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Bayer-Chef Werner Wenning "Einiges falsch gelaufen"

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Arzneimittel

Vor allem schränkt es Ihre eigene Marktmacht ein. Mit wie vielen Kassen möchten Sie am liebsten einzeln verhandeln – mit allen 169?

Es gibt ja heute schon Verbünde unter den Kassen, mit denen die Hersteller verhandeln. Entscheidend ist, dass Wettbewerb eingeführt wird.

Künftig soll die Zulassung eines Medikaments auch von einer Kosten-Nutzen-Bewertung abhängen, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz: Iqwig,  durchführt. Sind Sie da auch dagegen?

Wir halten Kosten-Nutzen-Bewertungen grundsätzlich für sinnvoll. Sie müssen aber nach transparenten, internationalen Maßstäben durchgeführt werden.

Warum regen Sie sich auf? Bayer erzielt noch nicht mal zehn Prozent des Pharmaumsatzes in Deutschland.

Richtig, aber zwei Drittel unserer weltweit tätigen Mitarbeiter in der Pharmaforschung arbeiten in Deutschland. Ein wettbewerbsfähiger Pharmastandort ist für uns essenziell, denn was in den Heimatmärkten der Produzenten passiert, hat Auswirkungen auf andere Regionen.

Weil viele Länder sich die deutschen Preise zum Vorbild nehmen?

Auch deswegen. Aber wenn Sie schon auf andere Länder schauen, sollten Sie auch erwähnen, dass wir hier in Deutschland den vollen Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel zahlen. Anderswo ist der Satz reduziert oder die Mehrwertsteuer entfällt sogar ganz. Ich plädiere gegenwärtig nicht für eine Steuersenkung. Aber ich bitte, dies bei der Gesamtbetrachtung zu berücksichtigen.

Eine Monatsration des Bayer-Mittels Betaferon gegen multiple Sklerose kostet in Deutschland über 1400 Euro, deutlich mehr als in anderen Ländern. Und Ihr Präparat Nexavar gegen Nierenkrebs ist so teuer, dass es in England von den staatlichen Gesundheitsversorgern nicht erstattet wird. Englische Patienten müssen früher sterben. Können Sie eine solche Preispolitik verantworten?

Die Frage zur Erstattung müssen Sie den britischen Behörden stellen...

...Sie könnten einfach den Preis senken.

Damit kommen wir zur Preispolitik. Wir müssen über die Preise auch unsere Forschungskosten finanzieren. Bayer gibt jährlich für die Forschung und Entwicklung neuer Arzneien 1,6 Milliarden Euro aus. Die Entwicklung eines einzigen neuen Präparats kostet zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro und dauert bis zu zwölf Jahre. Und Sie haben immer noch das Risiko, dass ein Präparat in der letzten Phase scheitert, weil unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Um das abzufedern und permanent in neue Forschungsprojekte zu investieren, brauchen wir auskömmliche Renditen.

Glauben Sie, dass die Kassen bald auch in Deutschland teure Mittel nicht mehr zahlen?

Die Entscheidung, ob ein 60-Jähriger länger leben darf, haben nicht wir zu treffen. Mein Eindruck aus Gesprächen in Berlin ist aber, dass die Politiker hier das englische System nicht erstrebenswert finden.

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