Will Konkurrenz einsteigen? Kanzlerin Merkel sorgt sich um die Deutsche Bank

Exklusiv
Frankfurt: Das Interesse am größten deutschen Finanzplatz wächst. Quelle: dpa

Ihr niedriger Marktwert macht sie interessant für die Konkurrenz: Die US-Investmentbank JP Morgan sowie die Industrial and Commercial Bank of China sollen Interesse bekundet haben, bei der Deutschen Bank einzusteigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sorgt sich um die Deutsche Bank. Bei einem Treffen mit Ex-Bundesbankpräsident und UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber habe Merkel vergangenen Dienstag um eine Einschätzung zur Lage der Bank gebeten, heißt es in Kreisen der CDU-Landesregierung Nordrhein-Westfalens. „Aus vertraulichen Gesprächen der Bundeskanzlerin berichten wir grundsätzlich nicht“, so das Bundeskanzleramt gegenüber der WirtschaftsWoche. Die UBS lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ab.

Der niedrige Marktwert der Deutschen Bank von unter 20 Milliarden Euro habe die Konkurrenz auf den Plan gerufen, spekulieren Frankfurter Investmentbanker. Da Frankfurt nach dem Brexit an Bedeutung gewinnt, gäbe es bei der US-Investmentbank JP Morgan Gedankenspiele, möglicherweise bei der Deutschen Bank einzusteigen. Auch die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) soll Interesse haben. Wie Reuters am Mittag berichtete, habe die US-Investmentbank JP Morgan dies zurückgewiesen. Die Deutsche Bank wollte gegenüber der WirtschaftsWoche „keinen Kommentar“ abgeben.

Der Marktwert des deutschen Branchenprimus war zuletzt auf unter 20 Milliarden Euro abgerutscht. JP Morgan ist mit gut 300 Milliarden Euro ein Vielfaches wert, ICBC bringt umgerechnet 280 Milliarden Euro auf die Waage.

Der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie war am Morgen um mehr als sechs Prozent nach oben gesprungen und überwand erstmals seit knapp sechs Wochen die Zehn-Euro-Marke. Auch am Mittag lag der Kurs trotz des JP-Morgan-Dementis noch um die vier Prozent im Plus. International spielten Investmentbanker mögliche Szenarien durch. In einer der WirtschaftsWoche vorliegenden Analyse heißt es unter anderem, dass insbesondere das schlechte Risikomanagement der Deutschen Bank in den USA einen Einstieg erheblich erschwere. Der deutsche Branchenprimus war erst vor Wochenfrist bei einem US-Stresstest der US-Notenbank Fed durchgefallen. Fragezeichen gibt es auch, was ein mögliches chinesisches Interesse an der Deutschen Bank betrifft. Der Deutsche-Bank-Großaktionär HNA hatte am Dienstag seinen Co-Verwaltungsratschef Wang Jian bei einem Unglück in der Provence verloren. Wang hatte unter anderem den Einstieg des chinesischen Mischkonzerns bei der Deutschen Bank mitverantwortet. HNA hatte aufgrund von eigenen finanziellen Schwierigkeiten den Anteil an der Deutschen Bank von ursprünglich knapp zehn auf zuletzt 7,6 Prozent verringert.

Da Frankfurt nach dem Brexit neben Paris der zumindest zweitwichtigste Finanzhub der EU werde, wachse das Interesse am größten deutschen Finanzplatz, heißt es. Ein Zeichen für den Einstieg strategischer Käufer ist jedenfalls der jüngste Kursverlauf. Der Kurs der Deutschen Bank hat in einem schwachen Markt zuletzt binnen weniger Tage um immerhin acht Prozent zugelegt.
Zweites wichtiges Thema im Kanzleramt war die Personalie Jens Weidmann. UBS-Chef Weber habe der Kanzlerin zugeraten, sich für den aktuellen Bundesbankpräsidenten als Nachfolger des 2019 scheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, einzusetzen, heißt es in den informierten CDU-Kreisen.

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