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Bankmanager Die 500.000-Euro-Frage der Boni-Banker

Reichen eine halbe Million Euro Jahresgehalt nicht, um einen guten Banker als Führungskraft zu gewinnen? Banker am Staatstropf, wie etwa bei Commerzbank oder Hypo Real Estate, pokern weiter hoch.

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Axel Wieandt Quelle: REUTERS

Was verdienen Top-Entscheider, die während der Finanzkrise öffentlich im Feuer standen? Jochen Sanio, Chef der Finanzaufsicht BaFin: 10.000 Euro brutto im Monat plus Kinderzuschläge (B10 nach Beamtenrecht). Angela Merkel, Bundeskanzlerin: 15.833 Euro brutto im Monat (das „fünfdrittelfache von B11“ abzüglich gegebenenfalls Miete für eine Dienstwohnung). Für viele Bankmanager sind die beiden damit zu bedauern.

Wohl auch aus Sicht von Axel Wieandt. Vor einer Woche warf er seinen Job als Chef des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) hin. Einer der Gründe: Solange die mit mehr als 100 Milliarden Euro Steuergeld gerettete Bank unter Kuratel des Bankenrettungsfonds Soffin steht, darf kein HRE-Manager mehr verdienen als eine halbe Million Euro im Jahr. Das betrifft derzeit HRE, Commerzbank, WestLB und Aareal Bank. Doch damit sei es laut Wieandt kaum möglich, Top-Leute als Vorstand oder Bereichsleiter zu halten, geschweige neue abzuwerben.

Das klingt nach Hybris, ist aber dennoch plausibel. Einerseits: Erfahrene Risikospezialisten, Bilanzprofis und gute Vertriebsleute werden im ganzen Land gesucht. Anderseits müssen Banken, die sich risikofreudig ins Desaster gestürzt haben und nur dank Steuergeld überleben, damit sparsam wirtschaften.

Personalberater und Bankvorstände bestätigen aber unisono: Die boniverwöhnten Banker pokern auch weiter hoch. Denn Chance und Risiko halten sich bei den angeschlagenen Geldinstituten die Waage: Zwar werden interessante Stellen frei, doch wie lange wird es den potenziellen Arbeitgeber so noch geben?

Nicht zu jung und nicht zu alt

Aus Arbeitgebersicht ist das Alter der Bewerber wichtig: Zu jung und unerfahren dürfen Sanierer nicht sein, zu alt und damit schon auf den Ruhestand schielend aber auch nicht. Martin von Hören, Vergütungsexperte der Beratung Kienbaum, sagt: „Ab 40 oder 45 Jahren wird die Vermittlung schon schwieriger.“

Von Hören rät Wechselwilligen nicht unbedingt von kriselnden Banken ab: „Meriten lassen sich leichter in schwierigen Situationen oder bei kleineren Banken erwerben.“ Mit einem wetterfesten Geschäftsmodell seien auch gute Landesbanken weiter gefragt. Für von Hören muss ein attraktiver Arbeitgeber drei Dinge bieten: „Eine glaubwürdige Story, Entwicklungsperspektive und gutes Geld.“

Gehälter beschränkt, keine Boni

Nichts davon hat auf den ersten Blick die malade BayernLB zu bieten. Dort sind die Gehälter für Vorstände auf 500.000 Euro beschränkt, und es werden in diesem Jahr erneut keine Boni gezahlt.

Nachteile im Wettbewerb sieht die Bank aber dadurch nicht und verweist darauf, dass sie erst vor wenigen Tagen zwei neue Vorstände bei privaten Konkurrenten – Commerzbank und Bank Austria – abgeworben hat.

