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Bilanzzahlen Deutsche Bahn zeigt im Wettbewerb Schwächen

Die Deutsche Bahn kam 2009 mit einem blauen Auge davon. Dennoch entlarven die Zahlen, die Bahnchef Rüdiger Grube heute auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt präsentierte, ein großes Problem: Wo Wettbewerb herrscht, schneidet die Bahn schlecht ab.

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Dass die Deutsche Bahn für das Jahr 2009 einen gewaltigen Rückgang ihres Logistikumsatzes ausweist, ist wenig überraschend. Schließlich hat die Wirtschaftskrise allen Logistikkonzernen weltweit ein dickes Minus beschert. DB Schenker verlor im vergangenen Jahr insgesamt 4,3 Milliarden Euro Umsatz - ein Minus von 22 Prozent.

Doch bei näherer Betrachtung erweist sich der Rückgang nicht nur absolut als Verlust, sondern auch relativ. So sank das Transportvolumen auf der Schiene um 21 Prozent, die Wettbewerber verloren 17 Prozent. 2008 lagen die Wettbewerber noch gleich auf. Grund für den relativ starken Einbruch: Die Deutsche Bahn transportiert vor allem für die Stahl-, Automobil- und Chemieindustrie und diesen Branchen ging es besonders schlecht. Der Marktanteil auf der Schiene sank dadurch aber um vier Prozentpunkte auf 75 Prozent.

Unterdurchschnittliche Entwicklung bei Wettbewerb

Die relative Wettbewerbsschwäche zeigt sich auch in den anderen logistischen Sparten. In der Luftfracht war das Minus bei der transportierten Menge mit 16 Prozent rund vier Prozentpunkte schlechter als der Markt. Im europäischen Landverkehr, wo DB Schenker Marktführer ist, schnitt das Unternehmen zwar mit 20 Prozent weniger Transportvolumen genauso schlecht ab wie die Konkurrenz. Doch 2008 konnte DB Schenker hier deutlich mehr zulegen als die Branche. Allein die Seeefracht konnte Marktanteile erobern. Das Minus lag bei zwei Prozent, die Wettbewerber kamen auf neun Prozent weniger Transportmenge.

Die Verluste der Marktanteile trüben die Gewinnzahlen des Unternehmens ein. So konnte die Bahn unterm Strich noch einen Konzerngewinn vor Steuern von 1,4 Milliarden Euro einfahren. Das ist zwar ein Minus von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, aber dennoch respektabel. Das operative Ergebnis sank um 32 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ­– ein Minus von 32 Prozent.

Grube kann damit nur bedingt zufrieden sein. Denn dort, wo die Deutsche Bahn dem harten Wettbewerbswind ausgesetzt ist, ist die Entwicklung unterdurchschnittlich. Der Konzern sichert sich seine Gewinne weiterhin dort, wo er bislang wenig Konkurrenz zu spüren bekommt.

Monopolbereiche sorgen für schwarze Zahlen

Unterm Strich kommen die positiven Ergebnisse vor allem aus den Monopolbereichen: So fuhren allein die Geschäfte aus dem Schienennetz, den Personenbahnhöfen und der Energie 40 Prozent zum Ebit ein, der Fernverkehr (Marktanteil 99 Prozent) steuerte acht Prozent hinzu und der Personennahverkehr (Marktanteil 88 Prozent) 52 Prozent. Die Nahverkehrstochter DB Regio dürfte gar von der Krise im vergangenen Jahr profitiert haben. Das Unternehmen gewann 77 Prozent der ausgeschriebenen Strecken, zum Teil auch deshalb, weil Wettbewerber sich wegen Refinanzierungsproblemen aus dem Bieterwettkampf zurück  gezogen haben.

Die unternehmerischen Herausforderungen für Bahnchef Grube sind also größer denn je. Hinzu kommt: Zukünftig wird der Manager auch auf den üblichen Monopolstrecken Gegenwind zu spüren bekommen. Im Fernverkehr startet das Unternehmen Locomore ab August dieses Jahres auf der Strecke Köln-Hamburg mit umgebauten Intercity-Zügen. Auch die französische Staatsbahn SNCF plant mit ihrer Deutschland-Tochter Keolis in den Fernverkehr einzusteigen.

Trotz der relativen Wettbewerbsschwäche der Deutschen Bahn in der Logistik: Auf der Bilanzpressekonferenz präsentierte Grube und sein Vorstandskollege Diethelm Sack, der die Finanzahlen das letzte vor seinem offiziellen Abschied als Finanzvorstand vorstellte, auch Positives: Der Konzern konnte die Verschuldung im vergangenen Jahr um rund eine Milliarde auf 15 Milliarden Euro senken. Dadurch verbesserte sich auch das Verhältnis von Netto-Schulden zu Eigenkapital auf einen Wert von 115. Nahezu jedem Euro Schulden steht ein Euro Eigenkapital gegenüber.

"Butter nicht vom Brot nehmen"

Grube kündigte zudem einen weiteren Abbau der Verschuldung an. Akquisitionen im Ausland seien aber möglich, wenn sie „unternehmerisch sinnvoll“ sind. Vor allem das britische Nahverkehrsunternehmen Arriva weckt derzeit Begehrlichkeiten bei der Deutschen Bahn. Grube befindet sich in Gesprächen. Ein möglicher Kauf von Arriva sei Teil einer Marktoffensive der Deutschen Bahn. Grube erwartet, dass in Europa nach der jetzt beginnenden Konsolidierung am Ende nur fünf große Bahnen übrig bleiben werden. Da wolle er die hervorragende Wettbewerbsposition der Bahn nicht „aufs Spiel setzen“, so Grube. „Wir werden uns die Butter nicht vom Brot nehmen.“

Das Bild von Brot und Butter bemüht Grube des Öfteren in den vergangenen Monaten. Zunächst müsse sich der Konzern auf das „Brot- und Buttergeschäft“ konzentrieren. So betonte Grube auch heute wieder, dass sein Schwerpunkt der Heimatmarkt bleibe. Im Fokus stehe „der Kunde, der Kunde und noch mal der Kunde“. Verbessert werden müssten vor allem die Reisendeninformationen, insbesondere in Störfällen. Er wolle die Qualität der Kunden-Service-Hotline erhöhen, Bahnhöfe sauberer machen, die DB Lounges bei Zugverspätungen länger offen halten und den Eintritt nicht nur den Erste-Klasse-Fahrgästen gewähren. Die ICE-Flotte werde einer „Rollkur unterworfen“, wobei 80 Prozent der Arbeiten bereits abgeschlossen seien.

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