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Wölfe der Wall Street kommen Die Milliardenmaschine Goldman Sachs

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Das Goldman-Image hat besonders in Europa gelitten

Gerade die Freude an kleinen Scherzen hat sein Bild in der Öffentlichkeit jedoch dauerhaft negativ geprägt. Er sei ein Banker, der Gottes Werk verrichte, sagte der Goldman-Boss im Herbst 2009. Für Blankfein ist der Ausspruch seitdem das, was für Ex-Deutschbanker Josef Ackermann das Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess war: Er hat sich nicht viel dabei gedacht, aber es geht nicht mehr weg.

Zumal eine Reihe dubioser Transaktionen rund um die Finanzkrise das Wirken Goldmans eher als Teufels Beitrag erscheinen ließ. So verklagte die Börsenaufsicht SEC die Bank 2010 wegen eines umstrittenen Deals. Ein Banker, der sich in internen E-Mails selbst als „fabelhaften Fab“ pries, verkaufte Investoren wie der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB kurz vor dem Absturz des US-Häusermarkts unter dem Namen Abacus gebündelte Wertpapiere, die er selbst für Schrott hielt. Zugleich wettete ein Hedgefondsmanager, der Goldman-Kunde war, auf deren Wertverfall. Das Verfahren stellte den Ruf der Bank grundsätzlich infrage: Agierte sie etwa im Interesse des eigenen Profits gegen ihre Kunden?

Weltweit vorn...: Berater von Fusionen und Übernahmen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Einmal Goldman, immer Goldmann

In Europa litt das Goldman-Image noch mehr unter der Rolle beim Beitritt Griechenlands zum Euro. Die Bank half dem Land dabei, Auslandsschulden von Yen und Dollar in Euro umzuwandeln. Die Transaktion enthielt einen versteckten Kredit in Milliardenhöhe, mit dem Griechenland seine Schulden niedriger ausweisen konnte, als sie tatsächlich waren. Das war legal und fatal zugleich.

Mit den Enthüllungen erhielten all die Verschwörungstheorien Auftrieb, die die Bank schon immer begleiten. Sie gründen darin, dass frühere Goldman-Manager etliche wichtige Posten in der Politik und bei Notenbanken besetzen. In der Krise ging es vor allem um Blankfeins Vorgänger Hank Paulson, der ab 2006 Finanzminister der USA war. Er schickte den Goldman-Konkurrenten Lehman Brothers in die Pleite und rettete anschließend den strauchelnden Versicherer AIG. Dessen Kollaps hätte etliche über Derivate mit ihm verbundene Banken mit in den Abgrund gerissen.

Einmal Goldman, immer Goldman? EZB-Präsident Mario Draghi hat nur ein gutes Jahr bei der Investmentbank gearbeitet. Doch für seine Kritiker reicht das, um auch ihn zur Marionette der Finanzkapitalisten von der Wall Street zu machen.

Goldman traf die öffentliche Entrüstung auch deshalb besonders heftig, weil die Bank in den 145 Jahren seit ihrer Gründung auf nichts so sorgfältig geachtet hat wie auf ihren Ruf. Interne Leitlinien verlangen von den Bankern seit Jahren nimmermüden Einsatz für die Kunden und ein absolut untadeliges Auftreten. War das alles nur Dekor? Die Goldman-Banker gingen erst mal auf Tauchstation. Angeblich erhielten sie die Empfehlung, das Thema zu wechseln, wenn sich private Gespräche zu sehr mit ihrem Job beschäftigten.

...auch in Deutschland spitze: Berater bei deutschen Fusionen und Übernahmen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Bank ist sehr um ihren Ruf besorgt

Um das Vertrauen wiederzugewinnen, überprüfte die Bank von 2010 an aufwendig ihr Geschäft. Ein solcher Prozess gilt leicht als pures Polieren der Fassade. Doch das Ergebnis waren nicht nur wohlklingende Versprechen wie: „Wir müssen sicherstellen, dass wir uns genauso auf unsere Reputation wie auf unseren geschäftlichen Erfolg fokussieren.“ Am Ende standen immerhin 39 konkrete Empfehlungen zum Verhältnis mit Kunden, zu internen Kontrollen und besserer Kommunikation.

Daneben setzte Blankfein auf einige öffentliche Initiativen, um sein Image als böser Bube zu korrigieren. So engagierte er sich bei der Aktion „10.000 small businesses“, die Mittelständler in den USA finanziert. Zudem äußerte er sich zuletzt wieder betont liberal zu politischen Themen. Er tritt für die gleichgeschlechtliche Ehe ein und beklagt die wachsende Ungleichheit in der US-Gesellschaft.

Seine Wiedergeburt verdankt er auch dem Abstieg einer anderen Wall-Street-Ikone. Der ungleich forscher auftretende JP-Morgan-Boss Jamie Dimon musste horrende Strafzahlungen und einen Handelsskandal verteidigen. Damit hat er Blankfein den Rang als beliebtestes Feindbild abgelaufen.

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