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Von Trump verklagt Der schwierigste Kunde der Deutschen Bank

US-Präsident Donald Trump Quelle: imago images

Donald Trump verklagt die Deutsche Bank, damit sie die Daten über seine Kreditgeschäfte unter Verschluss hält. Ein Problem mehr für die Bank, die ausgerechnet für ihr US-Geschäft dringend eine neue Strategie braucht.

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer einst lukrativ schillernden, dann heiklen, ungeliebten Beziehung. US-Präsident Donald Trump hat Klage gegen die Deutsche Bank eingereicht. Er will damit verhindern, dass Informationen über seine Finanzen an die Öffentlichkeit gelangen, denn die Bank hatte angekündigt, Dokumente über ihren prominentesten, aber wohl auch problematischsten Kunden offenzulegen. Das will Trump um jeden Preis verhindern.

Grund für die Auseinandersetzung ist das Bestreben der Demokraten, die Finanzgeschäfte des US-Präsidenten genau zu untersuchen. Der entsprechende Ausschuss im Repräsentantenhaus hat Trumps Banken bereits entsprechende Vorladungen zukommen lassen. Die Deutsche Bank erklärt dazu, sie werde weiterhin alle offiziellen Untersuchungen mit adäquaten Informationen und diesbezügliche Gerichtsentscheidungen befolgen.

Trotzdem kommt Trumps Klage für das Institut zur Unzeit. Berater hatten schon vor Monaten gemutmaßt, die Verbindung zu Trump könnte dem Institut noch größere Probleme bereiten. Und gerade jetzt, nachdem in der vergangenen Woche die mögliche Fusion mit der Commerzbank abgesagt wurde, sucht Deutschlands größte Bank einmal mehr nach einer neuen Strategie - vor allem für das kostenintensive, aber schwächelnde Investmentbanking und das US-Geschäft. Dabei illustriert wohl keine Kundenbeziehung den Aufstieg und Fall der Bank an der Wall Street besser als die zu Donald Trump und seiner Familie.

Milliarden für Hotels und Golfanlagen

Dabei fing in den Neunziger Jahren alles so rosig an. Schon damals bestanden Geschäftsbeziehungen zwischen Trump und der Deutschen Bank. Für beide schien es so, als seien diese eine Win-win-Situation. Für Trump, weil sich große US-Banken wie Goldman Sachs oder die Bank of America bereits damals gegen ihn stellten. Nach mehreren Pleiten wollten sie dem Immobilienunternehmer keinen Kredit mehr gewähren. Zum Glück für Trump fiel seine persönliche Kreditklemme genau in die Sturm und Drang-Zeit der Deutschen Bank an der Wall Street. Ende der Neunziger übernimmt die Bank die amerikanische Investmentbank Bankers Trust. Unter dem Motto "Let's go global" wollte die Deutsche Bank in den Reihen der Wall Street-Institute eine gewichtige Rolle spielen. Deshalb kam ihr der kreditsuchende Trump gerade recht.

Zwischen beiden entwickelte sich eine treue Kundenbeziehung, die Deutsche Bank finanzierte diverse Immobilientürme und Trump-Hotels in Washington, New York und Chicago sowie eine Golfanlage in Miami. Ein Bericht der "New York Times" verdeutlicht, wie fruchtbar die Kundenbeziehung zwischen der Bank und Trump war. Demnach lieh die Deutsche Bank dem amtierenden US-Präsidenten im Laufe der Jahre weit mehr als zwei Milliarden Dollar. Allein für das letzte von der Bank finanzierte Projekt, den Umbau des alten Postgebäudes in Washington in ein Luxushotel, sollen es bis zu 170 Millionen Dollar gewesen sein.

Das ist der Trump-Clan
Der 45. Präsident der USA heißt Donald Trump, die First Lady Melania. Für den Wahlsieger spielte seine Familie eine wichtige Rolle im Wahlkampf – und tut es auch während der Präsidentschaft noch. Denn Donald Trump misstraut den meisten politischen Beratern. Nur seine engsten Angehörigen dürfen ihm die Meinung sagen und Ratschläge geben. Quelle: REUTERS
Ivanka Trump Quelle: AP
Donald Trump Jr Quelle: AP
Tiffany Trump Quelle: REUTERS
Tiffany Trump Quelle: REUTERS
Eric Trump Quelle: AP
Seine Ehefrau Lara Yunaska stand ihm bei jeder Wahlkampfveranstaltung seines Vaters zur Seite. Eric ist der Sohn von Ivana Trump, Trumps erster Ehefrau. Im Jahr 2012 wurde Eric vom „Forbes“-Magazin zu einem der Top 30-Immobiliengurus gekürt. Er leitet gemeinsam mit seinen Geschwistern das Trump Imperium und ist Gründer. Quelle: REUTERS

Ende der innigen Geschäftsbeziehung erst unter Sewing

Trump selbst sprach zwischenzeitlich in höchsten Tönen von seiner Bank. "She's the boss", sagte er über Rosemary Vrablic, seine Ansprechpartnerin. Die war zwar nie Chefin der Deutschen Bank, sondern leitete lediglich deren private Vermögensverwaltung in New York. Derlei Details allerdings waren Trump herzlich egal. Und Vrablic revanchierte sich, indem sie auch dann zu Trump hielt, als selbst ihre Kollegen aus der Geschäftskundenabteilung der Bank die Beziehung schon beenden wollten. Tatsächlich kann sich die Deutsche Bank nicht damit rausreden, sie hätte von ihrem mittlerweile berühmtesten Kunden nichts gewusst. Auch die früheren Chefs Anshu Jain und Josef Ackermann sollen Trump getroffen haben, auch über ihre Schreibtische gingen seine Kredite. Erst der jetzige Bankchef Christian Sewing soll Trumps letzte Kreditanfrage für einen Golfplatz unterbunden haben, weil diese bereits in die Zeit des US-Wahlkampfes fiel.

Auch in Zukunft wird Problemkunde Trump die Deutsche Bank wohl weiter beschäftigen. Das Repräsentantenhaus dürfte weiter Druck machen, Trumps Bankerin Vrablic soll sich offenbar schon auf eine Anhörung im Kapitol vorbereiten. Gleich mehrere Behörden ermitteln in dem Fall, und diese sind nicht gerade für einen wohlwollenden Umgang mit Deutschlands größtem Geldhaus bekannt.

Der Deutschen Bank dürfte allein deshalb nichts anderes übrig bleiben, als zu kooperieren. Ganz gleich, ob ihr schwierigster Kunde Einblicke in seine Finanzen fürchtet oder nicht.

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