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Bankenregulierung Wie US-Banken ihre Fesseln lockern

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Zu verkraften

Die nun verabschiedeten Regeln würden einige der „sehr besorgniserregenden potenziellen Veränderungen nicht mehr enthalten, die die Profitabilität der Banken schwer hätten beschädigen können“, schreibt Citi-Chefanalyst Keith Horowitz in dem aktualisierten Papier. So fielen zum Beispiel die Vorschriften für den Eigenhandel weniger streng aus als erwartet. Eine neue Welle von Kapitalerhöhungen sei nun nicht mehr erforderlich.

Rund 2000 registrierte Lobbyisten in Washington hatten in den vergangenen Wochen, in denen eine Kommission die endgültige Variante des Gesetzes zusammenstellte, auf den Fluren vor den Verhandlungsräumen den Belagerungszustand ausgerufen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit hatten sie die Mitglieder der Kommission mit Änderungsvorschlägen und juristischem Formulierungszauber überschüttet. Das zeigte Wirkung.

Selbst bei den Bemühungen auf internationaler Ebene, die Banken strengeren Regeln zu unterwerfen, ruderten die Verantwortlichen zuletzt zurück. Auf dem Gipfel der G20-Staaten in Toronto verschoben die Finanzminister die Einführung höherer Anforderungen an Kapital- und Liquiditätsausstattung der Banken im Rahmen der sogenannten Basel-III-Vereinbarung erst einmal auf einen späteren Zeitpunkt.

Erfolg der Lobbyisten

Am stärksten betroffen von den jetzt eingeführten neuen US-Regeln sind bei den klassischen Geschäftsbanken die Bank of America und bei den Investmentbanken Goldman Sachs mit jeweils geschätzten minus elf Prozent beim zukünftigen Gewinn pro Aktie (siehe Grafik).

Bei Bank of America mit ihrem umfangreichen Filial- und Privatkundengeschäft schlagen neue Regeln zur Begrenzung von Strafgebühren bei Kontoüberziehungen durch, ebenso die kundenfreundlicheren Konditionen im Kreditkartengeschäft.

Goldman Sachs muss sich nach der Volcker-Regel zwar stark aus den Hedgefonds- und Private-Equity-Beteiligungen zurückziehen. Die Bank müsste ihr Portfolio nach den Berechnungen der Citi-Analysten von 29,1 Milliarden Dollar auf 2,1 Milliarden Dollar reduzieren. Dennoch falle der Nettoeffekt mit minus 33 Cent pro Aktie sehr moderat aus, denn Goldman werde durch die Beteiligungsverkäufe Kapital in Höhe von gut acht Milliarden Dollar freisetzen und anders nutzen können. Zudem gelten großzügige Übergangsfristen – im Extremfall bis zu sieben Jahre.

Auch ein anderer Teil der Volcker-Regel, die Einschränkungen im Eigenhandel der Banken mit Wertpapieren vorsieht, fiel für die Finanzhäuser weniger schlimm aus als befürchtet. „Wir glauben, das Ergebnis ist weit entfernt vom Worst-Case-Szenario“, sagt Analyst Horowitz. Die meisten Eigenhandelsaktivitäten der Banken würden überleben.

Ausnahmeregelungen bestehen etwa für den Eigenhandel mit US-Staatsanleihen, für Papiere, die von den verstaatlichten US-Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae herausgegeben wurden, sowie für Bonds der US-Bundesstaaten und Kommunen.

Ein mögliches Schlupfloch ist zudem die schwammige Definition des Eigenhandels. So sollen sogenannte Market-Maker-Aktivitäten, bei denen die Bank den Handel zwischen zwei Parteien ermöglicht, weiterhin in „vernünftigem Umfang“ bestehen bleiben.

Daher halten sich auch für die Deutsche Bank, deren US-Tochter mit einem Bilanzvolumen von rund 360 Milliarden Dollar in den USA ebenfalls zu den Großbanken gehört, die absehbaren Auswirkungen der Reform in Grenzen. Die Bank, für die jenseits des Atlantiks rund 12 000 Menschen arbeiten, hält in den USA praktisch keine Private-Equity- und Hedgefonds-Beteiligungen mehr. Und an den Handelstischen ist das Stühlerücken bereits weitgehend abgeschlossen. Abteilungen wie etwa der Handel mit den Collateralized Debt Obligations – den verbrieften Krediten, die im Zentrum der Finanzkrise standen – sind nach Auskunft eines Deutsche-Bank-Mitarbeiters von der Wall Street praktisch dichtgemacht.

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