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Verkehrte (Finanz)welt

Wird die Blockchain eine neue Anlageklasse?

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Warum sollten digitale "Coins" überhaupt einen Wert haben?

Der Kauf eines Tokens im Rahmen eines Initial Coin Offerings (ICOs) zur Finanzierung der Entwicklung einer Blockchain-Applikation ist im Wesentlichen vergleichbar mit dem Erwerb von Anteilen an einem Start-up für Softwareentwicklung. Der Wert des Tokens wird analog zu den Start-up-Anteilen davon abhängig sein, ob und in welchem Maße sich die Applikation im Markt durchsetzt und geschäftlichen sowie finanziellen Erfolg hat. Dies gilt im Prinzip analog für Ethereum als Plattform und deren Werteinheit „Ether“.

Schwieriger ist die Frage, was den Wert der sogenannten Kryptowährungen ausmachen sollte. Zunächst einmal ist festzustellen, dass in einem Computer erzeugtes Geld an sich keinen Wert hat. Einen möglichen Wert der Zahlungsmittelfunktion als solcher hat der legendäre Investor Warren Buffett über den Vergleich mit Schecks verneint: Schecks dienten genauso als Zahlungsmittel und Schecks an sich hätten schließlich auch keinen Wert.

Warum bewertet der Markt die Kryptowährung Bitcoin dann aber mit 75 Milliarden US-Dollar, was zur Einordnung ungefähr dem Marktwert von VW oder Daimler entspricht? Eine Antwort ist, dass wir es hier mit einer Art Tulpenmanie des 21. Jahrhunderts zu tun haben und sich der vermeintliche Wert früher oder später in Luft auflösen wird.

Im Kontrast hierzu steht die Theorie, dass Bitcoin einen Wert haben muss, weil es ein nützliches und gleichzeitig knappes Gut ist. Die Knappheit liegt darin begründet, dass die absolute Anzahl von Bitcoins auf 21 Millionen limitiert ist. Davon sind heute knapp 17 Millionen im Umlauf. Die Limitierung könnte theoretisch zwar verändert werden, dies ist derzeit aber nicht absehbar. Das bringt uns zur Frage der Nützlichkeit. Bitcoin kann weltweit für Zahlungen genutzt werden. In den westlichen Industrienationen, wo wir neben Bargeld mit Kreditkarten, Schecks, PayPal, etc. zahlen können, ist der Nutzen als Zahlungsmittel natürlich erheblich geringer als in vielen Entwicklungsländern, wo die Mehrheit der Bevölkerung häufig keinen Zugang zum Finanzsystem und lediglich Bargeld als Zahlungsmittel hat. Nützlich ist Bitcoin insbesondere auch für grenzüberschreitende Zahlungen, zum Beispiel von Arbeitsmigranten in ihre Heimatländer.

Ein weiterer potentieller Nutzen von Bitcoin liegt in der Funktion als Wertaufbewahrungsmittel. Die Diskussion hierüber wird auch unter dem Stichwort „digitales Gold“ geführt. Ausgangspunkt ist die historische Beobachtung, dass Menschen in den unterschiedlichsten Kulturen Gold als geeignetes Tauschmittel bzw. Geld ausgesucht haben. Auch wenn sich die weltweiten Zentralbankwährungen seit der Aufkündigung von Bretton Woods in 1971 von Gold gelöst haben, gilt Gold auch heute noch als Wertaufbewahrungsmittel und eine Art Ersatzwährung. Als Grund hierfür werden die Eigenschaften von Gold genannt, allen voran seine Knappheit, aber auch seine Teilbarkeit, Haltbarkeit, Handelbarkeit und Fälschungssicherheit.

Hier schließt sich in der Argumentation nun der Kreis zu Bitcoin, denn obwohl Bitcoin im Gegensatz zu Gold keine Verwendung als Rohstoff für Schmuck oder die Industrie findet, teilt Bitcoin die vorgenannten Eigenschaften. Darüber hinaus stehen Vorteile in puncto Lagerkosten und Transportierbarkeit von Bitcoin Nachteilen hinsichtlich der Aufbewahrungssicherheit gegenüber.

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