahr (2010) dürfte sie ruhig schlafen lassen. Die Berenberg Bank nennt sich selbst die älteste Privatbank Deutschlands. Sie ging aus einem familiengeführten Hamburger Handelshaus hervor, das 1590 gegründet wurde. Sie verfügt über eine Bilanzsumme von 3,2 Milliarden Euro (2010) und verwaltet über 25 Mrd. Euro. Ende 2010 beschäftigte die
Hauck & Aufhäuser PrivatbankiersKnapp acht Prozent von Hauck & Aufhäuser gehören dem Kuwaitischen Königshaus. Die Gründerfamilie Hauck hält ebenfalls ein Aktienpaket, rund 80 Prozent der Anteile sind im Besitz privater Unternehmerfamilien. Der Bilanzgewinn lag 2010 bei 9,1 Millionen Euro, die Bilanzsumme betrug 3,2 Milliarden Euro. Hauck & Aufhäuser beschäftigt derzeit rund 600 Mitarbeiter. Foto: PR
Bankhaus LampeDas Motto des Bankhaus Lampe lautet
Fürstlich Castell'sche Bank, Credit-Casse AGDie älteste Bank Bayerns wurde 1774 als
Merkur-BankDie Merkur-Bank engagierte sich in den 90er-Jahren in der Republik Mosambik, was ihrem damaligen Vorsitzenden Siegfried Lingel den Titel Honorarkonsul von Mosambik einbrachte. Gegründet wurde die Bank 1959 von Zanwel Horowicz zusammen mit seiner Frau und seinem Bruder. 1986 stieg dann eine Investorengruppe um Siegfried Lingel ein. Der Bilanzgewinn sank im Jahr 2008 auf 282 000 Euro im Vergleich zu 956 000 Euro in 2007. Foto: PR

Das Verfahren arbeitet Unregelmäßigkeiten auf, die mit zur Schieflage der einst stolzen Privatbank führten. Management und Eigner von Sal. Oppenheim hatten die Bank mit Wetten auf Derivate, Großkrediten an wichtige Kunden und der Beteiligung am Warenhauskonzern Arcandor in Bedrängnis gebracht. Nach über 200 Jahren Unabhängigkeit übernahm dann die Deutsche Bank 2010 das Kölner Geldhaus. Der Immobilienkomplex wird von Kennern des Verfahrens als "kleinerer Teil" des Gesamtverfahrens bezeichnet. Bei den öffentlich bereits länger bekannten Teilen des Falls soll ein Ende noch nicht absehbar sein.

Dabei geht es auch um den Verdacht, dass die Bank einigen Gesellschaftern Kredite über mehrere Hundert Millionen Euro zu günstigen Konditionen und ohne ausreichende Sicherheiten gegeben haben soll. Weiter sollen ehemalige Gesellschafter der Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz 2005 mehr als 300 Millionen Euro ohne ausreichende Sicherheiten geliehen haben. Sal. Oppenheim hatte zudem knapp 30 Prozent an Arcandor, dem Karstadt-Quelle-Nachfolger, erworben.

Gegen die einstige Spitze der Bank wird wegen Untreue und pflichtwidriger Schädigung des Bankvermögens ermittelt. Im fraglichen Zeitraum zeichneten Matthias Graf von Krockow, Friedrich Carl Janssen, Christopher Freiherr von Oppenheim und Dieter Pfundt sowie Georg Baron von Ullmann als Aufsichtsratschef verantwortlich für die Geschicke des Bankhauses. In dem Gesamtermittlungskomplex wählte die Staatsanwaltschaft eine harte Gangart: Mit zwei Großrazzien sorgte sie für Aufsehen.

Ebenfalls im Visier der Staatsanwälte steht der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wegen Beihilfe zur Untreue. Er hatte kurz nach seinem Ausscheiden einen üppig dotierten Beratervertrag in Sachen Arcandor erhalten. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, Middelhoffs Honorar sei überhöht gewesen. Middelhoff hat dies bislang bestritten.

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