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Bankenregulierung Wie US-Banken ihre Fesseln lockern

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Einschnitt für Goldman Sachs

Laut „Wall Street Journal“ haben einige US-Banken Händler aus den Eigenhandels- in die Kundenhandelsabteilungen umgesetzt. Statt das bankeigene Kapital aufs Spiel zu setzen, operieren sie nun mit Kundengeldern.

Doch das ist potenziell kaum weniger riskant. Denn die Versuchung für die Händler wird groß sein, zumindest für kurze Zeitspannen als Gegenpartei für Transaktionen einzuspringen. Das ist nach dem abgeschwächten Gesetzentwurf ausdrücklich erlaubt und könnte sich zu einem lukrativen Geschäft entwickeln. Durch die Hintertür würde das erhöhte Risiko so über die Kundengeschäfte fast unbemerkt wieder in den eigenen Büchern landen können.

Auch im Handel mit komplexen Wertpapieren, den Derivaten, profitieren die Investmentbanken von zahlreichen Ausnahmeregelungen. Nur besonders riskante Geschäfte – etwa mit den berüchtigten Credit Default Swaps, die praktisch Wetten auf die Zahlungsfähigkeit von Schuldnern wie Unternehmen und Ländern sind – müssen in eigenständige Einheiten ausgelagert werden. Die könnten zwar weiter der Bank gehören, müssten aber separat mit teurem Eigenkapital ausgestattet werden, was den Reiz der Sache deutlich verringern soll.

Banken basteln an Ausweichstrategien

Und im normalen Bankgeschäft mit Privatkunden, wo zahlreiche als missbräuchlich in Verruf geratene Geschäftspraktiken nun verboten werden, basteln die Banker an Ausweichstrategien, mit denen sie die Ertragsausfälle ausgleichen können.

So dürfte es das bisher in den USA weit verbreitete kostenfreie Girokonto künftig kaum noch geben. Und die Kreditkartenanbieter – darunter Citigroup und Bank of America – testen bereits Modelle mit höheren Jahresgebühren und und Plastikgeld auf Guthabenbasis (Prepaid), auf Kunden und Handel könnten höhere Kosten für das Bezahlen mit Kreditkarte zukommen.

Auch nach Unterzeichnung der Großreform gibt es keine Sommerpause für die Banklobbyisten in Washington. Ihr wichtigstes nächstes Projekt ist es, zu verhindern, dass ein Hardliner für die kommenden fünf Jahre der Chef der neu geschaffenen Konsumentenschutzbehörde wird.

Als Top-Kandidatin gilt die Harvard-Professorin und Bankenkritikerin Elizabeth Warren. Sie forderte bereits ausdrücklich eine Behörde „mit wirklichen Muskeln“.

Das Consumer Financial Protection Bureau wird mit seinen Regeln für Girokonten, Kreditkarten und Hypotheken die Geschäftsmodelle der Banken entscheidend beeinflussen. Der erste Direktor der mächtigen neuen Behörde, die zwar formal der Notenbank unterstellt ist, aber unabhängig operieren soll, spielt dabei eine prägende Rolle. Präsident Obama wird einen Kandidaten benennen, der vom Senat bestätigt werden muss. Dort sehen die Lobbygruppen ihren Hebel.

„Das ist nicht das Ende des Prozesses“, schreibt deshalb mahnend Cheflobbyist Yingling mit Blick auf das zur Abstimmung vorliegende Finanzmarktreformgesetz in einem Brief an alle Vorstandschefs der Mitgliedsbanken, „es gibt niemals ein Ende in Washington.“

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