WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Bio-Supermärkte Machtkampf bei Bio-Kette Basic eskaliert

Dubiose Beraterverträge, die Führungsspitze im Dauerclinch – bei der Münchner Biokette Basic tobt ein interner Machtkampf.

Basic

Die Hauptperson fehlte. Als sich die Anteilseigner der Biokette Basic am 20. Dezember zur außerordentlichen Hauptversammlung in München trafen, blieb ausgerechnet der Versammlungsleiter, Basic-Aufsichtsratschef Joachim Kreuzburg, der Veranstaltung fern. Dabei herrschte erhöhter Aufklärungsbedarf unter den Aktionären des nicht börsennotierten Ökohändlers.

Auch der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat liegt im Clinch mit seinem Vorsitzenden und glaubt, dass Kreuzburg „gegen seine Pflichten als Aufsichtsrat verstoßen“ habe. Beide haben vor Gericht die Abberufung ihres jeweiligen Kontrahenten beantragt – in den kommenden Wochen könnte eine Entscheidung fallen. Davon hängt auch die Zukunft von Basic-Chef Stephan Paulke ab. Seine Beziehung zu Kreuzburg gilt als „hochgradig toxisch“.

Die Grabenkämpfe bei Basic können schnell auf das operative Geschäft durchschlagen. Ein Horrorszenario für den Bio-krämer, die sich noch immer nicht von den Turbulenzen der Vergangenheit erholt hat.

Ala im Sommer 2007 bekannt wurde, dass die Discounter-Gruppe Schwarz (Lidl, Kaufland) bei Basic einsteigen will, brach ein Sturm der Entrüstung los. Eine Kooperation mit dem Lidl-Imperium galt der Branche als Sündenfall, Basic ohne Instinkt. Kunden boykottierten die Kette, Lieferanten kündigten die Zusammenarbeit auf, die Gründer zerstritten sich.

Arabischer Investor unterstützt umstrittenen Sanierer

Als Schwarz sich schließlich entnervt zurückzog, stand Basic am Abgrund und wurde zum Fall für den freischaffenden Sanierungsexperten Kreuzburg. Der Mann fürs Grobe entließ Mitarbeiter, schloss Filialen und drückte die Kosten. Die Rettungsmission gelang, und Kreuzburg wechselte an die Spitze des dreiköpfigen Aufsichtsrats, nachdem Paulke im August 2009 den Chefposten übernahm.

Doch der Frieden zwischen Aufseher und Vorstand währte nicht lang. Schon 2009 soll Kreuzburg ohne Aufsichtsratsbeschluss ein Beraterhonorar von Basic erhalten haben, heißt es intern. Nachdem Kreuzburg versucht hätte, einen weiteren Beratervertrag für die Jahre 2010 bis 2012 einzufädeln, und Paulke sich weigerte, den Kontrakt zu unterzeichnen, begann die Auseinandersetzung.

Paulke kann zwar auf den Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat Erich Adams und die Minderheitsaktionäre zählen. Doch Kreuzburg hat einen zentralen Verbündeten: Der arabische Investor Abbas Ibrahim Yousef al-Yousef, der den Basic-Mehrheitsaktionär ASI Nature Holding steuert, unterstützt ihn. Er ließ beim Aktionärstreffen in München eine Erweiterung des Aufsichtsrats beschließen, um „das Unternehmen wieder handlungsfähig zu machen“, so ein ASI-Vertreter. Der frühere Basic-Aufsichtsrat Frank Dieter Maier wurde von ASI dafür reaktiviert, zudem darf der Sohn des ASI-Inhabers künftig über die Geschicke der Biokette wachen.

Nebeneffekt: Sobald die Beschlüsse im Handelsregister eingetragen werden und damit rechtskräftig sind, schwinden die Blockademöglichkeiten einzelner Aufsichtsräte im Kontrollgremium. De facto schwächt das vor allem die Position von Arbeitnehmervertreter Adams.

Eigenes Filialgeschäft

Bio

Auch die Basic-Gründer, die nur noch Minderheitsanteile halten, interpretieren den Vorstoß als Versuch von ASI, die Kontrolle an sich zu reißen, und wollen vor Gericht ziehen. Bei der Hauptversammlung sichtete ein Teilnehmer sieben bis acht Rechtsanwälte. Es herrsche „juristisches Powerplay“, beschreibt er die Lage und kündigt Klagen und Anfechtungen an. Für ASI handelt es sich dabei um eine Verzögerungstaktik ohne Aussicht auf Erfolg. Sollte das Amtsgericht München die Abberufung Kreuzburgs ablehnen, rechnen Insider damit, dass Basic-Chef Paulke den Dienst quittiert. Dass sich das Duo wieder zusammenrauft, scheint so wahrscheinlich wie die Listung der Genkartoffel Amflora im Basic-Sortiment. Während Basic zum Spielfeld für Juristen wird, stürzt sich die Konkurrenz mit Verve ins Geschäft.

Die Branchengrößen Alnatura und Dennree wachsen seit Jahren zweistellig und decken das Land mit immer neuen Filialen ein. In der vergangenen Woche hat sich Dennree zwei neue Standorte in Köln und München für seine Einzelhandelsmarke denn’s gesichert, weitere 18 Märkte sollen dieses Jahr folgen. Das Geld für die Expansion verdient das Unternehmen vor allem im Großhandelsgeschäft. Auch bei Alnatura sind die Filialen nur ein Teil des Konzepts. Die ökologisch korrekten Schokowaffeln und Brotaufstriche der Marke stehen auch bei Handelsketten wie dm im Regal.

Basic setzt dagegen ausschließlich auf das eigene Filialgeschäft. Rund 100 Millionen Euro Umsatz dürften die Münchner 2010 erzielt haben. Für große Wachstumssprünge fehlt seit dem Hickhack um die Schwarz-Gruppe jedoch das Geld.

Ist Lidl noch bei Basic involviert?

Dabei ist nicht einmal sicher, ob sich die Schwarz-Gruppe vollständig zurückgezogen hat oder indirekt doch noch engagiert ist. Zwar übernahm ASI damals das Aktienpaket. Bis heute gehen Insider jedoch davon aus, dass der Aktiendeal einen Besserungsschein, also einen nachträglichen Zuschlag, für die Schwarz-Gruppe vorsieht, sollte sich das Unternehmen berappeln oder weiterverkauft werden. Zudem soll der Lidl-Eigner der Biotruppe damals mit einem millionenschweren Kredit ausgeholfen haben, um die Insolvenz abzuwenden. Ob der zurückgezahlt wurde, will bei Basic niemand kommentieren. Für Basic-Mitgründer Richard Müller ist klar: „Lidl sitzt eigentlich noch drin.“

Schon ranken sich Legenden um den designierten Aufsichtsrat Maier. Einige Basic-Granden sehen in Maier, der sich einst gemeinsam mit Lidl-Gründer Dieter Schwarz in der Heilbronner Bürgerstiftung engagierte, eine Art Statthalter der Schwarz-Gruppe. Für Maier ist das „absoluter Unsinn“. Er sei unabhängig und wolle bei Basic vor allem versuchen, „die Scherben wegzuräumen“.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%