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Bezahlfernsehen Sky knüpft ein Partnernetz fürs Überleben

Der Bezahlsender Sky versucht mit einer Reihe von Allianzen sein Überleben zu sichern. Kooperationen mit der deutschen Kabelindustrie und dem Softwareriesen Microsoft sollen endlich mehr Abonnenten bringen und Sky auf gesunde Füße stellen. Eine Zusammenarbeit mit Kabel Deutschland, Unitymedia und Microsoft ist wohl zum Greifen nah.

Logo des Bezahlsenders Sky Quelle: AP

Der verlustreiche Bezahlsender Sky (früher Premiere) schmiedet Allianzen mit Kabelkonzernen und dem Softwareriesen Microsoft, um mehr Abonnenten zu gewinnen. Der neue Vorstandschef Brian Sullivan verhandelt derzeit intensiv mit den beiden Branchenriesen Kabel Deutschland (KDG) und Unitymedia über ein Vertriebsbündnis. "Wir sind in guten Gesprächen mit einer Reihe von Kabelkonzernen, darunter Kabel Deutschland und Unitymedia, aber auch andere potenzielle Distributionspartner. Wir sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen in den nächsten Monaten positiv abgeschlossen werden", sagte Sullivan dem Handelsblatt. "Wir wollen auf allen Plattformen mit unseren Inhalten präsent sein. Die Kabelkonzerne sind daher die natürlichen Partner von Sky."

Daneben nimmt auch andere Firmen ins Visier, zum Beispiel die Anbieter von Online-Diensten. "Bei Vertriebspartnerschaften wird es noch in diesem Jahr eine Reihe von positiven Überraschungen geben", sagte Sullivan vieldeutig. Nun stellt sich langsam heraus, dass Sky offenbar mit dem Softwarehersteller Microsoft kurz vor einem Geschäft steht. Microsoft und Sky gehen in Deutschland offenbar bald gemeinsame Wege. Der Softwarehersteller will sein Filmangebot für das eigene Medien-Netzwerk Xbox-Live in Deutschland deutlich ausbauen und setzt dabei auf den Pay-TV-Sender-Sky. Wie das Handelsblatt erfahren hat, ist ein Abschluss zwischen Microsoft und Sky zum Greifen nah.

Der Kampf um Kunden wird härter

Oliver Kaltner, Chef der Konsumelektroniksparte von Microsoft Deutschland, hatte gerade erst im Gespräch mit Handelsblatt Online angekündigt, dass Microsoft kurz vor dem Abschluss mit einem Inhalteanbieter stehe. "In Amerika haben wir eine wunderbare Kooperation mit ESPN und in Großbritannien eine vergleichbare mit BSkyB. In Deutschland befinden wir uns derzeit mit allen relevanten Marktteilnehmer im Gespräch", hatte Kaltner noch gesagt.

Mit seiner Vertriebsoffensive will Sky der ungeliebten Konkurrenz durch die Deutsche Telekom wirksamer begegnen. Der Bonner Konzern hat für sein Fernsehangebot, das über schnelle Internetleitungen ins Haus geliefert wird, bereits 1,3 Mio. Abonnenten. Bis Jahresende prognostizierte Telekom-Chef René Obermann 1,8 Mio. zahlende Zuschauer. In fünf Jahren sollen es sogar fünf Mio. sein. Die Konkurrenz ist für Sky brandgefährlich. Damit wird der Kampf um neue Kunden noch härter. "Im Markt herrscht durch die Pay-TV-Angebote von uns und der Telekom leider Verwirrung. Das müssen wir ändern", sagte Sullivan. Die Telekom vermarktet die Live-Übertragungen der deutschen Profiklubs seit 2009 erfolgreich über das Internet. Das Pay-TV-Angebot "Liga total" zählt aktuell rund 100.000 Abonnenten.

Attraktive Zusammenarbeit

Eine Zusammenarbeit zwischen Sky und den großen Kabelnetzbetreibern ist für beide Seiten attraktiv. Sky kommt in Kontakt mit vielen potenziellen Abonnenten. So zählt allein KDG knapp neun Mio. Kunden in 13 Bundesländern. Die Netzanbieter wiederum könnten Angebote machen, die sie noch nicht haben. Zwar hat auch die KDG ein eigenes Bezahlfernsehen. Doch ihr fehlen Exklusiv-Rechte wie die Fußball-Bundesliga - die kann nur Sky bieten. Damit könnten die Konzerne vereint der Deutschen Telekom Paroli bieten. "Alle großen Kabelnetzbetreiber wollen mit Sky-Inhalten ihrer Vermarktung einen Schub geben, um sich gegen die Telekom aufzustellen", sagte Stefan Beberbeil, Manager bei Kabel Baden-Württemberg.

Mit vier Kabelfirmen ist Sky bereits ins Geschäft gekommen. Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) verkauft seit rund vier Wochen Abos des Bezahlkanals. "Das ist für uns die richtige Strategie", sagte Beberbeil. Zudem gibt es eine Kooperation mit dem kleineren Netzbetreiber NetCologne in Köln. Seit wenigen Wochen bietet auch der Münchener Netzbetreiber KMS Sky-Abos an . Eine bereits unterzeichnete Partnerschaft mit Tele Columbus wird im Herbst starten. Entsprechende Verträge sind bereits unterzeichnet.

