WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Bankenkrise Commerzbank: Trotz hoher Verluste operativ besser

Die staatlich gestützte Commerzbank meldet einen Verlust von 1,05 Milliarden Euro. Grund sind Abschreibungen auf den Unternehmenswert des Immobilienfinanzierers Eurohypo und Kosten für die Übernahme der Dresdner Bank.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
ILLUSTRATION - Ein Mann tippt Quelle: dpa

Die vom Staat gestützte Commerzbank hat im dritten Quartal einen Milliardenverlust eingefahren. Abschreibungen auf den Unternehmenswert des Immobilienfinanzierers Eurohypo und Kosten für die Integration der übernommenen Dresdner Bank drückten das Institut tief ins Minus. Operativ ging es dafür etwas aufwärts. Das geht aus vorläufigen Zahlen hervor. 

Ein Grund für die hohen Belastungen seien laut Commerzbank die gesunkenen Ertragserwartungen bei der 2005 erworbenen Eurohypo. Eine Neubewertung wurde notwendig, weil die Commerzbank im dritten Quartal ihre Segmentsberichterstattung komplett geändert hat. Dabei überprüfte der Konzern auch die immateriellen Firmenwerten (Goodwill).

Inklusive aller Sondereffekte lag der Verlust bei 1,05 Milliarden Euro, wie die Commerzbank gestern in Frankfurt überraschend mitgeteilt hatte. Alles in allem dürften die Geschäfte von Juli bis September etwas besser gelaufen sein als noch vor einem Jahr. Operativ erzielte die zweitgrößte deutsche Bank nach vorläufigen Zahlen überraschend einen Gewinn von 120 Millionen Euro. Die Commerzbank profitierte dabei unter anderem von einer Kurserholung bei zuletzt als eher wertlos eingestuften Wertpapieren.

Auch das Handelsergebnis dürfte im Gegensatz zum Vorjahr positiv sein. Die Schätzungen der Analysten weichen stark voneinander ab und reichen von 100 bis 700 Millionen Euro. Den Zinsüberschuss sehen dagegen alle zehn von dpa-AFX befragten Analysten leicht auf 1,8 Milliarden Euro steigen. Nach wie vor ist der Quartalsbericht nur mit Pro-Forma-Zahlen vergleichbar, die die Commerzbank nach der Übernahme der Dresdner Bank veröffentlicht hat.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Aktie fällt um 3,5 Prozent

    Die Commerzbank-Aktie fiel nach Bekanntgabe am Dienstagmorgen um 3,5 Prozent auf 6,94 Euro und waren damit einer der größten Verlierer im Dax. „Neue Marke, neue Abteilungen, aber immer noch die selben alten Probleme“, schrieben die Analysten der Citigroup in einer Studie und verwiesen auf die sinkende Kernkapitalquote. „Es ist schwer vorstellbar, wie die Commerzbank ihre wachsenden Kapitallücken ausgleichen kann, ohne in irgendeiner Form ihr Kapital zu erhöhen, was möglicherweise nicht von den Investoren unterstützt werden würde“, hieß es.

    ** ARCHIV ** Das Logo der Quelle: AP

    Die Commerzbank hat das Investmentbanking stark gestutzt und will stattdessen verstärkt auf Privatkunden und Mittelstandsgeschäft setzen. Letzteres könnte noch böse Überraschungen für die Bank mit sich bringen. Experten rechnen in den kommenden Monaten noch einmal mit einer Welle von Insolvenzen und damit von Kreditausfällen. „Die Banken werden im ersten Halbjahr 2010 vor besonderen Herausforderungen stehen“, warnte jüngst der für das Deutschland-Geschäft zuständige Vorstand der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen.   Die Banken hatten sich bereits in den vergangenen Monaten mit Milliarden gegen mögliche Kreditausfälle gewappnet. Bei der Commerzbank dürfte die Risikovorsorge den Schätzungen zufolge in diesem Quartal bei 775 Millionen Euro liegen. Für das Gesamtjahr will Commerzbank-Chef Martin Blessing wie im Vorjahr 3,6 Milliarden Euro für faule Kredite zurücklegen. Nach Meinung von M.M.Warburg-Analyst Andreas Pläsier zu wenig: Die Kreditqualität habe sich weiter verschlechtert, warnt der Analyst.   

    Teurer Konzernumbau

    Die laufende Integration der Dresdner Bank hat den Gewinn auch im dritten Quartal geschmälert. Rund 900 Millionen Euro kostete der Umbau im dritten Quartal – das ist mehr als im gesamten ersten Halbjahr angefallen war. Insgesamt soll der Konzernumbau die Commerzbank zwei Milliarden Euro kosten.  Bislang kommt die Commerzbank mit ihrer Neuaufstellung voran: Im zweiten Quartal 2010 soll die Umstellung der Filialen abgeschlossen sein, sagte der für die Integration zuständige Commerzbank-Vorstand Ulrich Sieber zuletzt. Das ist früher als geplant: „Dann kann jeder Kunde seine Kontoauszüge drucken, egal in welcher Filiale er ist.“ Auch der Stellenabbau läuft nach Plan: Rund 2.400 der geplanten 9.000 Arbeitsplätze sind bereits gestrichen worden. Die Umstellung der IT-Systeme wird allerdings mehr Zeit in Anspruch nehmen als bislang gedacht.   

    Staat musste stützen

    Die Dresdner-Übernahme hatte die Commerzbank vor gut einem Jahr ins Straucheln gebracht. Die zweitgrößte deutsche Bank musste mit Milliarden von der Bundesregierung gestützt werden. Der Bund erhielt dafür ein Viertel der Aktien. Die Garantien in Höhe von 15 Milliarden Euro hat Commerzbank-Chef Blessing inzwischen zum Teil ungenutzt zurückgegeben. Bis er allerdings die Stille Einlage zurückzahlen wird, dürfte es noch etwas dauern.  Zu günstig ist die staatliche Kapitalspritze, auch wenn andere europäische Banken sich schon längst mittels Kapitalerhöhungen von den Fesseln des Staates befreit haben. Denn da die Commerzbank in diesem Jahr sowohl für Konzern als auch AG einen Verlust ausweisen wird, muss sie für die Stille Einlage auch keine Zinsen zahlen.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%