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Bauwirtschaft Wie Strabag im deutschen Baugeschäft durchstartet

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Schlamassel in Köln

Thomas Birtel, Quelle: REUTERS

So bescheiden hat das Unternehmen 1923 auch angefangen – in Niederlahnstein im heutigen Rheinland-Pfalz. Aus den Anfangsbuchstaben der Straßenbau-Aktiengesellschaft wurde 1930 die Strabag. 1998 übernahm Haselsteiners Bau Holding AG in Wien die inzwischen in Köln sitzende Strabag AG. Seit 2000 tritt die Gruppe unter dem deutschen Namen auf und firmiert seit 2004 als europäische AG mit dem Kürzel SE. Im Zuge ihrer Expansion übernahm sie 2005 die Aktienmehrheit an der Stuttgarter Ed. Züblin mit damals 7000 Mitarbeitern.

Ein Zukauf, den die Züblin-Aktionärsfamilie Lenz bis heute juristisch torpediert, der sich aber optimal einfügt: Die bisherigen deutschen Töchter und Züblin passen wie Puzzlestücke zueinander. Der Kölner Strabag-Ableger ist im Norden und Westen besonders präsent, Züblin im Süden und Südwesten. Strabag-Köln ist auf Verkehrswegebau spezialisiert, Züblin auf Hoch- und Ingenieurbau. 2006 übertrugen die Kölner ihre Hoch- und Ingenieurbau-Sparte an Züblin. In beiden Bereichen wurde Züblin durch den Zuwachs um 2800 Mitarbeiter und 1,2 Milliarden Euro Bauleistung schlagartig zum Marktführer in Deutschland. Und in allen Sparten ging Haselsteiner weiter shoppen.

2005: Übernahme von Dywidag und der heutigen Heilit+Woerner Bau, die wie der Züblin-Anteil zur insolventen Augsburger Walter-Bau-Gruppe gehört hatten. 2008: Kauf des drittgrößten deutschen Straßenbauunternehmens F. Kirchhoff aus Leinfelden bei Stuttgart. Ebenfalls 2008: Übernahme des wichtigen Straßenbau-Mittelständlers Kirchner in Bad Hersfeld. Regional bekannte Bau-Mittelständler wie Preusse aus Braunschweig (Übernahme 2006), Alpen aus dem holsteinischen Neustadt und von der Wettern in Köln (beide 2007) gehören inzwischen ebenfalls zu Haselsteiners Reich.

Schlamassel in Köln

Leichte Zeiten erwartet Deutschland-Statthalter Birtel, der auch Vorstandsmitglied der Wiener Muttergesellschaft und Aufsichtsratsmitglied bei Züblin ist, allerdings nicht im deutschen Baugeschäft: „Deutschland ist für uns in den kommenden drei, vier Jahren kein Wachstumsmarkt.“ Nicht nur dem Straßenbau fehlten ab 2011 die Mittel aus den Konjunkturpaketen, sondern auch dem Hochbau, der zurzeit von Geld für Schulen, Verwaltungsgebäude und Feuerwachen profitiert. Optimisten wie Thomas Bauer, Chef der gleichnamigen Bau- und Baumaschinen-Gruppe, meinen zwar, mehr Bauaufträge aus der Wirtschaft würden das Minus im öffentlichen Bau in zwei Jahren ausgleichen. Doch das ist eine unsichere Hoffnung.

Bei längerer Bauflaute in Deutschland steigt das Risiko für Strabag. Zumal Birtel bisher jedenfalls den Teilrückzug der Konkurrenten nicht als wesentliche Erleichterung im Wettbewerb spürt: „Es gibt kein Bauvorhaben, wo wir aktuell den Eindruck haben, dass sich die Kollegen zurückgezogen haben.“ Bei großen prestigeträchtigen Ingenieur- und Hochbauprojekten werde er weiter auf Bilfinger Berger und Hochtief treffen. Mit den Essenern etwa konkurrierte Strabag vergeblich um den Bau der Elbphilharmonie in Hamburg. Dafür baut Strabag für 300 Millionen Euro im Auftrag der Hamburger ECE-Gruppe etwa die Einkaufsgalerie Neues Thier-Areal in Dortmund, quasi vor der Haustür von Hochtief.

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