Sullivan, der frühere Manager des erfolgreichen englischen Bezahlsenders BSkyB, braucht dringend mehr Abonnenten. Sky stagniert bei 2,5 Mio. zahlenden Zuschauern. Das Tochterunternehmen des US-Medienriesen News Corp. braucht aber etwa drei Mio., um erstmals in seiner Geschichte die Gewinnschwelle zu erreichen. Zuletzt lief die Neukundenwerbung von Sky äußerst zäh. Im zweiten Quartal haben die Münchener nur gut 6000 zusätzliche Abonnenten gewonnen. Die Analysten der Commerzbank hatten dagegen mit 15.000 Verträgen gerechnet.

Logo von Xbox Live Quelle: AP Images for Xbox

Viel Potenzial bietet auch die wahrscheinliche Kooperation mit Microsoft. Geht alles nach Plan könnte bald das Programm von Sky auch über Microsofts eigenes Medien-Netzwerk Xbox-Live laufen. Das bietet Vorteile für beide Konzerne: Microsoft braucht dringend mehr Filme und Sky neue Vertriebskanäle. "Von der Technik ist alles klar", sagte ein Unternehmensinsider. Offenbar gab es bei Sky anfangs Bedenken gegen eine Verbreitung über die Xbox. Doch das hat sich durch den neuen Sky-Chef Sullivan geändert. "Die Xbox ist für uns ein weiterer Vertriebskanal, und das ist gut so", sagte er.

Für Microsoft indes kommen eigentlich nur die Deutsche Telekom, der Filmanbieter Maxdome und eben Sky in Frage, da nur diese letztlich auch das nötige Knowhow haben, um die eigene technologische Plattform mit der von Microsoft zusammenzuführen. Diese Probleme hat mit Sky nun offenbar gelöst. Und Microsoft hat dabei kräftig Gas gegeben. "Das TV- und Filmangebot muss ausgeweitet werden, daran arbeiten wir gerade", sagte Kaltner.

Das muss es wohl auch, denn bislang ist die Zahl der Filme, die über Microsofts Mediendienst Xbox-Live übers Internet vor allem mit der Videospielkonsole Xbox360 angesehen werden können, gering. Damit bleibt die Xbox360 bislang das, als was sie viele Verbraucher wahrnehmen: eine reine Videospielkonsole. Dabei will Microsoft die Konsole eigentlich aus den Spiel- in die Wohnzimmer holen - als digitales Abspielgerät für eine breite Palette an Medien. Ohne entsprechendes Filmangebot wird das aber schwierig.

Kooperation mit Sky soll Microsoft-Handy beflügeln

Kaltner weiß das: "Filme sind ganz wichtig und gehören aus unserer Sicht einfach dazu. Unsere Kunden wollen ein entsprechendes Produktangebot." In den USA haben sie das schon heute - egal ob die erfolgreiche Fernsehserie Mad Men oder Spielfilme wie den Science-Fiction-Thriller RepoMen, die Auswahl ist reichlich. Und das auch noch in hochauflösender Qualität. Ganz zu schweigen von dem im Juni vorgestellten Deal mit dem Sportsender ESPN: mehr als 3500 Sportsendungen, vom Baseball bis hin zu den Spielen der Profi-Baskettball-Liga, stehen Xbox-Live-Nutzern zur Verfügung. Zumindest mehr Film und Fernsehen soll es nun auch bald in Deutschland geben - entsprechende Partner vorausgesetzt. Mit Sky kein Problem.

Einen Partner wie den Pay-TV-Sender braucht Microsoft vor allem auch deshalb, weil der Softwareriese Filme auch mobil anbieten will - mit Xbox-Live für das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7, das Microsoft im Herbst auf dem Markt bringen will. Derzeit liegt Microsoft hier mit seinem aktuellen System weit hinter Apples iPhone und dem Google-Betriebssystem Android zurück. Xbox-Live soll mit einer ganzen Palette von Smartphone-Spielen helfen, verlorenen Boden gut zu machen. Wenn sich zusätzlich dann auch noch Filme auf dem Handy über Xbox-Live ansehen ließen, wäre das sicherlich ein weiterer Pluspunkt - den Microsoft im Wettstreit mit Apples Multimedia-Supermarkt iTunes, der auch Filme fürs iPhone anbietet, gut gebrauchen kann.

Sky kämpft mit massiven Finanzproblemen

Konzernchef Sullivan - ein enger Vertrauter des News-Corp.-Vorstands James Murdoch - hat nicht viel Zeit, mit der Vertriebsoffensive zu punkten. Sky kämpft mit massiven Finanzproblemen und kündigte kürzlich die siebte Kapitalerhöhung in fünf Jahren an. Großaktionär News Corp. steckt in den nächsten Monaten erneut 340 Mio. Euro in die seit über zwei Jahrzehnten defizitäre Firma.

Das ursprüngliche Ziel, Anfang 2011 operativ schwarze Zahlen zu schreiben, hat Sullivan inzwischen aufgegeben. Der erfahrene Fernsehmacher lehnt jede Prognose ab: "Ich kann nur so viel sagen: Die Verluste von Sky werden im nächsten Jahr sinken." Das zweite Quartal hat der Pay-TV-Konzern bei einem Umsatz von 236 Mio. Euro mit einem Minus von 82 Mio. Euro abgeschlossen.

Die Aktie liegt am Boden. Das Papier des MDax-Konzerns fiel am Freitag nochmals um über neun Prozent auf mittlerweile 92 Cent. Auslöser des Kurssturzes waren nach Angaben von Händlern Spekulationen über einen eigenen TV-Kanal der Fußball-Bundesliga. Angesichts der Sky-Verluste streiten die Bundesliga-Clubs über einen eigenen Bezahl-Fernsehsender, wenngleich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) Sky zuletzt den Rücken stärkte. Nach Angaben von DFL-Chef Christian Seifert plant die Liga derzeit keinen eigenen Sender.

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