Bodo Hombach im Interview WAZ-Gruppe:"Online 2010 schwarze Zahlen"

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Aber machen Sie nicht das gleiche wie die Heuschrecke Montgomery? Sie wollen mit weniger Journalisten mehr Medien füllen, von Zeitungen über Online bis Lokalfernsehen.

Qualität ist gerade im kreativen Bereich nicht gleich Quantität. Ihr Vergleich hinkt. Wir haben vier Titel im gleichen Verbreitungsgebiet, drei davon mit sehr ähnlichen Strukturen. Die Redaktionskosten bei der „Westdeutschen Allgemeinen“ (WAZ), der „Westfälischen Rundschau“ (WR) und der „Neuen Ruhr Zeitung“ (NRZ) liegen sehr viel höher als die vergleichbarer Titel, etwa bei unserer „Braunschweiger Zeitung“.

Die WAZ hat aber auch eine deutlich höhere Auflage und ein größeres Verbreitungsgebiet.

Die Zahlen beziehen sich allein auf den Hauptteil, also ohne die vielen Lokalredaktionen, das kann man vergleichen. Wir könnten natürlich in Zukunft unseren Hauptteil allein mit Meldungen der Deutsche Presse-Agentur füllen. Das machen viele Zeitungen schon. Das wäre deutschlandweit Einheitsbrei. Wir wollen unsere Blätter mit eigener Mannschaft machen und uns eine eigene Meinung leisten, denken aber an die Kosten. Woanders gibt es die unterschiedlichsten Ansätze: Einige reduzieren Tarife. Andere haben durch Outsourcing von Redaktionen so etwas wie Leiharbeit organisiert...

...wie es Ihr Konkurrent Lensing-Wolff in Münster vormachte, wo eine ganze Lokalredaktion auf die Straße gesetzt wurde und jetzt ein Dienstleister das Blatt macht.

Wir schneidern ein eigenes Modell: Wir schaffen für drei der vier Titel einen Newsdesk mit 75 Redakteuren, der den einzelnen Zeitungen und den auf je 14 Redakteure verkleinerten Hauptteilredaktionen von WAZ, WR und NRZ zuarbeitet. Statt mit mehr als 200 werden wir in den Hauptteilen künftig mit gut 150 Journalisten auskommen. Wir wollen Doppel- und Dreifacharbeit vermeiden und so Kapazitäten schaffen etwa für ein Team, das investigativen Journalismus betreibt und sich in Themen vertieft.

Konzentration auf Bedeutendes

Aber die Leser merken doch, wenn in scheinbar eigenständigen Zeitungen die gleichen Inhalte stecken.

Alle Titel behalten eigene Chefredaktionen, die bestimmen, welche Themen ausgewählt und wie sie gewichtet werden. Sie kommentieren eigenständig. Die Titel-bezogenen Journalisten sind von Routine befreit und können sich auf Bedeutendes und Spezielles konzentrieren.

Noch stärker kürzen Sie in den Lokalteilen. Liegt nicht angesichts von Gratis-Weltnachrichten im Internet die Zukunft der Regionalzeitungen gerade in gut gemachten Lokalteilen?

Dass in unseren Lokalredaktionen 374 statt 566 Redakteure arbeiten, heißt nicht, dass wir an Qualität sparen. In Dortmund haben wir das vorgemacht. Statt einem Dutzend Redakteure arbeiten vier WAZ-Kollegen auf der Basis des Lokalteiles ihrer auflagenstärkeren Schwester WR. Sie setzen so starke eigene Recherchen und Geschichten oben drauf, dass dort die Zahl der Abo-Kündigungen erheblich gesunken ist und andere Medien aus WAZ-Dortmund dreimal so oft zitieren wie früher.

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