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Wertpapierregister Blockchain Wie die Digitalisierung den Aktienhandel revolutioniert

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Banken brauchen Standards für den Wertpapierhandel

Banken und Börsen weltweit versuchen nun, diesen neuen Markt zu definieren. Entscheidend dafür ist die Nutzung einer gemeinsamen Technologie. Entstehen könnte die in der „globalen Finanzfabrik“, wie sich das New Yorker Start-up R3 CEV gern bezeichnet. Gründer David Rutter schaffte es in nur einem Jahr, 25 internationale Großbanken von seinem Vorhaben zu überzeugen, darunter JP Morgan, HSBC, Goldman Sachs, UBS und auch Deutsche Bank und Commerzbank. Gemeinsam mit R3 CEV erarbeiten die Banken jetzt Standards für den Wertpapierhandel.

In Salt Lake City, 3500 Kilometer entfernt von der Finanzhochburg New York City, ist Patrick Byrne schon weiter. Byrne ist Vorstandsvorsitzender von Overstock, einem Onlineversandhändler mit 330 Millionen Euro Börsenwert. Overstock hat eine eigene Handelsplattform gebaut. Über T0 sollen künftig digitale Wertpapiere gehandelt werden. Byrne sagt, er wolle den Handel transparent und kostengünstig machen – und Marktmanipulation eindämmen.

Die Mission kommt nicht von ungefähr, Byrne selbst sieht sich als Opfer einer Kursmanipulation. 2007 reichte er Klage gegen Investmentbanken und Hedgefonds ein, darunter auch Goldman Sachs. Sein Vorwurf: Mit illegalen Wetten auf fallende Kurse hätten sie den Wert der Overstock-Aktien gedrückt. Das Verfahren läuft noch.

Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: JapanDie Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 17: ÖsterreichZiemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 16: ItalienDer MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 15: SingapurSingapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 14: BelgienIn der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 13: FrankreichDer Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 12: NorwegenDer norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr Quelle: Imago

Die erste digitale Anleihe der Welt

Weil Byrne der Wall Street nicht mehr traut, schafft er sein eigenes Handelsuniversum. Über die Blockchain. Overstock hat bereits die erste digitale Anleihe der Welt ausgegeben. Kryptoanleihen nennt sie das Unternehmen selbst. Byrne war der erste Investor und legte zum Test 500.000 Dollar an. Weil das klappte, konnte er den Hedgefonds First New York (FNY) überzeugen, nun in eine Anleihe über fünf Millionen Dollar zu investieren. Der Hedgefonds erhält dafür über fünf Jahre sieben Prozent Zinsen jährlich.

Das Vertrauen der Investmentbanker in seine neue Anleihe musste sich Byrne aber noch erkaufen – für den Fall, dass mit der Technik etwas schiefläuft. FNY erhielt die fünf Millionen Dollar, die sie in die Kryptoanleihe investierten, von Overstock als Kredit. Eigenes Kapital mussten sie also nicht einsetzen. Zinsen erhalten sie von Overstock trotzdem.

Bislang konnte Byrne frei walten, für die Ausgabe der Anleihen benötigte er keine Genehmigung der US-Finanzaufsicht SEC. Weil er künftig auch Privatanlegern ermöglichen will, in digitale Aktien von Overstock zu investieren, tauscht er sich mit der SEC aus: Einen Wertpapierprospekt hat er bereits mehrfach überarbeitet und Verbesserungswünsche der Aufseher eingefügt. Mit DriveWealth hat Byrne schon einen Broker gefunden, der Anlegern Blockchain-Investments ermöglichen will.

Kuriose Börsenpannen

In der Blockchain zahlen sich Zinsen selbst aus

Wie intensiv auch die Banken den technologischen Umbau vorantreiben, zeigt sich in Zürich, am Hauptsitz der UBS in der mondänen Bahnhofstraße. An dessen Rückseite, zwischen Tesla-Flagshipstore und der Baustelle eines Cartier-Shops, versteckt sich der Eingang zur Finanzzukunft, dem Büro von Oliver Bussmann. Der Deutsche ist seit 2013 Chief Information Officer bei der UBS. Er glaubt, dass die Blockchain für das Finanzsystem ähnlich revolutionär wirken kann wie das Internet: „Prozesse, die seit über 100 Jahren existieren, werden nun infrage gestellt.“

Bei UBS hat er mit seinem Team bereits die Ausgabe sogenannter Smart Bonds getestet: eine Simulation einfacher Rentenpapiere, bei denen der Herausgeber und Käufer in der Blockchain gespeichert werden. Besonders clever sind die Anleihen, weil man ihnen Bedingungen direkt einprogrammieren kann. Zinsen oder Dividenden von Aktien zahlen sich dann selbst aus, ohne Verwaltungsaufwand. Bei Krediten könnten intelligente, weil mit allen Daten bestückte Verträge sogar überwachen, ob fällige Raten fristgerecht eingegangen sind.

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