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Zahlungsabwickler Wie mächtig ist Wirecard wirklich?

Wirecard: Wie mächtig ist der Zahlungsabwickler? Quelle: dpa

Eine WirtschaftsWoche-Analyse zu den Marktanteilen der Kunden des Zahlungsabwicklers Wirecard in Deutschland schlägt hohe Wellen. Die wichtigsten Punkte und die Kritik daran im Faktencheck.

Das Bankhaus Hauck&Aufhäuser kritisiert eine Analyse der WirtschaftsWoche zur Kundschaft des Zahlungsabwicklers Wirecard. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass Wirecards Position im Heimatmarkt Deutschland schwächer sein könnte als vielfach angenommen. Die wichtigsten Argumente der Analysten im Faktencheck.

Hauck&Aufhäuser kritisiert, der Bericht der WirtschaftsWoche enthalte mehrere schwerwiegende Fehler. So beziehe sich die WirtschaftsWoche auf längst veraltete Daten aus dem Jahr 2016.

Richtig ist, dass die WirtschaftsWoche für einen Teil ihrer Berechnungen Daten aus dem Jahr 2016 genutzt hat. Dies ist für das Ergebnis jedoch unbedeutend.

Die WirtschaftsWoche hatte vor einigen Monaten die 100 größten Onlinehändler gefragt, welche Zahlungsabwickler sie nutzen. 51 Unternehmen nahmen teil. In der Zwischenzeit hat die Redaktion weitere Informationen von Händlern gesammelt und um Daten ergänzt, die der Branchendienst Finanz-Szene.de und Merrill Lynch veröffentlicht haben. Von 28 der 30 größten Online-Shops des Jahres 2016 lagen der WirtschaftsWoche dadurch die Namen der Zahlungsabwickler vor. Von diesen 28 Unternehmen waren wiederum fünf Unternehmen Kunden von Wirecard . Sie nutzten Wirecard entweder als Payment Provider oder als Acquirer.

Diese Kunden von Wirecard kamen zusammen auf ein Transaktionsvolumen von 1,1 Milliarden Euro. Dies entsprach einem Anteil von 5,5 Prozent am gesamten Transaktionsvolumen der 28 Unternehmen, von denen Daten vorlagen.

Rechnen wir Marktführer Amazon, der mit Abstand den höchsten Umsatz aller Online-Shops macht, aus dem Gesamtmarkt heraus, kamen die Wirecard-Kunden auf einen Marktanteil von 9,3 Prozent am deutschen Onlinemarkt. Amazon ist allem Anschein nach weder Kunde von Wirecard, noch von Concardis oder BS Payone.

Übertragen wir die Daten auf das Jahr 2017, ergibt sich folgende Änderung: Von 29 der 30 größten Online-Shops des Jahres 2017 liegen der WirtschaftsWoche nun die Namen der Zahlungsabwickler vor. Von diesen 29 Unternehmen waren wiederum vier Unternehmen Kunden von Wirecard. Diese Kunden kamen zusammen auf ein Transaktionsvolumen von 1,3 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anteil von 5,9 Prozent am gesamten Transaktionsvolumen der 29 Unternehmen, von denen Daten vorliegen.

Rechnen wir auch hier wieder Marktführer Amazon heraus, kämen die Wirecard-Kunden auf einen Marktanteil von 9,6 Prozent. Es macht also keinen großartigen Unterschied, ob man die Daten für das Jahr 2016 oder 2017 nutzt.

Darüber hinaus haben wir in einer umfangreichen Analyse dargelegt, dass der Marktanteil der Wirecard-Kunden am gesamten Onlinehandel, nicht dem Marktanteil von Wirecard entspricht. Näheres erfahren Sie in der Geschichte „Das Rätsel um die deutschen Kunden von Wirecard“.

Hauck&Aufhäuser erklärt weiter, dass die WirtschaftsWoche behaupte, die 100 größten Online-Händler stünden für 70 Prozent des Marktes.

Dies können wir nicht nachvollziehen. Die WirtschaftsWoche hatte geschrieben, dass sich das gesamte Transaktionsvolumen der deutschen Onlinehändler nach der Erhebung eines Forschungsinstituts des Einzelhandels auf 58 Milliarden Euro beläuft, wovon auf die 100 größten Händler etwa 30,5 Milliarden Euro entfallen.

Hauck&Aufhäuser kritisiert, dass die WirtschaftsWoche sich bei ihrer Analyse auf den Onlinehandel mit Konsumgütern fokussiert und das Online-Geschäft mit Flugtickets etwa außen vor lasse.

Dazu ist folgendes zu sagen: Wirecard wickelt Online-Zahlungen im Umfang von 15 Milliarden Euro ab. Davon entfällt die Hälfte auf Shops, die mit Konsumgütern handeln. Wir halten es für opportun einen Markt, der für 50 Prozent der Online-Zahlungen steht, herauszugreifen und näher zu analysieren.

Dass die WirtschaftsWoche bei ihrer Berechnung die Airline-Kunden von Wirecard nicht einbezogen hat, ist logisch. Bei online gebuchten Flugtickets handelt es sich um digitale Güter. Wer sich den Markt für Konsumgüter anschaut, kann dort nicht die Umsätze mit digitalen Gütern einrechnen.

Man könnte kritisieren, dass sich die WirtschaftsWoche auch den Markt für digitale Güter hätte anschauen sollen. Das hätten wir gern getan. Allerdings gibt es aktuell keine verlässlichen Daten zum Gesamtmarkt.

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