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BMW-Chef Reithofer "Premium wird über Nachhaltigkeit definiert"

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Lässt sich mit solchen Antrieben überhaupt Geld verdienen? Der Hybridantrieb ist noch immer teurer als der modernste Diesel.

Die Grenzwerte für 2020 stehen, und wir werden sie ohne Hybrid nicht erreichen können. Deshalb müssen wir die Herstellung dieser Technik im großen Stil industrialisieren. Allerdings bin ich der Meinung, dass nicht jeder Automobilhersteller die nötigen Technologien neu erfinden sollte.

...BMW also mit anderen Herstellern kooperieren muss?

Wir haben stets sehr erfolgreich mit anderen Partnern kooperiert und werden dies überall dort, wo es sinnvoll ist, auch in Zukunft tun.

Welche Ambitionen hat BMW beim Elektroauto?

Wir werden bis 2015 unser Megacity Vehicle mit reinem Elektroantrieb auf den Markt bringen. Wenn ich mir China anschaue, dann kann es sein, dass das Land jetzt sehr zügig in Richtung Elektromobilität geht. Dann müssen wir bereit sein. In vielen Ländern wird sicher künftig vorgeschrieben sein, dass ein gewisser Anteil der Neuzulassungen aus Elektroautos besteht. Ich rechne damit, dass der Anteil an Elektrofahrzeugen im Jahr 2020 zwischen 5 und 15 Prozent liegen wird.

Das kann nicht ohne Folgen für die Marke BMW bleiben: Wofür soll BMW in Zukunft stehen, für Freude am Fahren oder für Freude am Sparen?

Für beides, nämlich effiziente Dynamik. Wir müssen die Facetten der Marke BMW also erweitern. Aus unserer Marktforschung haben wir in den vergangenen drei Jahren immer wieder die Botschaft bekommen, dass BMW ganz überwiegend für Dynamik steht. In der Sprache der Marktforschung heißt das, BMW ist extrem spitz positioniert. Hier werden wir nachjustieren.

Nämlich?

BMW wird natürlich weiterhin wie keine andere Marke für Freude am Fahren stehen, aber zukünftig auch für Effizienz und Umweltfreundlichkeit. Denn Premium wird in Zukunft stärker über Nachhaltigkeit definiert. Wir sind hier auch schon gut unterwegs: So ist die BMW Group bereits zum fünften Mal in Folge Branchenführer im Dow Jones Sustainability Index geworden und damit der nachhaltigste Automobilhersteller weltweit. Wie aus zahlreichen Umfragen zudem hervorgeht, werden wir inzwischen auch zunehmend mit Themen wie geringem Spritverbrauch und geringer Luftverschmutzung in Verbindung gebracht. Das war vor wenigen Jahren noch nicht so.

Fürchten Sie nicht, bei der sinkenden Ölnachfrage und den noch lange ausreichenden Erdölvorkommen könnte sich der Elektromobilitätsboom bald wieder verflüchtigen?

Das glaube ich nicht. Die Steinzeit ist auch nicht zu Ende gegangen, weil es keine Steine mehr gab. Es ist gut möglich, dass das Erdölzeitalter in der Autoindustrie sehr viel früher zu Ende sein wird, als das Öl zur Neige geht. Wir haben alle mal auf einer mechanischen Schreibmaschine geschrieben, sind dann auf eine elektrische umgestiegen und schreiben heute auf Blackberrys oder Smartphones. Die Hersteller, die jene mechanischen Schreibmaschinen bauten, gibt es heute nicht mehr. Können wir ausschließen, dass es in zehn Jahren in unserer Industrie genauso sein wird?

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