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Best Office 2008 Orgatec: Vom Büro zum Baumhaus

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... oder allein im Sessel. Quelle: Ralph Richter für WirtschaftsWoche

Da macht sogar das Treppensteigen so viel Spaß, dass zwischen dem 22. und 29. Stock kaum noch ein Mitarbeiter den Aufzug nimmt. Zugleich hat sich die Treppe, ohnehin gesünder und energiesparender, zum kommunikativen Zentrum entwickelt. „Man läuft sich so oft über den Weg, dass ich ständig Meetings wieder absage“, freut sich Jo Metzke, Mitarbeiterin der Personalabteilung. Dutzende lockere Sitzgruppen und Polsterecken mit Hockern laden zum ungezwungenen Plausch ein – pro Schreibtischstuhl gibt es mindestens eine weitere Sitzgelegenheit im Haus. Diese Meetingkultur spart Zeit und steigert die Motivation: Es wird nicht bloß nach Takt und Terminkalender gearbeitet. Stattdessen lenkt das Prinzip Zufall den Arbeits-Organismus.

Niedrigere Trennelemente im Großraumbüro sorgen dafür, dass sich Mitarbeiter bei der Arbeit wieder in die Augen sehen können. „Vorher guckten wir alle nur auf Wände. Ob es draußen hell war oder dunkel, bekamen wir am Platz nicht mit“, sagt Mitarbeiterin Metzke. Jetzt grünt es im Computereck: Für jeden Mitarbeiter schaffte das Management zwei dickblättrige Pflanzen an. »

Zunächst aber erschien die schöne neue Bürowelt gewöhnungsbedürftig, verlangte sie von allen Beteiligten doch auch Abstriche vom Gewohnten. 10 000 Quadratmeter Bürofläche verwandelten sich in einen Großraumparcours, ergänzt durch gläserne Kleinkonferenzräume und ein paar nicht reservierbare Stillarbeitszellen. 70 Chefs mussten ihre Einzelbüros aufgeben.

Zudem hatte sich das Management zum Ziel gesetzt, bei dem Projekt den Green Star zu erreichen, den höchsten in Australien möglichen Umweltstandard für Gebäude. Deshalb wurde die Zahl der Drucker von 140 auf 40 reduziert, in den Toiletten wurden wasserlose Urinale eingebaut, Parkplätze gestrichen und durch Fahrradständer ersetzt, physischer Stauraum gegen elektronische Archive getauscht. Sekretärinnen verloren ihr Privileg auf eigene Kühlschränke für den Freitagsumtrunk. „Aber alle machten mit, weil die Chefs selbst mit gutem Beispiel vorangingen“, sagt Berater Alcock.

Zwar waren der Öko-Effizienz auch Grenzen gesetzt – ein System zum Wasserrecycling etwa ließ sich in dem alten Gebäude nicht mehr einbauen. Doch Stockland organisierte Energiespar-Wettkämpfe zwischen den Etagen und schulte so das Umweltbewusstsein aller Mitarbeiter. Resultat: Das neue Büro verbraucht 30 Prozent weniger Strom und 36,6 Prozent weniger Wasser. Eine gasgetriebene Anlage zur Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung, die im Dezember in Betrieb geht, soll den CO2-Ausstoß um 20 Prozent senken. Und das Mülltrennen funktioniert mittlerweile so gut, dass nur noch 15 Prozent des Abfalls auf der Halde landen.

Stolz berichtet Nachhaltigkeitsmanagerin Davina Rooney von der Signalwirkung des Projekts nach außen: Als in ganz Aus-tralien kein 100-Prozent-Recyclingpapier mehr aufzutreiben war, bearbeitete sie einen Zulieferer so lange, bis dieser das gewünschte Altpapier in sein Sortiment aufnahm. Regelmäßig spornt Stockland seine größten Kunden und die übrigen Parteien im Hochhaus zu mehr Büroeffizienz an.

All das gefällt der Belegschaft. Eine noch nicht abgeschlossene interne Studie deutet schon heute darauf hin, dass die Mitarbeiter-Produktivität im Stockhome gestiegen ist. „Natürlich hätte man das auch anders machen können – man kann 100 Change Manager einstellen, um Wandel zu erzielen“, sagt Rooney, „oder die Bürokultur mit gutem Design verändern.“

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