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Baustoffe Wie der Gipsgigant Knauf gegen Krise und Klagen kämpft

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Überbordende Bürokratie in Russland

Knaufs Mann in Moskau, Gerd Lenga, ist stolz darauf, dass Gipskarton im russischen Volksmund Knauf-Platte heißt. Das Unternehmen nahm den Bauboom der letzten acht Jahre voll mit: Um 30 Prozent stiegen die Knauf-Umsätze in Russland seit 2000 – jährlich. Doch jetzt ist der Traum erst einmal vorbei. Um rund 30 Prozent ist der Gipskarton-Absatz seit Ausbruch der Finanzkrise im September 2008 in Russland zurückgegangen. Zusätzlich macht der schwache Rubel zu schaffen. Das Absatzniveau vor der Krise erreiche Knauf erst 2014, schätzt Lenga.

Russland ist ein schwieriges Pflaster – Korruption und überbordende Bürokratie bremsen ausländische Investoren aus. Das gibt auch Lenga zu: „Wir beschäftigen hier doppelt so viele Buchhalter und Juristen wie bei einem vergleichbaren Unternehmen in Westeuropa.“

Netzwerk bis in höchste russische Kreise

Wenn das nicht reicht, rückt Grandseigneur Nikolaus Knauf an. Er pflegt sein über die Jahre aufgebautes Netzwerk mit Gouverneuren und Ministern. Ministerpräsident Wladimir Putin hält große Stücke auf ihn. Wie in Iphofen hat sich die Familie in Russland als Wohltäter einen Namen gemacht. In Sankt Petersburg haben die Knaufs den Neptunbrunnen restaurieren lassen, in anderen Städten unterstützen sie Kinderheime oder Kirchengemeinden.

Manchmal wird aus der Nähe zum örtlichen Establishment jedoch schiere Anpassung. So als Familienmitglied Isabel Knauf, zuständig für Nahost, in einem Rundbrief den iranischen Mitarbeitern im vergangenen Sommer die Teilnahme an regierungskritischen Demonstrationen verbot. Die Bundesregierung reagierte irritiert. Knauf-Vormann Grundke musste seinen Urlaub unterbrechen und beeilte sich zu versichern, es sei nicht so gemeint gewesen.

Der Nimbus der Unverwundbarkeit ist dahin

Die Iran-Affäre ist inzwischen Geschichte. Doch die lahmende Baukonjunktur weltweit, der Umsatzeinbruch in Osteuropa und die US-Sammelklage werden die Vettern noch einige Zeit in Atem halten. Knauf dürfte dank seiner Finanzkraft die Attacken überleben. Aber der Nimbus der Unverwundbarkeit ist hin.

So schien Iphofen in diesem Winter auf den ersten Blick noch schöner als gewohnt: Unter dem Schnee sah das Knauf-Städtchen aus wie mit Puderzucker bestreut. Ein Wintermärchen – wäre da nicht der eiskalte Wind, der durch die Gassen fegt.

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