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Verkauf der HSH Nordbank Teures Ende mit Schrecken

Trotz des hohen Verkaufspreises gibt es keinen Grund zur Freude: Die bisherigen Eigner bleiben auf Verlusten von mindestens 13 Milliarden Euro sitzen und auch den Mitarbeitern der HSH drohen durch den Verkauf schwierige Zeiten.

Schleswig-Holstein und Hamburg einigen sich mit amerikanischen Investoren auf einen Kaufvertrag für ihre Landesbank. Für die bisherigen Eigner endet ein dunkles Kapitel. Viele Mitarbeiter müssen um ihre Jobs bangen.

Olaf Scholz hat sichtlich gute Laune, als er vor die Presse tritt und den Verkauf der HSH Nordbank verkündet. „Wir haben es geschafft, eine existenzielle Krise abzuwenden“, freut sich Hamburgs erster Bürgermeister. Für eine Milliarde Euro verkaufen die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg ihre Anteile an der Bank an ein Konsortium von US-Investoren.

Die New Yorker Investmentgesellschaft Cerberus und der US-Investor J. Christopher Flowers übernehmen die meisten Anteile und halten künftig rund 80 Prozent des Instituts. Der Rest geht an die amerikanische Gesellschaft GoldenTree, an Centaurus Capital aus London sowie an die österreichische Bawag.

Notwendig geworden war der Verkauf durch eine Auflage der EU-Kommission, nachdem die Länder die Bank zwei Mal mit staatlichen Mitteln vor der Insolvenz gerettet hatten. Wäre heute kein Kaufvertrag zu Stande gekommen, hätte die Bank abgewickelt werden müssen. Die Folgen einer Abwicklung wären unüberschaubar gewesen, der Druck auf die Politik einen Käufer für die Bank zu finden, war dementsprechend groß.

Trotz des vergleichsweise hohen Verkaufspreises gibt es allerdings keinen Grund zur Freude. Die Länder bleiben auf Verlusten von mindestens 13 Milliarden Euro sitzen, die sie mit der HSH gemacht haben. „Das ist der geringste Schaden, den wir erreichen konnten“, sagt Hamburgs Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD). In die Schifflage war die HSH Nordbank hauptsächlich wegen fauler Schiffskredite gerutscht. Anfang des Jahrtausends mutierte die Bank zum größten Schiffsfinanzierer der Welt. Auf dem Höhepunkt war die mit Krediten der HSH finanzierte Flotte größer als die Marine Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens zusammen. Die Bank wollte vom globalen Handel auf den Meeren profitieren. Doch dann kam 2008 die Finanzkrise und viele Reedereien konnten ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen.

Die HSH saß damit auf einem riesigen Berg an faulen Krediten. Um wieder auf die Beine zu kommen, lagerte die Bank die notleidenden Papiere in eine Abbaubank aus. Dort liegen derzeit Papiere in Höhe von etwa sieben Milliarden Euro, die meisten davon sind ausfallgefährdet.

Diese Abbaubank wird nun aufgelöst, um die Zukunftsperspektive der HSH zu verbessern. Es war die letzte Hürde, welche vor dem Verkauf aus dem Weg geräumt werden musste. Die faulen Papiere gehen in eine eigens von den Käufern gegründete Struktur, womöglich eine Zwecksgesellschaft, über. Das Portfolio wird dann separat von der HSH verwertet und mit Hilfe von darauf spezialisierten Investoren verkauft. Die HSH wird damit praktisch von allen Altlasten befreit.

Zunächst einmal muss die Bank aber deswegen etwa eine Milliarde abschreiben. Denn durch die Übertragung der Kredite an die US-Investoren erhält die HSH weniger, als sie derzeit in den Büchern stehen hat. Für das Geschäftsjahr 2017 wird die Bank deshalb einen Verlust vor Steuern im mittleren dreistelligen Millionenbereich ausweisen.

Den Mitarbeitern der HSH drohen durch den Verkauf nun schwierige Zeiten. Von den 1900 Stellen sollen etwa 600 abgebaut werden. Vor allem die Angestellten in Kiel könnte es hart treffen. Bislang sicherte der Staatsvertrag den Mitarbeitern zu, dass beide Standorte, Kiel und Hamburg, gleichwertig seien. Durch die Privatisierung fällt diese Sicherheit nun weg. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, bemühte sich vergeblich um ein Bekenntnis der Investoren zu Kiel. Er habe „keinerlei Zusagen“ erhalten. Die Kieler Betriebsratsvorsitzende der HSH, Simone Graf, befürchtet „dass der Zug in Richtung Hamburg nun Tempo aufnimmt“.

Auch die Abwicklung der Bank ist noch nicht vollkommen vom Tisch. Dem Kaufvertrag müssen nicht nur die beiden Länderparlamente noch zustimmen. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission müssen grünes Licht geben. Das Verfahren dürfte sich über Monate hinziehen.

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