WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Zinsmanipulation Investoren verklagen die Deutsche Bank

Aufseher und Anwälte beschäftigen sich seit Monaten mit Vorwürfen von Manipulationen bei Marktzinsen. Dass Barclays-Chef Diamond über die Affäre stolperte, heizte die Debatte neu an: Auch die Deutsche Bank muss sich mit Klagen auseinandersetzen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Testamente der Banken
Logo von JP Morgan Chase Quelle: dpa
Bank of America Die Bank of America bleibt im öffentlichen Teil ihres Testaments ähnlich vage wie die übrigen Institute. Sie spricht unter anderem von unbestimmten Käufern (darunter „nationale, internationale und regionale Finanzinstitute“), die im Falle einer Pleite Teile der Bank übernehmen würden. Der Steuerzahler müsse nicht zur Hilfe kommen. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Bank unter Firmenchef Vikram Pandit beteuert, im Fall einer Pleite abgewickelt werden zu können. Und zwar in einer Weise, die kein systemisches Risiko berge, die die Finanzmärkte nicht in Aufruhr bringe und keine Milliarden von den Steuerzahlern notwendig mache. Quelle: dpa
Goldman Sachs Laut dem Notfallplan würde die Investmentbank „rasch“ Geschäftsteile oder Vermögenswerte verkaufen und damit eine Liquidation vermeiden. Der Branchenprimus nutzt derweil sein Testament auch, um die ganze Übung indirekt als sinnlos zu bezeichnen. „Die Umstände, die zu einem Kollaps einer für das System wichtigen Institution führen, werden wahrscheinlich andere sein als in diesen Annahmen vorgegeben“. Quelle: REUTERS
Logo von Morgan Stanley Quelle: dpa
BarclaysDie britische Großbank kommt für das Szenario ihres Untergangs im öffentlichen Teil des Testaments mit einer halben Seite aus. Darin heißt es unter anderem, die Notfallpläne seien so ausgeklügelt, dass im Falle einer Pleite eine Katastrophe auf den Finanzmärkten nicht zu erwarten sei. Quelle: REUTERS
Deutsche BankDie Deutsche Bank deutet an, dass die US-Regulierer im Erstfall die deutsche Bankenaufsicht BaFin umgestört operieren lassen sollten. Dann sei die im Notfall zu gründende Überbrückungsbank in der Lage, die US-Firmenteile mit Liquidität zu versorgen. Quelle: dpa

Die Affäre um manipulierte Zinsen sorgt weiter für Unruhe: In den USA sieht sich auch die Deutsche Bank mit Klagen von Investoren konfrontiert.

Die Fondsgesesellschaft Metzler Investment GmbH, die zur Frankfurter Privatbank Metzler gehört, ist nach Angaben eines Sprechers derzeit an insgesamt zehn Sammelklagen beteiligt, bei denen es unter anderem um den Vorwurf manipulierter Marktzinsen gegen die Deutsche Bank und andere Institute geht. „Wir sind per Gesetz verpflichtet zu handeln, wenn die Gefahr besteht, das treuhändisches Vermögen gefährdet ist“, erklärte der Metzler-Sprecher am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.

Das sei „ein ganz normaler Vorgang“. Der Sprecher bestätigte damit entsprechende Berichte von „Spiegel“ und „Manager Magazin“. Die Klage zu mutmaßlichen Manipulationen des Marktzinssatzes Libor sei seit Oktober anhängig, sagte der Metzler-Sprecher. Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Meldet eine Bank einen hohen Liborsatz, kann dies als Zeichen schwacher Kapitalausstattung gewertet werden.

Der Chef der britischen Großbank Barclays, Bob Diamond, war am Dienstag im Zuge der Zinsaffäre zurückgetreten. Die Deutsche Bank verwies am Wochenende erneut auf ihren jüngsten Quartalsbericht. Darin heißt es, das Institut sei von verschiedenen „Aufsichts- und Regierungsbehörden in den USA und in Europa“ um Auskunft „im Zusammenhang mit der Quotierung von Zinssätzen im Interbankenmarkt für verschiedene Währungen“ zwischen 2005 und 2011 gebeten worden. „Die Deutsche Bank kooperiert mit den Behörden hinsichtlich dieser Untersuchungen.“ In dem Zwischenbericht ist bereits von laufenden zivilrechtlichen Klagen in den USA die Rede.

Was den Libor so wichtig macht

Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte am Sonntag eine Stellungnahme ab und verwies nur auf den jüngsten Quartalsbericht. Dort heißt es allgemein, dass die Bank von verschiedenen Behörden in den USA und in Europa um Auskunft "im Zusammenhang mit der Quotierung von Zinssätzen im Interbankenmarkt für verschiedene Währungen" zwischen 2005 und 2011 gebeten worden sei. Sie arbeite dabei mit den Behörden zusammen.

Sonderprüfung der Bafin

Am Freitag hatte die Nachrichtenagentur Reuters von zwei mit der Sache vertrauten Personen erfahren, dass das größte deutsche Geldhaus Gegenstand einer Sonderprüfung der deutschen Finanzaufsicht BaFin sei, mit der eine Verwicklung der Bank in den Skandal um die Festsetzung des Marktzinssatzes Libor aufgeklärt werden solle. Es handele sich nicht um eine Routineprüfung. Der Zinssatz Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken Geld untereinander leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Großbanken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Den Banken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Gleichzeitig untersuchen die Behörden mögliche Manipulationen des zweiten in Europa populären Marktzinssatzes, des Euribor. Hier spielen deutsche Banken im internationalen Handel eine größere Rolle. Die Prüfungen sind aber nicht so weit fortgeschritten wie beim Libor.

Über den Libor-Skandal war die gesamte Führungsspitze der britischen Bank Barclays gestürzt, zuletzt trat Vorstandschef Bob Diamond zurück. Die Investmentbank muss eine halbe Milliarde Dollar für die Verfehlungen zahlen. Diamond deutete in einer parlamentarischen Anhörung aber an, dass noch mehr Banken betroffen seien: Barclays habe als Erster umfangreich bei den Ermittlungen geholfen und ein Fehlverhalten eingeräumt - das schlage nun zurück. "Der Fokus richtet sich in dieser Woche auf Barclays, weil wir die Ersten waren", betonte er.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%