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Verstaatlichte Banken Wie es den Sündern der Finanzkrise heute geht

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Finanzspritze von mehr als 45 Milliarden Pfund

Die Testamente der Banken
Logo von JP Morgan Chase Quelle: dpa
Bank of America Die Bank of America bleibt im öffentlichen Teil ihres Testaments ähnlich vage wie die übrigen Institute. Sie spricht unter anderem von unbestimmten Käufern (darunter „nationale, internationale und regionale Finanzinstitute“), die im Falle einer Pleite Teile der Bank übernehmen würden. Der Steuerzahler müsse nicht zur Hilfe kommen. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Bank unter Firmenchef Vikram Pandit beteuert, im Fall einer Pleite abgewickelt werden zu können. Und zwar in einer Weise, die kein systemisches Risiko berge, die die Finanzmärkte nicht in Aufruhr bringe und keine Milliarden von den Steuerzahlern notwendig mache. Quelle: dpa
Goldman Sachs Laut dem Notfallplan würde die Investmentbank „rasch“ Geschäftsteile oder Vermögenswerte verkaufen und damit eine Liquidation vermeiden. Der Branchenprimus nutzt derweil sein Testament auch, um die ganze Übung indirekt als sinnlos zu bezeichnen. „Die Umstände, die zu einem Kollaps einer für das System wichtigen Institution führen, werden wahrscheinlich andere sein als in diesen Annahmen vorgegeben“. Quelle: REUTERS
Logo von Morgan Stanley Quelle: dpa
BarclaysDie britische Großbank kommt für das Szenario ihres Untergangs im öffentlichen Teil des Testaments mit einer halben Seite aus. Darin heißt es unter anderem, die Notfallpläne seien so ausgeklügelt, dass im Falle einer Pleite eine Katastrophe auf den Finanzmärkten nicht zu erwarten sei. Quelle: REUTERS
Deutsche BankDie Deutsche Bank deutet an, dass die US-Regulierer im Erstfall die deutsche Bankenaufsicht BaFin umgestört operieren lassen sollten. Dann sei die im Notfall zu gründende Überbrückungsbank in der Lage, die US-Firmenteile mit Liquidität zu versorgen. Quelle: dpa

Dennoch zieht sich die Leidensgeschichte der Bank wohl noch länger hin. Das einstige Vorzeigeinstitut der britischen Bankbranche gilt noch immer als einer der größten Sanierungsfälle weltweit. Die Royal Bank of Scotland leidet auch vier Jahre nach der Lehman-Pleite noch unter der Übernahme der niederländischen Bank ABN Amro, mit der sie sich seinerzeit verhoben hatte. Die britische Regierung musste 2008 mit einer Finanzspritze von mehr als 45 Milliarden Pfund einspringen. Inzwischen hat die RBS bereits 700 Milliarden Pfund an Risiko aus der Bilanz genommen und 35.000 Stellen gestrichen.

Keine Rückkehr zur Selbstständigkeit in Sicht

Erst kürzlich berichtete die Financial Times, dass es daher in Regierungskreisen Bestrebungen gebe, die RBS nun doch komplett zu verstaatlichen. Einige Politiker seien erbost, dass die RBS zu wenig Kredite vergeben würde – und damit ihrer Kernaufgabe nicht gerecht würde. Die darbende britische Konjunktur könnte nämlich einen Investitionsschub gut gebrauchen. Hinter den Überlegungen zur Komplettverstaatlichung steht offenbar die Vorstellung, dass die Regierung dann direkt eingreifen könnte, ohne Rücksicht auf andere Aktionäre zu nehmen. Die Kosten für ein Herausdrängen der übrigen Anteilseigner würden bei rund fünf Milliarden Pfund liegen. Angesichts der bereits geflossenen Beträge klingt das fast günstig.

Wie gut ist die Nummer zwei der deutschen Bankenwelt?
Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
 Ein Containerschiff wird im Hamburger Hafen be- und entladen Quelle: dpa
Eine Auszubildende schraubt an einem Motor Quelle: dpa
Das Logo der Dresdner Bank vor dem Gebäude der Commerzbank Quelle: dpa
Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Quelle: dpa
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG zu Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens Quelle: dpa
Der Kurswert der Commerzbank-Aktie am 9. Januar 2009 Quelle: AP


Allerdings lehnt Finanzminister George Osborne bislang eine Komplettübernahme ab. Auch Gegner einer Komplettübernahme durch den Staat betonen, dass dem Steuerzahler so noch weitere Risiken aufgedrückt würden. Dies werde sich noch weiter verstärken, wenn die Regierung die Bank zu einer stärkeren Kreditvergabe drängen würde. Zudem gebe es wettbewerbsrechtliche Hürden seitens der Europäischen Union. Von einer Rückkehr in die Hand privater Eigentümer war die Bank jedoch kaum jemals weiter entfernt als heute. Von einer Erfolgsgeschichte wie bei AIG kann überhaupt keine Rede sein.
Zumindest für Aktionäre gab es bei der RBS-Aktie einen kleinen Trost: Im Juni sprang der Kurs vom Tief bei 0,14 Euro auf knapp drei Euro. Aber der alte Höchstkurs von mehr als acht Euro ist noch immer in weiter Ferne. Sollte es zu kompletten Verstaatlichung der RBS kommen, würden die übrigen Aktionäre vermutlich herausgedrängt und preiswert abgefunden. Eine Investmentstory ist das nicht.

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