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„Zwingend notwendige Einsparungen“ Commerzbank baut 2.300 Stellen ab

Die Commerzbank, die wegen der Niedrigzinsen und der Digitalisierung unter Druck steht, hat sich mit dem Konzernbetriebsrat auf diese Restrukturierungsmaßnahmen für die Jahre von 2021 bis 2024 geeinigt. Quelle: dpa

Die Commerzbank hat sich mit dem Betriebsrat auf weitreichende Einschnitte in der Belegschaft geeinigt. Dafür bucht das Geldinstitut hohe Belastungen noch in die Bilanz für dieses Jahr.

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Die Commerzbank streicht für ihren Konzernumbau 2300 Stellen und muss dafür Millionenlasten stemmen. Für den geplanten Jobabbau will das Geldhaus im Schlussquartal Rückstellungen in Höhe von 610 Millionen Euro verbuchen, teilte die Bank am Montag in Frankfurt mit. Der Schritt werde das Ergebnis im vierten Quartal entsprechend stark belasten. Zugleich kündigte der Konzern neue Einschnitte an: „Damit schaffen wir die Basis für zwingend notwendige künftige Einsparungen“, erklärte Finanzchefin Bettina Orlopp.

Die Commerzbank, die wegen der Niedrigzinsen und der Digitalisierung unter Druck steht, hat sich mit dem Konzernbetriebsrat auf diese Restrukturierungsmaßnahmen für die Jahre von 2021 bis 2024 geeinigt. Damit aber nicht genug: Die Bank plane weitere Schritte im Rahmen ihrer neuen Strategie, die im ersten Quartal des neuen Jahres angekündigt werden soll. Einzelheiten müssten noch ausgearbeitet und beschlossen werden, erklärte der MDax-Konzern.

Bei der Commerzbank, dessen größter Anteilseigner seit der Rettung mit Steuermilliarden in der Finanzkrise 2009 der deutsche Staat ist, laufen schon seit Monaten Diskussionen über zusätzliche Einsparungen. Nach roten Zahlen im Corona-Jahr 2020 steht eine Verschärfung des Sparkurses auf der Agenda.

Beantworten muss das Management dabei auch die Frage, welche Rolle die inzwischen komplett übernommene Online-Tochter Comdirect spielen soll. Im Sommer lagen Pläne auf dem Tisch, wonach von 1000 Commerzbank-Filialen gerade einmal 200 übrig bleiben, in denen Kunden sich beraten lassen können. Die Zahl der zuletzt knapp 40.000 Vollzeitstellen bei der Commerzbank könnte um bis zu ein Viertel zusammengestrichen werden.

Die Bank hatte schon im September 2019 den Abbau von brutto 4300 Vollzeitstellen angekündigt. Investoren gingen die Pläne aber nicht weit genug. Konzernchef Martin Zielke hatte nach harscher Kritik seinen Rückzug angekündigt, Nachfolger wird zum 1. Januar 2021 der bisherige Deutsche-Bank-Manager Manfred Knof. Der tritt kein leichtes Erbe an. Aktionäre und Investoren erwarten rasche Entscheidungen. Zeit zur Umsetzung bekommt der Jurist Knof, der unter anderem beim Versicherungsriesen Allianz die Digitalisierung vorantrieb, bei der Commerzbank aber reichlich: Der Manager erhielt gleich einen Fünf-Jahres-Vertrag.

Absehbar ist: Das Jahr 2021 wird für die Commerzbank ein weiteres Jahr des Umbruchs. Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter, der selbst erst seit Anfang August im Amt ist, hat bereits eine schonungslose Analyse vorgenommen: Bei dem seit der Finanzkrise 2009 teilverstaatlichten Institut gebe es „in Sachen Effizienz und Profitabilität (...) noch Luft nach oben“, befand der einstige Landesbanker kurz nach seinem Antritt bei der Commerzbank. „Es gibt noch viele althergebrachte Strukturen, die den heutigen Anforderungen und der Größe der Bank nicht mehr angemessen sind.“

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Bereits im dritten Quartal hatten Filialschließungen und ein Altersteilzeitangebot für Mitarbeiter zu Aufwendungen von 201 Millionen Euro geführt. Daraus sowie aus den neuen Rückstellungen summiert sich der Stellenabbau auf 2900 Vollzeitjobs, wie es hieß. Wegen des andauernden Konzernumbaus hatte die Commerzbank in den ersten neun Monaten des Jahre 162 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet – nach 681 Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum.

Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand ohnehin mit einem Verlust, der nun noch höher ausfallen dürfte. Analysten gehen davon aus, dass das Institut erst 2022 wieder die Gewinnzone erreichen wird.

Mehr zum Thema: Wie geht es 2021 für die 30 Aktien im deutschen Börsenindex Dax weiter? Hier die Einschätzungen der WiWo-Redaktion für alle Aktien von Adidas bis Vonovia.

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