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Wieder in die schwarzen Zahlen gekämpft Martin Blessings Baustellen bei der Commerzbank

Ein Plus von 43 Millionen im zweiten Quartal. Das sind gute Neuigkeiten für den Vorstandschef. Doch der Druck auf Blessing bleibt massiv. Er muss die Bank radikal umbauen - viel Zeit für das Mammutprojekt bleibt ihm nicht.

Martin Blessing, Vorstandschef der Commerzbank Quelle: rtr

Im zweiten Quartal konnte sich die Commerzbank wieder in die schwarzen Zahlen kämpfen: Nachdem die Bank zu Jahresbeginn einen Verlust von 94 Millionen Euro schrieb, erwirtschaftete sie nun einen Überschuss von 43 Millionen Euro - bleibt unterm Strich ein Verlust von 51 Millionen Euro im ersten Halbjahr. Wunder waren auch nicht erwartet worden, da Bankchef Martin Blessing das laufende Jahr bereits zu einem Übergangszeitraum erklärt hat. Er will seine Bank radikal umbauen und renovieren, zudem muss er Altlasten aus der Ära seines Vorgängers Klaus-Peter Müller abbauen.

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Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
 Ein Containerschiff wird im Hamburger Hafen be- und entladen Quelle: dpa
Eine Auszubildende schraubt an einem Motor Quelle: dpa
Das Logo der Dresdner Bank vor dem Gebäude der Commerzbank Quelle: dpa
Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Quelle: dpa
Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG zu Beginn der Hauptversammlung des Unternehmens Quelle: dpa
Der Kurswert der Commerzbank-Aktie am 9. Januar 2009 Quelle: AP

Im Fokus stehen die Renovierung des Privatkundensegments, der Rückbau von Randgeschäften wie der Schiffs- oder Staatsfinanzierung sowie der Umbau der Führungsspitze der Bank und ihrer oberen Managementebenen. Für diese Mammutaufgaben bleibt nur wenig Zeit, denn nach Meinung von Aktionären und einigen Politikern gehört Blessing längst abgelöst. "Die Börse würde einen Austausch des Führungsduos aus Bankchef Martin Blessing und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller bejubeln", sagt Dieter Hein, Bankenexperte beim Analystenhaus fairesearch. Der 50-jährige Blessing muss daher möglichst schnell erste Erfolge beim Umbau der Bank vorweisen, wenn er seinen Posten retten will.

Das öffentlich wahrgenommene Bild der Commerzbank und ihres Chefs hat sich seit Blessings Amtsantritt stark gewandelt. Der als stürmischer Eroberer gestartete Konzernlenker muss sich jetzt als geduldiger Sanierer bewähren und damit umgehen, dass Märkte und Medien Kritik an Unternehmen personalisieren. Er hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass er bei schlechten Nachrichten als Mann an der Spitze in der Schusslinie steht, wobei Zeitungen und Magazine das Konterfei des Vorstandsvorsitzenden gern mit den eingebrochenen Kurscharts konterkarieren. Persönliche Kritik dieser Sorte hat der Commerzbankchef in den vergangenen Monaten zuhauf eingesteckt. Das härtet ab.

Normalerweise interessieren sich Aktionäre, Konkurrenten, Kunden und Mitarbeiter nur am Rand für das Innenleben der Menschen an der Spitze eines Unternehmens. Doch im Fall Blessing fragen sich selbst emotional robuste Banker am Finanzplatz Frankfurt immer öfter, wie der Mann an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Kreditinstitut es schafft, den Dauerstress auszuhalten - und wie lange noch. Seine Ausdauer wird auf eine harte Probe gestellt, doch das Durchhaltevermögen des passionierten Marathonläufers Blessing ist nicht zu unterschätzen. Eine rote Linie, bei der Schluss sein könnte, dürfte er allerdings schon gezogen haben: Um Staatshilfe wolle er nicht noch einmal bitten, soll er einmal gesagt haben.

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