Gehälter Bankmanager

Bei anderen Sorgenkindern des deutschen Kreditwesens ist die Deckelung der Gehälter dagegen nicht das letzte Wort:

 Dirk Jens Nonnenmacher handelte als Chef der mit Milliardenhilfe gestützten HSH Nordbank eine Sonderzahlung von 2,9 Millionen Euro aus. Sein Gehalt ist nicht durch den Soffin gedeckelt, sondern durch die Garantievereinbarung von Hamburg und Schleswig-Holstein, die der Bank aus der Patsche halfen. HSH-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper führte ein neues Vergütungssystem ein: Jetzt können Anwartschaften für Boni gesammelt und von 2013 an über drei Jahre gestaffelt ausgezahlt werden, falls die Bank für 2012 wieder eine Dividende zahlt und dauerhafte Erfolge sichtbar sind. Das soll die Besetzung von Spitzenposten erleichtern. Kopper klagt dennoch: „Manager aus der Bundesliga erhalten wir dafür nicht.“ Auch bei der verlustgeplagten Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) muss niemand darben. Zwar sollen Gehälter grundsätzlich nicht über der Soffin-Elle liegen – es gibt aber Ausnahmen wie Vorstandschef Hans-Jörg Vetter. Ob weitere Vorstände dazuverdienen, darüber schweigen Bank und Anteilseigner – auch zu Berichten, wonach Vetter weit mehr als die 700.000 Euro plus Boni seines Vorgängers bekäme. Günther Oettinger, 2009 zuständiger Ministerpräsident, versicherte seinem Kabinett dazu, die Suche nach einem neuen, starken Mann sei andernfalls aussichtslos gewesen. Ex-HRE-Chef Wieandt bekam laut HRE-Bilanz 2009 seinen Einsatz dank fixer Bezüge, garantierter Komponenten und Sachbezügen mit 1,492 Millionen Euro vergütet. Manuela Better, seit Februar 2009 im Vorstand für das verantwortungsvolle Risikomanagement zuständig, erhielt 482.000 Euro. Seit Wieandts Abschied leitet Better die HRE.

Und es geht doch

Im Unterschied zu Wieandt verdient sein Schwager Martin Blessing als Chef der teilverstaatlichten Commerzbank nur 570.000 Euro, das entspricht dem Soffin-Deckel plus gestatteter Zugaben wie Versorgungszusagen oder Dienstwagen. Auf der Hauptversammlung am 19. Mai will sich die Bank von ihren Aktionären auch ein neues Vergütungsmodell absegnen lassen: Demnach soll Blessing bis zu fünf Millionen Euro im Jahr verdienen – aber erst, wenn die Bank wieder Gewinn macht und ihre Einlagen an den Staat zurückzahlt.

Wie auch andere Bundesländer, die ihre Landesbanken retten mussten, lehnt sich Nordrhein-Westfalen an die Soffin-Vorgaben an. Dietrich Voigtländer, Chef der angeschlagenen WestLB, muss sein Haus unter EU-Kuratel aus dem Schlamassel führen und wird mit 500.000 Euro entschädigt. Nach allem, was man weiß, scheinen Blessing und Voigtländer trotz aller Widrigkeiten einen guten Job zu machen – selbst für 500.000 Euro.

Was höhere Boni der Bank bringen

Bleibt die Frage, ob besser bezahlte Vorstände und Bereichsleiter mehr leisten. Vom Obolus samt Bonus der Spitzenverdiener können ohnehin vier Fünftel der Kollegen direkt unter dem Vorstand nur träumen: Sieben Prozent bekommen nach einer Kienbaum-Studie mehr als 200.000 Euro Jahresgehalt (siehe Grafik). Genau diese Ebene ist derzeit gesucht.

Die Frage, ob bestens Bezahlte bestens arbeiten, untersuchten die Technische Universität Dresden und das ifo Institut 2009 wissenschaftlich. Danach haben die öffentlich-rechtlichen Banken in der Krise 2007 und 2008 zwei- bis dreimal so hohe Verluste produziert wie die private Konkurrenz. Das liege zum einen an geringer qualifizierten Aufsichtsräten. Zum anderen „hatten Banken, die ihre Vorstände höher bezahlten, sogar mehr Verluste gemacht, vermutlich weil sie höhere Risiken eingegangen sind“, sagt Wirtschaftsprofessor Marcel Thum. Dabei sei die Entlohnung der öffentlich-rechtlichen kaum geringer gewesen als die der privaten Banken. Ein Prozent mehr Gehalt und Boni für die Manager korreliere mit 0,8 Prozent mehr Verlust für die Bank.

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