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Vertrauliche PapiereCommerzbank-Aufsichtsrat beauftragt Boston-Consulting-Group

Berater der Boston Consulting Group (BCG) helfen dem Aufsichtsrat der Commerzbank bei den Zukunftsplänen. Das geht aus einer exklusiven Analyse hervor.Cornelius Welp, Lukas Zdrzalek 09.12.2020 - 16:20 Uhr

Die Commerzbank bekommt Hilfe von der Boston Consulting Group (BCG).

Foto: REUTERS

Der Aufsichtsrat der Commerzbank lässt sich im Ringen um die Zukunft Deutschlands zweitgrößter privater Bank von Beratern der Boston Consulting Group (BCG) unterstützen. Das geht aus einer als vertraulich eingestuften Analyse hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Weder BCG noch die Commerzbank wollten sich auf Anfrage dazu äußern.

Das Schreiben dürfte eine entscheidende Rolle beim Abgang des noch amtierenden Firmenkundenvorstands Roland Boekhouts gespielt haben. So zerpflücken die BCG-Berater die Strategie für das Firmenkundengeschäft, die Boekhout ausgearbeitet hatte. Dessen Plan sah unter anderem vor, Mittelstandskunden mit einem Durchschnittsertrag von weniger als 8000 Euro im Jahr standardisiert und vorwiegend digital abzufertigen. Top-Kunden sollten dagegen intensiver betreut werden.

 Die Berater beurteilen diese Strategie vernichtend: „Die geäußerten Kritikpunkte und Fragen lassen sich nicht durch eine weitere Detaillierung der aktuell vorliegenden Strategie ausräumen“. Die Bank solle lieber ein „zusammenhängendes Alternativmodell“ entwickeln, schreiben sie. In diesem solle sich den Bank auf „den Markenkern des Mittelstandsgeschäfts besinnen“ und sich statt auf „Wachstum im Ausland auf die Marktanteilssteigerung im Kerngeschäft“ konzentrieren. Aktivitäten „in Markets oder bei Non-Bank-Financial Institutions“ müssten kritisch hinterfragt werden.

BCG hatte bereits die Finanzagentur des Bundes zur Ausrichtung der Commerzbank beraten. Über diese hält der Staat seinen 15-Prozent-Anteil an der Commerzbank. Aus einer internen Commerzbank-Präsentation, die der der WirtschaftsWoche vorliegt, ergibt sich, dass die BCG-Szenarien einen Abbau von 10.000 bis 17.000 Stellen vorsehen. Dadurch soll die Eigenkapitalrendite der Bank auf sieben bis acht Prozent steigen. Die Dokumente zeigen auch, dass die Bank unter ihrem bisherigen Chef Martin Zielke bis Juni dieses Jahres eine neue Strategie unter dem Namen „Turnaround“ ausgearbeitet hatte. Der Plan sah vor, dass circa 10.000 Stellen wegfallen sollten. Spätestens 2024 sollte die Rendite auf sieben Prozent betragen.

Mehr zum Thema: Die interne Unruhe bei der Commerzbank eskaliert: Vertrauliche Papiere zeigen, wie Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter mithilfe von BCG-Beratern durchgreift – im Sinne des staatlichen Großaktionärs

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