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Wölfe der Wall Street kommen Die Milliardenmaschine Goldman Sachs

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"Es wird noch dauern, bis die Branche wieder akzeptiert wird"

Für Frauen ist Goldman trotzdem kein attraktiver Arbeitgeber.

Kukies: Qualität und Quantität unserer Bewerberinnen, um die wir uns aktiv bemühen, zeichnen ein anderes Bild. Wir bieten spezielle Förderprogramme und arbeiten ständig daran, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. So unterstützen wir aktiv die Rückkehr nach Mutterschutz und Elternzeit, auch wenn wir hier sicher noch besser werden können.

Wer die Bank verlässt oder gar nicht erst dort anfängt, hat vermutlich einfach auch keine Lust, auf jeder Party als Zocker beschimpft zu werden.

Fink: Es wird sicher noch dauern, bis unsere Branche gesellschaftlich wieder voll akzeptiert ist. Es ist ein Fortschritt, dass die Debatte inzwischen in weiten Teilen sachlich und weniger emotional geführt wird.

Ihr Vorgänger Alex Dibelius hat einmal gesagt, dass Banken das Gemeinwohl nicht fördern müssten. Hat er recht?

Kukies: Unsere Aufgabe ist es, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, um beispielsweise Investitionen oder die Neuausrichtung eines etablierten Unternehmens zu finanzieren oder die Expansion über den Kapitalmarkt zu ermöglichen. Das ist zweifellos sinnvoll für die Allgemeinheit und die Gesellschaft, deren Teil wir sind.

Ihre zahlreichen Kritiker halten Sie weiter für Bewohner einer Parallelwelt.

Kukies: Wir müssen glaubwürdig zeigen, dass wir Lehren aus der Krise gezogen haben. Wir haben intensiv analysiert, welche Anreize zu falschem Verhalten geführt haben, und unser Geschäftsmodell angepasst.

Goldman verdient so viel wie vor der Krise. Was soll sich da groß getan haben?

Kukies: Fälschlicherweise heißt es immer, die Banken hätten nichts gelernt. Ich verbringe jede Woche zwei Stunden in einem Komitee, das Transaktionen und geschäftspolitische Initiativen dahin gehend prüft, ob sie unsere Reputation gefährden könnten. Auf dieser Basis lehnen wir regelmäßig sehr konkrete Transaktionen ab.

Kunden wissen trotzdem nicht, auf was sie sich mit Ihren Produkten einlassen.

Kukies: Eine der zentralen Lehren aus der Krise ist, dass wir den Investor über alle Chancen und Risiken genau aufklären. Dazu gehört, dass wir Käufer eines Produkts sehr genau darüber informieren, welche Folgen beispielsweise ein extremer Markteinbruch oder andere unvorhergesehene Entwicklungen haben können. Bei uns arbeiten Tausende von Spezialisten daran, die Auswirkungen solcher Szenarien für unsere Klienten und die Aufsicht transparent zu machen.

Ihre Kunden wussten mitunter nicht mal, ob die Bank oder ein anderer Kunde ihr Geschäftspartner ist. Das hat Ihnen zu Recht viel Ärger eingebracht.

Kukies: Gerade im Handel mit Wertpapieren nehmen wir verschiedene Rollen ein. Das wollen auch unsere Klienten so. Wenn zum Beispiel eine Bank ein Portfolio von Darlehen veräußern will, können wir für einen Teil Investoren suchen und in den anderen selbst als Darlehensgeber eintreten. Entscheidend ist, dass wir unsere Rolle transparent machen. Das machen wir auch, da haben wir ganz klare Vorgaben.

In Ihrem Geschäftsmodell gibt es noch mehr Interessenkonflikte. Goldman berät bei Unternehmensverkäufen und tritt selbst als Käufer auf.

Fink: Wenn wir als Käufer von Beteiligungen aktiv werden wollen, muss das für deren Verkäufer von Anfang an klar und unser Interesse von ihm gewünscht sein. Entscheidend ist, dies klar und transparent zu kommunizieren.

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