Verfahren Deutsche Bank unter Dauerverdacht

Immer neue Verfahren ramponieren das Image der Deutschen Bank. Die Altlasten kratzen an der Glaubwürdigkeit der neuen Chefs.

Wie deutsch ist die Deutsche Bank?
Anshu Jain Quelle: dapd
Jürgen Fitschen Quelle: dapd
Rainer Neske Quelle: unbekannt.
Stefan Krause Quelle: dapd
Stephan leithner Quelle: dpa
Stuart Lewis, Chief Risk Officer der Deutsche Bank Quelle: Presse
Henry Ritchotte Quelle: unbekannt.

Josef Ackermann war offenbar zur richtigen Zeit am richtigen Ort – nämlich nicht da. Da der damals amtierende Chef auf Reisen war, griff sein Vorstandskollege Jürgen Fitschen zum Füller und unterschrieb die Umsatzsteuererklärung der Deutschen Bank für das Jahr 2009. Eine Signatur mit Folgen. Denn nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn und Finanzvorstand Stefan Krause.

Seit am Mittwochmorgen mehrere Dutzend Polizeibeamte an der Taunusanlage in Frankfurt vorfuhren und in die Zwillingstürme stürmten, steht die Deutsche Bank noch mehr unter Druck als zuvor. Staatsanwälte, Regulatoren und Politiker nehmen das Institut weltweit aufs Korn. Ständig geraten neue Geschäfte aus der Vergangenheit ins Zwielicht. Fast alle haben ihren Ursprung in den Handelsabteilungen, die Co-Chef Anshu Jain vor seinem Aufstieg an die Spitze befehligte. Da nun auch Fitschens bislang blütenweiße Weste Schmutzspritzer abbekommen hat, steht die Glaubwürdigkeit des Führungsduos und des von ihm angekündigten Kulturwandels auf dem Prüfstand

Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank

Demonstration der Stärke

Es war ein sehr martialischer Auftritt, mit dem die Polizei die Deutsche-Bank-Türme stürmte, Maschinenpistolen inklusive. Dabei ging es sicher auch um eine Demonstration der Stärke, kein Politiker will sich schließlich nachsagen lassen, mit den Banken zu lasch umzuspringen. Letztlich standen hinter dem Einsatz aber auch schwer wiegende Verdachtsmomente wie die Unterdrückung von Beweismitteln.  Und offenbar waren die Mitarbeiter der Bank beim letzten Einsatz 2010 gewarnt worden. Dass Bankchef Fitschen sich direkt bei Ministerpräsident Volker Bouffier beschwerte, verhärtet nun in der breiten Öffentlichkeit den Eindruck einer Institution, die für sich in Anspruch nimmt, selbst bestimmen zu können, was richtig ist und was nicht.

Genauso wie der am Freitag verlorene Kirch-Prozess. Auch wenn es in diesem  um eine mögliche Verfehlung von Fitschens und Jains Vorvorgänger Rolf Breuer geht und die juristische Konstruktion des Urteils gewagt ist, passt das Ergebnis ins Bild. Einmal mehr zeigt sich hier das Bild einer Bank, die nicht im Interesse ihres Kunden handelt, sondern gegen diesen. Und deren einzige Geschäftsmaxime die Maximierung des Profits ist.

Manches abstrus

Der Feldzug nimmt teilweise abstruse Formen an. So erklärte der italienische Berlusconi-Vertraute Renato Brunetta das Institut Anfang der Woche zum Hauptverantwortlichen für die Schuldenkrise Südeuropas. Um die eigene Pleite zu verhindern, habe es in großem Stil italienische Staatsanleihen verkauft, so die Theorie.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind substanzieller. Sie drehen sich um den groß angelegten Betrug mit CO2-Zertifikaten über internationale Scheinfirmen, dessen Drahtzieher bereits Ende 2011 zu teilweise hohen Haftstrafen verurteilt wurden. Schien die Deutsche Bank da nur die Plattform zu sein, auf der sich das Betrugskarussell drehte, geht es nun um härtere Vorwürfe wie Geldwäsche und Unterdrückung von Beweisen. Fünf Beschäftigte wurden verhaftet, gegen 25 wird ermittelt. Die Strafverfolger könnten Fitschen und Krause vorwerfen, dass sie eine falsche Erklärung abgaben und dass die Bank erst im dritten Quartal 2011 und damit zu spät auf Rückforderungen von 310 Millionen Euro aus den Geschäften verzichtete.

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