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BMW-Elektroautos Konsequent wie kein anderer Autobauer

Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit stehen bei allen großen Autoherstellern weit oben auf der Agenda. Nun zaubert BMW neue Elektroautos aus dem Ärmel, die weit mehr sind, als umgebaute Benziner.

BMW-Chef Norbert Reithofer bei Quelle: REUTERS

Ausgerechnet an dem Tag, an dem US-Präsident Barack Obama in Washington seine neuen Zielvorgaben für den Spritverbrauch von Autos vorstellte, präsentierte BMW in Frankfurt seine ersten Großserien-Elektroautos, den Kleinwagen i3 und den Sportwagen i8. Werden Obamas Zahlen tatsächlich Gesetz, dann müssen Neuwagen im US-Markt fortan pro Jahr fünf Prozent sparsamer werden. In den vier zurückliegenden Jahren haben die Hersteller trotz Milliardenaufwendungen nur zwei Prozent geschafft. Kein Zweifel – die US-Autobauer, aber auch die europäischen und asiatischen Importeure dürfen sich auf einen technologischen und finanziellen Kraftakt einstellen. Und BMW? Die Münchner zaubern pünktlich zur Attacke aus dem Weißen Haus ganz souverän die wohl fortschrittlichsten Elektroautos, die jemals entwickelt wurden, aus dem Ärmel: Das rein batteriegetriebene Stadtauto i3 – Reichweite 150 Kilometer, Schnellladen in einer Stunde – und der Hybridsportwagen i8, der von einem sparsamen Dreizylinder angetrieben wird, aber auch 30 Kilometer elektrisch fahren kann. Lautlos huschten die beiden seriennahen Konzeptfahrzeuge vor einigen hundert Journalisten aus aller Welt durch die Halle 11 der Frankfurter Messe, futuristisch anmutend, mutig im Design und mit Tänzern, Laser und reichlich Kunstnebel aufwändig in Szene gesetzt.

Karbon-Karosserie in Großserie

Das teure Tamtam war in diesem Fall angebracht. Denn anders als die meisten bisher gezeigten Elektroautos sind die Wagen aus München keine herkömmlichen Autos, die auf Batterieantrieb umgerüstet wurden. Sie haben eine völlig neue Fahrzeugarchitektur, bei der auf der Antriebseinheit mit großem Batterieblock eine in sich abgeschlossene Fahrgastzelle aus dem Zukunftswerkstoff Karbonfaser sitzt. BMW ist der erste Hersteller, der Karbon-Karosserien in Großserie fertigen wird. Beim i8 sitzt der Elektromotor direkt auf der Vorderachse, der kleine Verbrenner auf der Hinterachse. Der Elektromotor made by BMW ist ebenso neuartig wie die Elektronik, das penible Nachhaltigkeitskonzept für die gesamte Wertschöpfungskette und die Vertriebsmodelle, mit denen BMW die teuren Wagen ab 2013 absetzen will.

Konsequent wie kaum ein zweiter Hersteller nutzt BMW den Start in Elektrozeitalter, um alles Althergebrachte zu überdenken. Für Deutschland ist das ein hoffnungsvoller Start ins Elektrozeitalter. Für die BMW-Konkurrenz ist es eine hohe Messlatte. Und für BMW ist es das Fundament für eine neue Fahrzeugfamilie. Unterhalb des i3 sind kleinere elektrische Stadtflitzer mit der Bezeichnung i1 und i2 denkbar. Zwischen i3 und i8 würde eine Reihe familien- und businesstauglicher Fahrzeuge passen.

Mit dem Einsatz von Spritspartechnologien – genannt Effcient Dynamics - hat BMW früher als alle anderen deutschen Hersteller den CO2-Ausstoß seiner Fahrzeuge gedrückt. Die strengen EU-Grenzwerte muss BMW heute deshalb nicht mehr fürchten. Mit den derzeit laufenden, großen Flottentests mit elektrischen Minis und 1ern und den daraus resultierenden E-Mobilen springen die Münchner wieder früher – und weiter – als der Wettbewerb.

Bloß, wo werden sie landen? In der Kostenfalle? Mit Elektroautos lasse sich auf absehbare Zeit kein Geld verdienen, werden die Vorstände anderer Hersteller nicht müde zu betonen. Bei BMW sieht man das anders. Bereits die erste Fahrzeuggeneration werde ihren Beitrag dazu leisten, dass BMW seine versprochenen Umsatzrenditen schafft, sagte BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner bei der Vorstellung der E-Autos. Und die gehören zu den höchsten in der Branche.

Schnell zur Marktreife

Einkaufsvorstand Herbert Diess, der die Bestellungen für sämtliche Komponenten des i3 und i8 bereits unterschrieben hat, ließ durchblicken, dass in absehbarer Zeit Elektroautos nicht mehr zwangsläufig teurer sein müssten als herkömmliche Autos. Nicht zuletzt, weil die Fortschritte bei der Batterie schneller gingen, als gedacht: „Die Leistungssteigerung bei den Batterien“, sagt Diess, „verlief doppelt so schnell, wie von uns noch vor wenigen Jahren angenommen.“

BMW, so scheint es, muss Obama nicht fürchten.

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