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Werner knallhart

Auslands-Überweisung: Ein Gefühl wie als Mafioso

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Rechtschreibfehler und Chaos in Auslandsüberweisungen

Plötzlich öffnete sich eine Seite meines Kreditkartenanbieters. Irgendein Sicherheitsdingsbums konnte nicht überprüft werden. Weil ich dafür nicht freigeschaltet bin. Bezahlung gescheitert. Mist! Ich drückte frustriert auf „Zurück zu Western Union“. Dort aber hieß es zu meiner Überraschung sinngemäß: Läuft. Geben Sie uns 30 Minuten, um alles zu checken. Also doch? Ja, was denn nun?

Dann kam eine E-Mail von Western Union (die Rechtschreibfehler und das Wort-Kuddelmuddel sind ein Zitat):
„Vielen Dank, dass Sie sich für Western Union entschieden haben. bei der Überprüfung Ihrer Transferdetails sind wir auf einige Angaben gestoßen, die bestätigt werden müssten. Rufen Sie uns unter 0800 181 1797 (…) an. Wenn Sie sich nicht innerhalb von 4 achdem Sie diesen Transfer in Auftrag gegeben haben, wird dieser Geldtransfer storniert.“

Innerhalb von 4 was? Minuten, Stunden, Tagen, Wochen? Meine Güte! Ich rief die Hotline an. Dort wurden mir von der Computerstimme alle möglichen wählbaren Anliegen aufgezählt; den Posten „Transferdetails bestätigen“ gab es aber nicht. Ich wählte irgendetwas anderes.

Dann wurde ich zu einer Dame durchgestellt, die einen Akzent hatte, der zum europäischen Sitz von Western Union im Baltikum passte. Hier mein Gedächtnisprotokoll dieses Gesprächs:

„Guten Tag, wir haben Sie angerufen, weil wir zu Ihrer eigenen Sicherheit einige Details überprüfen müssen.“ (ICH hatte doch angerufen. Aber egal, es ging ja um meine Sicherheit. Wer wollte da so kleinlich sein?)
„Okay, gerne, was wollen Sie wissen?“
„Also, wie heißt der Empfänger der Transaktion?“
„Prasad Fernando. Das ist zumindest die Kurzfassung. Reicht das?“
„Sagen Sie bitte den vollständigen Namen.“
„Den muss ich nachschlagen. Wo steht der…? Ach hier: Prasad Kodikara Malith Fernando.“

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    „Okay. Und woher kennen Sie diese Person?“ (Marcus, es ist alles zu deinem eigenen Schutz.)
    „Wir kennen uns seit Jahren. Wir haben uns mal im Urlaub mit Freunden kennengelernt.“
    „Und wozu ist das Geld vorgesehen?“ (Was? Das klang nun nicht mehr so, als wolle man mich schützen, sondern eher, als wolle man mich eines Verbrechens überführen. Aber durchatmen. Diskretion ist was für Sparkassen-Kunden. Western Union wollte sicher nur prüfen, ob ich Schlagworte nenne wie: Kokain, Schusswaffe oder Lösegeld. So zum Anklicken im System.)

    „Mein Bekannter zieht um und kann sich die Kaution nicht leisten.“ (Sollte ich die Geschichte mit dem gebrochenen Fuß seiner Mutter erzählen? Die ist schließlich sehr anrührend. Wer könnte danach zu einem Geldtransfer noch nein sagen?)
    „Ok. Nennen Sie mir bitte die genaue Höhe des Betrages.“

    Ich las artig die runde Summe in Rupien und die krumme Summe in Euro plus Servicegebühr vor.

    „Wann sind Sie geboren?“

    Ich dachte schon gar nicht mehr über die Sinnhaftigkeit nach und nannte meinen Geburtstag. Aber jetzt denke ich: Was könnten die mit der Info anfangen? Wo wollte Western Union mein Geburtsdatum gegenchecken? Gibt es da so geheime Checklisten in Zusammenarbeit mit irgendwelchen Geheimdiensten?

    „Danke. Und wie alt sind Sie?“

    Huch, war das nicht der alte Dating-Trick? Wie alt bist du und in welchem Jahr bist zu geboren? Damit schlecht vorbereitete Pseudo-Jugendliche beim Doppelcheck ins Rudern kommen? Und vor allem: Wie alt war ich denn, um Gottes Willen?

    Ich lachte unsicher: „44?“
    „Okay, danke.“ (YES!)
    „Und noch?“
    „Ich sehe, Ihr Transfer ist bereits genehmigt. In wenigen Minuten kann Ihr Bekannter das Geld in Sri Lanka abholen.“
    „Okay, aber eine Gegenfrage: War das schon immer so, dass Sie so kritisch nachbohren?“
    „Wir machen Stichproben, denn in letzter Zeit kommt es öfter zu Betrugsversuchen. Und wir wollen ja, dass Sie bei uns sicher sind.“

    Wir verabschiedeten uns freundlich. Ich nahm mein Telefon vom Ohr und war ganz aufgekratzt. So musste es sich anfühlen, wenn man mit einer Leiche im Kofferraum von der Polizei angehalten wird: „Haben Sie was getrunken?“

    Dabei hatte ich doch gar nichts verbrochen. Aber offenbar stößt man bei einem internationalen Geldtransfer in Gefilde vor, wo sich Recht und Unrecht sehr nahe kommen. So, wie wenn man mit seinen Kindern an der Hand am Kottbusser Tor aussteigt, um noch eben zu Rossmann zu gehen.

    Ich rief meinen Kumpel per WhatsApp an und erzählte ihm vom Transfer-Theater. Er saß gerade im Tuktuk und es tat gut, ihn überrascht lachen zu hören. Mann! Das Geld hat er schon abgeholt. Und seine Mutter freut sich wie verrückt. Morgen steht der Umzug an.

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